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"Schlumpel" hat überlebt

Von Ein Hausbesitzer brachte das wenige Tage alte Fellknäuel zu Dr. Kirsten Tönnies. Sie kümmerte sich rund um die Uhr um das Findelkind.
Hattersheim. 

Hätte es nicht ein paar zaghafte Piepslaute von sich gegeben, hätte der Gartenbesitzer das kleine Wollknäuel, das auf der Wiese vor seinem Haus kauerte, glatt übersehen. Als er genau hinschaute, entdeckte er, dass es sich beim dem flauschigen Fund um ein winziges Vogeljunges handelte. Der Tierfreund wollte das Findelkind retten. Doch wie bringt man einen paar Tage alten Jungvogel durch? Der Hattersheimer nahm das Küken und brachte zu Dr. Kirsten Tönnies. "Das ist vermutlich ein Turmfalke", stellte die Hattersheimer Tierärztin fest.

Riesige Füße

"Auf den ersten Blick war ich mir nicht hundertprozentig sicher, denn der Kleine hatte riesige Füße und außer einem kuscheligen Flaum sah man nicht viel von ihm, deshalb habe ich ihn ,Schlumpel’ getauft", erinnert sie sich. Ob sie den Winzling durchbringen konnte, war unsicher. "Er war etwa 14 Tage alt", sagt die Veterinärin, die sich nicht in ihrer Praxis um Tiere kümmert, sondern auch zu Hause schon manchen Piepmatz, der aus dem Nest gefallen war, hochgepäppelt hat. Das ist jedoch ein mühsames Vabanquespiel. Denn trotz optimaler medizinischer Versorgung gelingt es auch der Expertin nicht immer, einem Nestflüchter das Leben zu retten.

Kirsten Tönnies machte eine Transportbox zurecht, packte den Winzling hinein und nahm ihn mit nach Hause. "Die ersten drei Tage sind die schwierigsten", sagt die Tierärztin. In der Natur werden die Kleinen in den ersten Tagen fast rund um die Uhr von ihrer Mutter beschützt, die sie unter ihren Flügeln wärmt und gleichzeitig vor regen, Hitze oder Kälte schützt. Kirsten Tönnies stattete die Aufzucht-Box so aus, dass sie die Atmosphäre eines großen kuscheligen Nest vermittelte.

Ein Küken auf Reisen

Schwieriger wurde die Aufzucht: In den ersten Tagen versorgte die Tierärztin das Vögelchen per Sonde mit einem speziellen Aufzuchtbrei. Nach drei Tagen war der geschwächte Winzling zu Kräften gekommen und Kirsten Tönnies ging langsam dazu über, ihn mit fester Nahrung zu füttern. Und da war Phantasie gefragt: "Ich habe ihm winzige Stückchen frisches Rinderfilet sowie häppchenweise Hundefutter aus der Dose angeboten. "Schlumpel" entwickelte sich rasch zum Gourmet: "Er bevorzugt eindeutig die Filets", erzählt Kirsten Tönnies, die inzwischen zur Ersatzmama geworden war. Rund um die Uhr betreute sie das gefiederte Findelkind: Jeden Morgen wurde "Schlumpel" in seine Box gepackt und kam mit die Praxis, jeden Abend ging es zurück nach Hause. Und sogar im Urlaub, den sie mit ihrer Familie und ihren Vierbeinern in der Lüneburger Heide verbrachte, durfte "Schlumpel" nicht fehlen, damit seine "Rundumversorgung" gesichert war. Und der Winzling erwies sich als absolut reisetauglich. "Schlumpel" genoss die lange Autofahrt in seiner Box und fühlte sich in seinem Feriendomizil äußerst wohl. Und auch die Wirtsleute des Bio-Hofs, auf dem Kirsten Tönnies ihre Ferien verbrachte, waren restlos angetan von dem drolligen Kerlchen.

Appetit auf Mäuse

Inzwischen ist aus dem puscheligen Fellknäuel allerdings ein ansehnlicher junger Turmfalke geworden. Seine ersten Flugversuche im Haus hat der hübsche Vogel mit den wachen dunklen Augen längst hinter sich. Und auch sein Speiseplan hat sich geändert: Nach wie vor liebt der gefiederte Feinschmecker Häppchen vom Rinderfilet, doch an der natürlichen Nahrung, nämlich Mäusen, findet der junge Falke, den man wie seine Artgenossen an dem "rüttelnden" Flug erkennt, Gefallen. "Katzenbesitzer aus der Nachbarschaft versorgen mich da ganz gut mit Beute, aber Schlumpel hat einen wahnsinnigen Appetit", erzählt die Tierärztin, die sich freut, dass es ihr gelungen ist, den Piepmatz aufzuziehen.

In wenigen Tagen wird sie sich von Schlumpel verabschieden. "Er will raus und ich werde ihn jetzt in die Freiheit entlassen."

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