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Sie behüten die Naturheilkunde

Der neue Naturheilverein Taunus bietet vor allem im Oberurseler Kunsthaus K 22 Veranstaltungen an. Am 12. Oktober beteiligt er sich gleich an einem bundesweiten Aktionstag.
Ein Teil des ersten Vorstandes im Naturheilverein Taunus: Claus-Peter Racky, Cornelia van der Hout, Claudia Bady, Andrea Schulte-Herr und Christoph Wagner (v. li.). Sie stehen passend zu ihrem Thema bei strömendem Regen in einem Sonnenblumenfeld am Gimbacher Hof.	Foto: Matthias Knapp Ein Teil des ersten Vorstandes im Naturheilverein Taunus: Claus-Peter Racky, Cornelia van der Hout, Claudia Bady, Andrea Schulte-Herr und Christoph Wagner (v. li.). Sie stehen passend zu ihrem Thema bei strömendem Regen in einem Sonnenblumenfeld am Gimbacher Hof. Foto: Matthias Knapp
Oberursel/Kelkheim. 

Claus-Peter Racky aus Kelkheim ernährt sich schon lange gesund, baut im großen Garten sein Obst und Gemüse selbst an. Er sei „ein Gegner von Chemie“ und frage jeden Arzt, was mit diesem oder jenem Medikament passiere. Helfe ihm die Naturheilkunde auch – aber vielleicht nur etwas langsamer – dann ziehe er sie stets vor. Das gilt auch für Claudia Bady aus Oberursel, deren Vater Apotheker war und die als Kind „mit Medikamenten vollgepumpt“ worden war. „Das kann’s nicht sein, auch die Gerätemedizin hat mich abgeschreckt“, sagt sie und ist heute Tanz- und Psychotherapeutin sowie Heilpraktikerin. Diese Ausbildung hat Christoph Wagner aus Kelkheim ebenfalls absolviert – allerdings nur ganz privat für sich. Er war lange Politikredakteur, bevor ihm das „zu einseitig“ wurde und er vor 13 Jahren einen Job bei der Zeitschrift „Naturarzt“ fand.

Drei Menschen aus der Region – drei unterschiedliche Geschichten, aber drei identische Lösungen: Nicht nur Claus-Peter Racky, Claudia Bady und Christoph Wagner vertrauen zu einem großen Teil auf die Heilkraft der Natur und natürliche Alternativen zur Medizin – viele Millionen Menschen tun es ihnen gleich. Und so reifte in Wagner vor nicht allzu langer Zeit die Idee, daraus doch mehr machen zu können – „in der Hoffnung, es gründet einer einen Verein, und ich mache mit“. Letztlich kam es nicht ganz so: Wagner musste doch selbst aktiv werden und war die treibende Kraft bei der Gründung des neuen Naturheilvereins Taunus. Zwei Vorträge zum wichtigen Thema „Blutdruck senken!“ in Oberursel und Kelkheim nutzte der Redakteur als Vehikel, um interessierte Menschen zu versammeln. Die Resonanz auf das Thema war prima – und auf die Idee, einen Naturheilverein zu gründen, sowieso. So hoben 18 Mitglieder den Club im Juli aus der Taufe. Größer ist die Gruppe noch nicht geworden, weil schlicht die Anträge noch fehlen. Auch sind noch nicht alle Formalitäten abgeschlossen. Immerhin: Einen Vorstand voller Tatendrang gibt es bereits. Und der hat sich jetzt in großer Zahl mit dem Kreisblatt am Gimbacher Hof getroffen – draußen in der Natur, versteht sich.

