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Sprung-Wette bei „Wetten dass...?“: Samuel Koch zu Gast bei Go-Special

Von An seinem Schicksal haben Millionen Menschen Anteil genommen – auch, weil es sich so öffentlich in der Fernsehshow „Wetten dass...?“ ereignete. Gestern gab er einige Einblicke in sein „zweites Leben.“
Niederhöchstadt. 

Während seiner Sprung-Wette verunglückte Samuel Koch bei „Wetten dass...?“. Seitdem ist er vom Hals ab gelähmt – und bewegt heute andere. Mehr als 400 Menschen kamen gestern seinetwegen ins Bürgerzentrum, wo Koch im Rahmen des Go-Special der Andreasgemeinde zu Gast war. Mindestens 4 der 400 kamen aus Oberursel. „Wir haben alle diesen Unfall gesehen und auch sein weiteres Leben immer verfolgt. Als wir von unserer Pfarrerin gehört haben, dass er hierher kommt, haben wir gesagt: ,Da gehen wir alle hin’“, war sich die Familie Wiefelspütz („wir sind eigentlich sonst nicht solche Kirchgänger“) einig, dafür den Sonntagmorgen gern einzusetzen. Und es sollte sich lohnen. Denn auf der Bühne präsentierte sich im Interview mit Pfarrer Karsten Böhm und Petra Seidel ein sehr ehrlicher, junger Mann – einer, dem große Worte allerdings suspekt sind.

Ob er sich als Botschafter verstehe und welche Botschaft er habe, wollten die Moderatoren von ihm wissen. „Botschafter, das ist ein starkes Wort. Ich will mir nichts anmaßen. Dinge, die für mich richtig sind, sind vielleicht für andere falsch“, äußerte Koch daraufhin. „Eine gute Antwort“, raunte da einer seiner Nachbarin zu. Auch für manch anderen Einblick in sein „zweites“ Leben nach jenem Unfall am 4. Dezember 2010 gab’s spontanen Beifall.

Etwa für die Begründung, warum er nach seinem Unfall nicht den Rückzug ins Private angetreten hat. Das Buch „Zwei Leben“ habe er geschrieben, weil er so all den Menschen eine Antwort habe geben können, deren Briefe er unmöglich alle hätte beantworten können, erzählte Koch im Bürgerzentrum. Und die Erfahrung, dass er durch seine Prominenz und die daraus resultierenden Kontakte anderen Querschnittgelähmten helfen kann, wie einem jungen Mädchen aus dem Iran, für dessen Behandlung in Deutschland er sich einsetzte, habe ihn bewogen, sich „noch nicht so ganz zurück“ zu ziehen.

Viele Antworten überraschten. Die nach einer Buchempfehlung gehörte dazu. „Den Sobotta“, sagte Koch und es gab einen einzelnen Applaus. „Ah, einer kennt es“, sagte Pfarrer Böhm als einer der vielen, dem das nichts sagte. Koch klärte auf, warum er den Klassiker unter den Anatomiebüchern auch Nicht-Medizin-Studenten zur Lektüre empfiehlt. Aus diesem Buch werde „sichtbar, wie krass der Mensch ist, wie unvorstellbar komplex, wie ästhetisch. Wenn ich den Sobotta lese, weiß ich, da muss etwas Intelligentes dahinter stecken.“ Sein Glaube sei für ihn heute nicht mehr nur wichtig, sondern notwendig, verriet Koch. Er verschwieg aber nicht, dass er immer mal wieder auch hadert mit dem „Erfinder des Rückenmarks“. Das sei, wie „wenn der CD-Player kaputt ist – da rennt man ja auch zum Hersteller“.

Auf seine „recht robuste“ Erziehung („stell dich nicht so an!“) und die beim Kunstturnen erworbene Disziplin führt der 27-Jährige zurück, dass das Selbstmitleid nie die Oberhand gewann. Viele seiner Antworten würzte Samuel Koch mit Humor, und auch wenn manches nach Galgenhumor klang, kam das gut an. In der Klinik habe er beobachtet, wie seine Freunde aus dem Sport oder aus der Bundeswehrzeit, die ihn so anders kannten, angesichts des Kontrasts angefangen hätten zu weinen. Da habe er dann begonnen, sich eine Art Maske anzugewöhnen. „Lachen macht mehr Spaß als Weinen“, so lautete seine Begründung.

 

Schauspieler am Theater

 

Neben der Flucht in den Humor hilft dem Schauspieler Samuel Koch, der seit kurzem am Hessischen Landestheater Darmstadt arbeitet, die Liebe und Unterstützung seiner Familie. Durch eine kurze Lesung aus dem Schlusskapitel seines Buches erfuhren die Zuhörer am Ende zudem, dass Koch „die Hoffnung auf Heilung nicht aufgegeben“ hat. „Einfach los laufen, mich hinsetzen, nur, weil ich es kann“ – das ist sein Traum. „Spätestens im Himmel werde ich all das wieder tun können, da bin ich sicher.“

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