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Diskussion um neue Bibliothek: So geht Bücherei heute - Bad Vilbel ist Leuchtturmprojekt

Von Das erste Bürgerforum zur Stadtbücherei hat Hofheims Entscheidungsträger in einer Hinsicht ganz besonders überrascht: Viele Bürger machten sich für eine deutlich größere Fläche für die Stadtbücherei stark. Vermisst wurde zudem ein Konzept. Das Kreisblatt hat beim Hessischen Bibliotheksverband nachgefragt, warum es heute sinnvoll ist, Büchereien großzügig zu planen.
Der Parkplatz am Rande des Kellereiplatzes soll in Hofheim für den Bau der Stadtbücherei weichen. Doch die Stimmen der Kritiker sind laut. Bilder > Foto: Knapp Der Parkplatz am Rande des Kellereiplatzes soll in Hofheim für den Bau der Stadtbücherei weichen. Doch die Stimmen der Kritiker sind laut.
Hofheim. 

Falsche Vorstellungen sind beim Thema Stadtbücherei weit verbreitet. Das zumindest ist die Erfahrung von Alexander Budjan. Der Leiter der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken weiß, viele hätten beim Gedanken an eine Bücherei noch immer dieses Bild eines Raumes mit vielen Regalen vor sich, verbunden mit der Vorstellung: „Da gehe ich rein und leihe was aus.“

Doch diese Idee von Stadtbücherei, die ist längst überholt. Ein Grund, warum sich manche Bibliothek umbenannt hat in „Mediathek“. So etwa die frühere Stadtbücherei von Neckarsulm. Die wollte damit nach außen die eigenen Zielvorgaben stärker kommunizieren: „Die neue Mediathek sollte eine Begegnungsstätte für alle Bürgerinnen und Bürger werden, sich als Auskunftsort in der Informationsgesellschaft verstehen, ein zeitgemäßes Medienangebot vorweisen können und ein besonderes Augenmerk auf die Zielgruppe Kinder richten“, heißt es in einem Artikel von Petra Schraml für „Lesen in Deutschland.“ Eine Delegation der Stadt Hofheim hat sich die als „ausgezeichnete Bibliothek“ zertifizierte Einrichtung auch schon einmal angesehen, wie Alexander Budjan weiß.

Zu Zeiten war das, in denen in der Kreisstadt an einer Konzeptentwicklung für den geplanten Neubau einer Stadtbücherei gearbeitet wurde. Auch die Hessische Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken war daran beteiligt. Doch seit rund eineinhalb Jahren habe er nichts mehr gehört, sagt Budjan. Bei einer letzten Sitzung, an der noch der im Februar 2016 verstorbene langjährige Leiter der Stadtbücherei, Michael Zerrun, teilgenommen habe, habe die Leiterin des Fachbereich, Heidelore Fink-Knoblauch, mitgeteilt, dass die Fläche für die Bücherei wohl aus Kostengründen verkleinert werde. Seitdem sei die Fachstelle nicht mehr um Mitwirkung gebeten worden.

Geschrumpfte Pläne

Dass sich Hofheimer Bürger nun für mehr Fläche für die Bücherei stark machen, findet Budjan bemerkenswert. Denn die von 1200 auf 758 Quadratmeter geschrumpften Pläne seien alles andere als einer Kreisstadt mit 40 000 Einwohnern angemessen. „Für diese Größenordnung sind sogar 1200 Quadratmeter noch zu wenig“, sagt der Bibliotheks-Fachmann.

In Neckarsulm (rund 26 500 Einwohner) wurde ein Gebäude mit 3050 Quadratmetern Nutzfläche erstellt, die allerdings nicht komplett der Bücherei zur Verfügung stehen, da im Erdgeschoss ein Bio-Markt Mieter ist. Dass die Hofheimer ein Vorbild in Baden-Württemberg besucht haben, kam nicht von ungefähr. Das Land habe lange als führend gegolten, weiß Budjan. Gute Beispiele für moderne Stadtbibliotheken gebe es aber heute auch in Hessen. Er empfiehlt allen, die wissen möchten, wie Bücherei modern geht, einen Ausflug nach Bad Vilbel oder Hanau. Bad Vilbel (rund 33 000 Einwohner) sei von der Größe her natürlich näher dran an Hofheim, sagt Budjan, auch wenn es keine Kreisstadt sei. Die Stadtbibliothek des Kurorts am Nordrand des Rhein-Main-Gebiets hat 2017 den Hessischen Bibliothekspreis erhalten. Sie war im November 2013 eröffnet worden – in einem Brückenbau, der mitten in der Stadt die Nidda überspannt und auch architektonisch Maßstäbe setzt. 11,5 Millionen Euro hat sich Bad Vilbel das Haus kosten lassen.

Mit Verweilqualität punkten

Außerdem nimmt die Stadt über mehrere Jahre viel Geld in die Hand, um den Medienbestand aufzustocken und zu modernisieren. Ziel sind zwei Medien pro Einwohner. Die Bilanz nach dem ersten kompletten Jahr im neuen Haus: Mit mehr als 332 000 Ausleihen konnte 2014 dieser Wert gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt werden, wie die Nord-Ausgabe der Frankfurter Neuen Presse im Januar 2015 berichtete. „Doch die Bibliothek kann auch mit Verweilqualität punkten. Über 138 000 Besucher wurden um vergangenen Jahr gezählt“, heißt es dort zudem. Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) sah die „beachtlichen Erwartungen in das neue Haus voll und ganz erfüllt.“ Alexander Budjan sagt, mittlerweile habe Bad Vilbel die „bestbesuchte Bibliothek in Hessen im Vergleich zur Einwohnerzahl“.

Grundsätzlich sei es allen, die ihre Bibliotheken vergrößert und modernisiert hätten, gelungen, die Nutzerzahlen zu steigern, weiß der Leiter der Fachstelle in Wiesbaden. Warum eine moderne Bibliothek mehr Fläche brauche, um heutigen Nutzungsanforderungen zu genügen, erläutert Budjan auch. Falsch sei die Annahme, dieser sei nicht mehr so nötig, weil vieles online gehe. „Menschen wollen sich in Bibliotheken aufhalten, in einem Raum außerhalb der Kommerzialisierung.“ Das sei auch in sozialer Hinsicht von großer Bedeutung – gerade für Menschen mit geringem Einkommen und beengten Wohnverhältnissen.

Bedeutung nicht erkannt

Auch für Schüler, die es am Schulstandort Hofheim ja in großer Zahl gebe, sei eine Möglichkeit, ungestört lernen zu können, wichtig. Eine kostenfreie W-LAN-Nutzung gehöre zur modernen Bibliothek wie die Möglichkeit, hier einen Arbeitsplatz zu finden, an dem – allein oder in Gruppen – gelesen und gelernt werden könne. „Das ist alles deutlich platzaufwändiger als die Bücherei von früher“, sagt Budjan. Dass eine moderne Stadtbibliothek deutlich mehr Raum brauche, sei also „eigentlich keine Frage“. Wo Politiker anders entschieden, hätten sie „wahrscheinlich noch nicht die Bedeutung erkannt“. Für ihn eine mögliche Erklärung: Entscheidungsträger seien häufig Menschen, „die Bibliotheken nicht so frequentieren.“

HWB-Aufsichtsrat und Stadtverordnete tagen

Die Fläche für die Stadtbücherei ist von der Stadtverordnetenversammlung im Rahmen des Nutzungskonzepts festgelegt worden, das die Hofheimer Wohnungsbaugesellschaft (HWB) als künftiger Bauherr für

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