Auch wenn die amtlichen Mühlen noch mahlen, will der Naturheilverein Taunus schon gleich loslegen. Am 12. Oktober beteiligt sich die Gruppe mit einem Aktionstag am bundesweiten „Tag der Naturheilkunde“. Im Oberurseler Kunsthaus K 22 soll es neben Vorträgen vor allem Mitmachaktionen zu Angeboten wie Feldenkrais, zentrale Widerstandskraft, Fitness, chinesischer Medizin oder gesundem Kochen geben. Das K 22 wird dann die neue Heimat des Vereins – wenngleich Vorsitzende Wagner gerne auch in Kelkheim Veranstaltungen und Aktionen anbieten möchte. Der Verein setzt auf ein Einzugsgebiet im Main-Taunus- und im Hochtaunuskreis und ist bereits unter die Fittiche des Deutschen Naturheilbundes geschlüpft. Da gebe es vor allem in Süddeutschland rund 50 richtig aktive Gruppen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, so habe die Gruppe in der Wetterau stattliche 1000 Mitglieder. So riesig möchte der Taunus sicher nicht werden. „Man will sich ja auch kennen“, sagt Wagner. „Wir wollen kein Großveranstalter sein, sondern etwas gemeinsam machen und die Idee verbreiten.“ Es gebe in diesem Bereich „Initiativen, die zerbröseln oft, bei uns ist es auf Kontinuität angelegt“. Jeder, der etwas einbringen wolle, sei willkommen. Dabei heben der Vorsitzende und sein Stellvertreter Dr. Hein Reuter hervor, dass der Verein bodenständig bleiben und nicht zu spirituell oder esoterisch werden soll. Es gehe ganz einfach um die praktische Hilfe, die „gesunde Lebensführung und Prävention“, sagt Reuter und betont mit Blick auf die unzähligen, nicht immer für alle geeigneten Angebote: „Diesen Sumpf auseinander zu kriegen, ist schon Arbeit.“

Anstrengungen, die der Vorstand gerne in Kauf nimmt. Beisitzerin Andrea Schulter-Herr möchte zum Beispiel „althergebrachten Lösungen einen modernen Zugang verschaffen“. So wolle sie aufklären, dass „Ayurveda kein Geheimnis ist“. Sie habe sich dem Verein aus persönlichem Interesse angeschlossen und berät in ihrem Job Menschen, die sich in den Gesundheitsberufen selbständig gemacht haben. Die „Präventionsschiene“ ist auch für Schriftführerin Cornelia van den Hout ganz wichtig. Die Psychologin beklagt eine kaum funktionierende Zusammenarbeit zwischen ihrer Zunft und den Ärzten. Dabei ist sie sicher: „Wer anders denkt, kann schon vieles vermeiden.“ Beisitzerin Claudia Bady stößt ins selbe Horn: Ziel des Vereins sei es, „die Eigenverantwortlichkeit in Gang zu bringen“ und den Menschen Hilfen zu geben in die Richtung: „Ich kann selber was machen.“ Reuter, Arzt für Allgemeinmedizin mit Schwerpunkten Akupunktur, Homöopathie und christlicher Psychotherapie, formuliert es so: „Den Willen in die richtige Richtung zu biegen, ohne ihn kaputt zu kriegen – das ist das Ziel.“ Racky wiederum würde gerne einen Landwirt überzeugen, biologisch anzubauen – mit den Vereinsleuten als Hauptabnehmer.

Erreichen möchte dies die Gruppe mit einer Vielzahl von Angeboten, die jetzt nach und nach geplant werden. „Wir sind noch in der Findungsphase“, sagt Vorsitzender Wagner zwar. Aber er kann sich eine Art Jahresprogramm – „nicht nur Vorträge, sondern auch Sachen zum Mitmachen“ – gut vorstellen. Zudem treffen sich die Mitglieder und interessierte Neulinge einmal im Monat im K 22, um zu fachsimpeln und neue Projekte auszuhecken. Auch eine Art Sprechstunde oder Anlaufstelle sei denkbar. Allerdings hebt Wagner hervor: „Wir wollen keine Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten ersetzen.“ Er weiß aber um das große Interesse an der Sache und an einem Ratgeber jenseits der wirtschaftlichen Strukturen: „Naturheilkunde fängt da an, wo die Menschen selbst betroffen sind.“ So sei das Thema früher etwa in einem Naturverein Rhein-Main präsent gewesen. Daran wollen Wagner, Reuter und Co. nun anknüpfen.

Die nächsten Stammtische des neuen Naturheilvereins sind heute, 11. August, und am Mittwoch, 10. September, jeweils um 19 Uhr im Kunsthaus K 22, Altenhöfer Weg22, in Oberursel. Informationen zur Gruppe gibt es bei Kassiererin Sigrid Krautstein unter Telefon (0 61 71) 2 06 07 08. Eine Homepage soll noch erstellt werden.

(wein)
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