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Schon mit 14 Jahren schrieb er Großartiges

Nach dem Rundgang am Nachmittag ging es abends beim „besonderen Konzert“ zurück in die Jugendzeit von Felix Mendelssohn-Bartholdy.
Bad Soden. 

Wenn eine Veranstaltung den Beinamen „Das besondere Konzert“ trägt, so ist dies nicht nur als Werbemaßnahme zu verstehen, sondern darf mit Fug und Recht auch als ein Versprechen genommen werden, erst recht dann, wenn es Bestandteil der Mendelssohn-Tage der Musik ist, bei denen Besonderheiten in den vergangen Jahren einen festen Platz gefunden haben – man denke nur an die Institution des Salonkonzerts.

Für das Konzert am Sonntagabend im Ramada Hotel vor voll besetzten Reihen trifft die Bezeichnung „besonders“ in mehrfacher Hinsicht zu. So gehört das Konzert für Violine, Klavier und Orchester von Felix Mendelssohn Bartholdy zu den musikalisch vielleicht noch nicht ganz vollendeten, aber in vielerlei Hinsicht vielversprechenden Jugendwerken des gebürtigen Hamburgers. Er komponierte es 1823, also mit 14 Jahren. Was zunächst als Beitrag für ein Hauskonzert im familiären Kreis gedacht war, erklang bereits wenige Wochen später im großen Konzertsaal. Für jene zweite Aufführung erweiterte der junge Mendelssohn dass Streichorchester um einen Part für Bläser und Pauken – in dieser zweiten Fassung wurde es dann erst 1999 wieder zu Gehör gebracht.

Nachwuchssolisten

Mag dieses Doppelkonzert auch nicht mit dem späteren Violinkonzert in e-Moll mithalten können, so verrät es doch große Ambitionen, die sowohl kompositorisch als auch instrumental-solistisch Raum greifen, schließlich war Mendelssohn auch sein erster Interpret, er spielte bei den ersten Aufführungen den Klavierpart.

Passend zur Genesis dieses Konzertes wurden die beiden anspruchsvollen Solo-Partien beim Konzert der Mendelssohn-Tage von zwei Nachwuchskünstlern vorgetragen. Der Violinpart fiel dem Amerikaner Alexi Kenney, Gromek-Preisträger des Jahres 2013, zu, während die Klavierpartie von dem aus Königstein stammenden Constantin von Knebel-Döberitz vorgetragen wurde. Beide Interpreten zeigten sich ihrer Aufgabe in idealer Weise gewachsen und vermochten sowohl in den virtuosen Passagen des ausladenden Eröffnungssatzes zu brillieren als auch in den schwelgerischen Momenten, die der Mittelsatz bereit hielt.

Mit dem Orchester der Hofheimer Akademie unter der Stabführung von Hans-Georg Dechange konnten sich die beiden Künstler auf ideale Begleiter und Unterstützer verlassen. Die große Zustimmung des Publikums unterstrich nachhaltig, dass der Beiname „besonderes Konzert“ an diesem Abend kein leeres Versprechen darstellte.

Höchste Weihen

Dies muss auch für das Hauptwerk des Abends gelten, das den zweiten Teil des Konzertes füllte, die Messe in C-Dur op 86 von Ludwig van Beethoven – eine Komposition mit dem Kammerchor Hofheim, der an diesem Abend den Chorpart übernahm. Unter der Leitung von Hans-Georg Dechange hatte er bereits am Vorabend sein 25-jähriges Chorbestehen in einem beeindruckenden Konzert gefeiert.

In diesem Werk, das Beethoven 1807 vollendete, wird eine Symbiose aus liturgischer Gebrauchsmusik und einem zu diesem Zeitpunkt weit entwickelten kompositorischen Sprachstil angestrebt – ein Resultat, das unterschiedliche Reaktionen hervorrief. „Aber lieber Beethoven, was haben Sie denn da wieder gemacht“, soll Fürst Esterhazy, der die Messe zum Namenstag seiner Frau in Auftrag gegeben hatte, über dieses Werk gesagt haben, während mancher Kritiker Beethoven auch auf dem Gebiet der Sakralmusik höchste Weihen zusprach.

Die Vielfalt dieser Komposition, deren einzelne Sätze durch satzübergreifende Elemente quasi verbunden sind, wurde durch den Kammerchor wunderbar zum Klingen gebracht, der dabei von den Solisten Eva Maria Aldecoa (Sopran), Julia Heigl (Alt), Rolf Sostmann (Tenor) und Jochen Faulhammer (Bass) ideal unterstützt wurde. Am Ende gab es für alle großen Beifall zum Ausklang eines besonderen Konzerts.

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