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Kronjuwelen-Konfirmation: Seit 75 Jahren in Freundschaft vereint

Ilse Christian und Hilde Mirwald sind seit Kindesbeinen an gute Freundinnen. Sie wurden vor 75 Jahren im Kriegsjahr 1943 gemeinsam konfirmiert und waren jetzt im Alter von 89 Jahren die einzigen ihres Jahrgangs, die das Fest der Kronjuwelen-Konfirmation feierten.
Die Jubiläumskonfirmanden vor der evangelischen Kirche in Sulzbach. Vorne Fünfte von links Hilde Mirwald, rechts daneben Ilse Christian. Bilder > Foto: Hans Nietner Die Jubiläumskonfirmanden vor der evangelischen Kirche in Sulzbach. Vorne Fünfte von links Hilde Mirwald, rechts daneben Ilse Christian.
Sulzbach. 

Am 21. März 1943 gingen ein Dutzend Sulzbacher Mädchen und Jungen sowie einige aus der überwiegend katholischen Gemeinde Schwalbach zur Konfirmation. Elli Siegfried konnte 75 Jahre später aus gesundheitlichen Gründen nicht teilnehmen. So waren Hilde Mirwald und Ilse Christian, deren enge Freundschaft ein ganzes Leben lang gehalten hat, die einzigen beim Fest der Kronjuwelen-Konfirmation.

Es war für beide ein besonderer Moment, als sie in der Kirche, in der sie konfirmiert und getraut wurden, 75 Jahre nach ihrer Konfirmation erneut vor den Altar traten, gemeinsam mit fast 20 Frauen und Männern, die in einem von Pfarrerin Daniela von Schoeler geleiteten Gottesdienst goldene, diamantene, eiserne und Gnaden-Konfirmation feierten.

„Ich hätte vor 75 Jahren nie und nimmer daran gedacht, dass ich heute mit meiner Freundin Hilde hier zu den Letzten unseres Jahrgangs zähle“, sagt Ilse Christian, die 1954 mit ihrem Mann Heinrich im elterlichen Frankfurter Hof Hochzeit gefeiert und zwei Jahre später den „Sonnenhof“ an der Neugartenstraße, der damals noch im freien Feld lag, bezogen hatte. Ihr 2004 gestorbener Mann Heinrich Christian war viele Jahre lang Erster Beigeordneter der Gemeinde Sulzbach.

Ausflug ins Theater

Gemeinsam mit Hilde Mirwald erinnert sich Ilse Christian, dass vor 75 Jahren bei der mit einer Prüfung verbundenen Vorstellung bunte und bei der Konfirmation schwarze Kleider getragen wurden. Trotz der Kriegszeit konnte mit Dekan Carl Deißmann der Konfirmationsunterricht durchgezogen werden. Ilse und Hilde hatten auch nicht gespürt, dass die Nationalsozialisten die Konfirmation beeinflussen oder gar verhindern wollten.

Hilde Mirwald erinnert sich, dass die Schar der Konfirmanden nach dem Vorstellungsgottesdienst am 7. März 1943 gemeinsam mit der Bahn nach Frankfurt gefahren ist und im gegenüber vom Hauptbahnhof gelegenen und später im Krieg zerstörten Schumann-Theater eine Aufführung erlebte. Hilde Mirwald: „Danach gingen wir ins Café Hauptbahnhof.“

An besondere Geschenke freilich war 1943 nicht zu denken. Hilde Mirwald, geborene Hardt, war in der Hauptstraße 37 in der elterlichen Gärtnerei zu Hause. „Aber gefeiert werden konnte nicht, weil es nichts zu essen gab“, berichtet sie. Dies war im Elternhaus von Ilse Christian, geborene Schaar, die mit ihrer Familie im landwirtschaftlichen Anwesen Frankfurter Hof, dem heutigen Bürgerzentrum, daheim war, eher möglich. „Die Ilse hat mich zu ihrer Konfirmationsfeier eingeladen, die bis Viertel vor Eins in der Nacht ging“, erzählt Hilde Mirwald.

Füttern, melken, ausgehen

Beide erinnern sich trotz der schlimmen Zeiten an eine schöne Jugend: „Wir waren jung und unbeschwert. Wir haben viel gesungen. Und dass wir bei Fliegeralarmen immer wieder im Keller Schutz suchen mussten, gehörte damals einfach dazu.“ Auch die Schreckensnachrichten von befreundeten oder sogar verwandten Gefallenen zählten ebenso zum Alltag wie die positiven Eindrücke der Konfirmandenstunden und der Konfirmation selbst.

Auch die Nachkriegszeit war für die Busenfreundinnen nicht einfach. „Wir mussten viel arbeiten“, sagen beide beim Blick zurück. Hilde in der Gärtnerei des Vaters, Ilse im landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern. Bei Ilse war der Stress besonders groß, bevor sie abends mal ausgehen konnte: „Erst füttern und melken, und dabei schon die Lockenwickel in den Haaren.“

Ilse Christian hat zwei Kinder, fünf Enkel und drei Urenkel. Hilde Mirwald, deren Mann Josef jahrzehntelang eine Stütze der Sulzbacher Fassenacht war, gratulierten der Ehemann, zwei Söhne mit ihren Frauen, zwei Enkel und zwei Urenkel.

An ihrem Ehrentag dachten die beiden Freundinnen Hilde und Ilse besonders an das Lied „Hier liegt vor Deiner Majestät im Staub die Kinderschar“, das vor 75 Jahren anlässlich der Konfirmation immer wieder gesungen worden war. Es ist in keinem Gesangbuch mehr zu finden. Aber Hilde und Ilse kennen jede Strophe nach 75 Jahren noch auswendig.

(wm)

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