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Bergung menschlicher Überreste auf dem alten Friedhof: Schaulustige stören Archäologen

Von Nach vereinzelten kritischen Stimmen hatten die Arbeiten auf dem ehemaligen Gelände der katholischen Kita vorerst geruht. Seit Dienstag rollt der Bagger nun wieder. Zwischen Baumaschine und Schaulustigen gehen Archäologen ans Werk, die Skelette freilegen – Überreste des alten Eddersheimer Friedhofs.
Seit Dienstag wird auf dem Gelände des alten Friedhofs wieder gebuddelt. Zwischen Bagger und Schaulustigen arbeiten die Archäologen. Foto: Knapp Seit Dienstag wird auf dem Gelände des alten Friedhofs wieder gebuddelt. Zwischen Bagger und Schaulustigen arbeiten die Archäologen.
Eddersheim. 

Zugegeben: Der Anblick, der sich am Dienstag auf der Baustelle an der Bahnhofstraße bot, konnte auf empfindliche Gemüter abschreckend wirken. An mehreren Stellen der Grube ragten vollständige Gerippe aus der Erde. Die Skelette lagen der Länge nach im Boden – so wie sie bestattet wurden. Experten des Grabungsunternehmens Terraconsult legten die menschlichen Überreste frei und dokumentierten die Funde, die sie anschließend in Kisten verwahrten. Für die Archäologen, die nur ihrem Job nachgehen, gibt es sicherlich angenehmere Arbeitssituationen als das Bauprojekt in Eddersheim. Die Experten sehen sich immer wieder Kritikern und Schaulustigen gegenüber.

Auf dem ehemaligen Kita-Gelände, das der katholischen Kirche gehörte, befand sich von 1817 bis 1909 der Eddersheimer Friedhof. Nun hat ein Investor das Areal erworben, um dort Reihenhäuser zu errichten. Die Bauaufsicht des Main-Taunus-Kreises hatte nichts gegen das Vorhaben einzuwenden.

Für den Erhalt der Bäume

Seit Monaten regt sich allerdings bereits Widerstand aus dem Ort. Frank Wolf von der Bürgerinitiative für Umweltschutz (BfU) setzte sich für den Erhalt der Bäume und der historischen Mauer entlang des Grundstücks ein. Die BfU sprach sich auch gegen eine Bebauung des angrenzenden Lindenplatzes aus. Der Hattersheimer Magistrat hat mittlerweile entschieden, diesen angrenzenden Platz nicht an den Bauträger zu verkaufen. Im Gespräch mit dieser Zeitung wandte sich außerdem der Eddersheimer Hobbyhistoriker Rainer Steinbrech gegen die Umsetzung der Baumaßnahme, weil aus seiner Sicht nicht pietätvoll mit den Knochenfunden umgegangen werde. Auch gestern verfolgten ein paar Schaulustige die Grabungen mit kritischen Blicken durch den Zaun. „Ich kann nicht verstehen, dass die Kirche das verkauft hat, obwohl sie wissen, dass das mal ein Friedhof war“, erklärte ein älterer Eddersheimer.

Für die Archäologen stellt sich die ganze Situation weit weniger emotional dar: Es gebe eine Auflage vom Landesdenkmalamt, die Gräber zu archivieren, erklärte gestern Dr. Dominik Meyer.

Große Aggressivität

Der Bauträger habe daraufhin seine Fachfirma engagiert. Das Team fotografiere nun die genaue Lage der Grabflächen, bevor die Knochen aus der Erde geholt werden. „Wir legen die Gräber nach archäologischen Richtlinien frei und sammeln die Knochen“, erläuterte der Fachmann. Wenn zusätzlich noch Schmuck oder andere Grabbeigaben auftauchen, werden diese ebenfalls geborgen und an das Denkmalamt weiter gegeben, so Meyer. Solange die Zuschauer am Rand der Baustelle vernünftig fragen, sei er gerne bereit, Auskunft zu geben. Er sei jedoch überrascht von der Aggressivität, mit der mancher Beobachter reagiere, schildert der Experte. Teilweise sei es am Rand der Baustelle schon fast zu Handgreiflichkeiten gekommen. Für das Vorankommen der Archäologen, die nur ihre Arbeit erledigen wollen, sei dies natürlich hinderlich.

Verstehen kann Dominik Meyer die große Aufregung um die Freilegung des ehemaligen Friedhofs ohnehin nicht. „Wenn das noch ein aktiver Friedhof wäre, hätte man die Gräber doch auch nach 20 Jahren abgeräumt“, gibt der Archäologe zu bedenken.

Die Frage, ob es sich bei der Eddersheimer Situation um einen Einzelfall handele, verneint Meyer. Es sei schon vorgekommen, dass sein Team zu einer Baustelle gerufen wurde, weil sich Reste eines evangelischen Friedhofes im Untergrund befanden.

Wie lange die Archivierung der Überreste des Eddersheimer Friedhofs noch dauern wird, konnte der Archäologe gestern nicht abschätzen.

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