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„Performance Dinner“ in der Bad Sodener Stadtgalerie: Rizzis Lollypops krachen

Von James Rizzi hat den „American Way of Life“ in seinen Bildern trefflich skizziert. Zur großen Ausstellung des Pop-Art-Künstlers im Badehaus lädt der Aktionskünstler Rolf Baltromejus Kunstfreunde zu einer sinnlichen Performance an – bei der Auge und Gaumen zugleich angesprochen werden.
James Rizzis Bild „Lollypop Kids“ stand Pate für das Schmankerl aus der Küche beim „Performance Dinner“ – präsentiert von Denis Wolf, Rolf Baltromejus und Birgit Schmitges (von links). James Rizzis Bild „Lollypop Kids“ stand Pate für das Schmankerl aus der Küche beim „Performance Dinner“ – präsentiert von Denis Wolf, Rolf Baltromejus und Birgit Schmitges (von links).
Bad Soden. 

Zögernd tasten sich die Gäste an die orangefarbene Hülle heran. Zuerst mit der Zunge, dann beißen sie mutig zu. Knackig der Lollipop – die kalte Konsistenz widersetzt sich. Plötzlich dieser Schmelz – ein dickes, eisiges Mus, etwas, das nach Karotte schmeckt. Süß, salzig, fruchtig – alle Geschmacksnerven scheinen auf der Zunge aktiviert. Bewunderndes Lachen. Der Gruß aus der Küche ist Rolf Baltromejus gelungen. Die Überraschung sitzt.

„Performance Dinner“

Aus dem Jahr 1989 stammt das Bild von James Rizzi mit den „Lollypop Kids“, das der Gießener Aktionskünstler als eines der Motive für sein „Performance Dinner“ in der Bad Sodener Stadtgalerie bemüht. Der nächste Gang, Tomatenwasser mit gegrilltem Käse-Brioche-Sandwich, hört sich einigermaßen simpel an. Doch die fruchtige Tomatenessenz ist ein Genuss. Die Suppe habe zwar keinen direkten Bezug zu Rizzis Bildern, plaudert Baltromejus, doch wenn die Schulkinder in den USA nach Hause kämen, stünde meist eine Tomatensuppe auf dem Tisch.

Rotbarsch-Terrine folgt als zweiter Gang, begleitet von Garnelensauce. Dann kommt Deep Fried Chicken, das Lieblingsgericht der New Yorker, auf den Tisch. Klassisch amerikanisch mit Eisbergsalat, knackig, doch von Natur fad im Geschmack, wird der grüne Salat mit Staudensellerie, Radieschen, Roquefort und pikantem Dressing aufgepeppt. Gingerbread mit Rumcréme und pochierten Ingwerbirnen – ein weihnachtlicher Akzent – krönt das Vier-Gänge-Menu.

Es ist eine ungewöhnliche Veranstaltung, auf die sich die Gäste in der Stadtgalerie eingelassen haben. Inmitten der farbenfrohen wimmelnden Bilder des New Yorker Künstlers mit italienischen Wurzeln hat Baltromejus, der selbst Kunst studiert hat, im knapp 150 Jahre alten Badehaus zu einem „New York City Performance-Dinner“ eingeladen. An der langen herbstlich dekorierten Tafel haben die Gäste Platz genommen und harren der Dinge. Nichts wird vorher verraten, keiner weiß, was ihn erwartet. Es sei kein Catering, aber auch kein Restaurant, in dem die Leute an Vierer-Tischen säßen. Jeder könne in der Tafelrunde sitzen, wo er möchte. „Sie können Ihren Platz auch tauschen, wenn Ihnen Ihr Gegenüber unsympathisch ist“, ermuntert der Gastgeber. Anfangs schlendern die Besucher locker durch die Ausstellung, bis alle eingetroffen sind – aus Riedstadt, dem Hochtaunus, Bad Soden und von weiter her.

„It’s a Party“

Baltromejus möchte Leute zusammenbringen, die Interesse an ihren Mitmenschen und ein Auge für die Kunst haben. Essen an küchenfernen Orten mit kunstvollen Gerichten, lautet sein Credo. Dafür biete die Kunst von James Rizzi einen breiten Spielraum. Vögel und Fische tauchen in seinen Bildern auf, Äpfel und Birnen, die Baltromejus zu seinen Gerichten anregen. Rizzis Werke, wie „It’s a party“, die das pralle Leben widerspiegeln. Baltromejus experimentiert mit Gewürzen, bringt Zutaten in einen neuen Kontext. Dabei verrät der Sohn einer englischen Mutter und eines Vaters, der aus dem hessischen Vogelsberg stammt, dass er „null Kochausbildung“ hat. Die harte Arbeit in der Küche schmeißt sein Bruder Stuart gemeinsam mit einem Team von drei bis vier Freunden.

„Ich rede nur“, sagt der 34-Jährige, der in London Kunst studiert hat, den es dann nach Berlin zog und der vor sechs Jahren in seine hessische Heimat nach Gießen zurückgekehrt ist. Seit langem haben ihn die Trends der „Eat Art“ fasziniert. In der Kunsthalle in Gießen hat Baltromejus einen ersten Versuch gewagt und kam mit seinem ungewöhnlichen Dinner sofort an. Seitdem hat er an den Details gefeilt. Fantasie, Improvisation und die Art, wie er die Gäste mit seinen kurzweiligen Geschichten unterhält, sind Garanten für einen unterhaltsamen Abend.

Aus der Reserve locken

Dabei kennt Baltromejus nur zu gut das Rezept, wie er seine Besucher mit einem verführerischen Cocktail aus der Reserve lockt. Mit einem weihnachtlichen Punsch in kräftigem Orange und einem mintgrünen Zweig, ganz so, als sei das Glas einem Rizzi-Bild entstiegen, begrüßt er seine Tafelgäste.

Gerade kürzlich im November wurde Rolf Baltromejus in Berlin mit dem Preis „Kultur- und Kreativpilot Deutschland“ ausgezeichnet. Er ist einer von 32 Kreativunternehmern, der die Jury mit seiner innovativen Geschäftsidee überzeugen konnte.

Wer sich noch auf ein Performance-Überraschungs-Dinner einlassen möchte, hat am kommenden Samstag, 17. Dezember, um 19.30 hr, in der Stadtgalerie im Alten Kurpark, Königsteiner Straße 86, Gelegenheit dazu. Es gibt noch einige Restplätze. Weitere Infos gibt es im Internet unter info@rolfcooks.com oder Mobil unter 0172 / 6 55 98 00.

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