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Spielerisch streiten lernen

Gerade in Großstädten ist Gewalt an Schulen über die Jahre immer mehr zum Thema geworden. Dagegen setzt sich das Schultheater Frankfurt gezielt ein. Und macht dabei Gewalt nicht zum Tabu-Thema.
Theaterpädagogin Arnika Senft vom Schultheater-Studio zeigt den Kindern der Griesheimer Eichendorffschule, wie man mit Streit umgeht, ohne das er ausufert und vielleicht sogar zu Mobbing oder Gewalt führt..	Foto: Maik Reuß Theaterpädagogin Arnika Senft vom Schultheater-Studio zeigt den Kindern der Griesheimer Eichendorffschule, wie man mit Streit umgeht, ohne das er ausufert und vielleicht sogar zu Mobbing oder Gewalt führt.. Foto: Maik Reuß
Griesheim. 

„Wir spielen die erste Szene!“ - „Nein, die zweite!“ - „Nein die erste!“ geht das Wortgefecht zwischen den beiden Drittklässlerinnen hin und her. „Von euch hätte ich echt eine vernünftigere Reaktion erwartet!“, sagt eine Dritte zu den Streithähnen. „Dein Pech!“, entgegnen die unisono und drehen sich alle gegenseitig mit verschränkten Armen den Rücken zu.

Ganz echt sieht es zwar nicht aus, wie die Schülerinnen der Eichendorffschule sich in ihrem selbst erarbeiteten Theaterstück über die verschiedensten Dinge streiten, aber sie haben sichtlich Spaß an der Sache und kichern dabei unentwegt. Schließlich ist ja auch der Oberbürgermeister gekommen, um sich die Ergebnisse ihres Workshops anzusehen, an dem sie bereits den ganzen Tag fleißig arbeiten.

Streit ist nicht vermeidbar

Was dabei herausgekommen ist, ist vor allem die Erkenntnis, dass Streitereien und Gewalt einem oft nur unnötig die Laune verderben. Das weiß auch die achtjährige Sofia, die ihrer Freundin am Ende der kurzen Szene versöhnlich die Hand entgegenstreckt: „Bei dem Workshop habe ich sehr viel übers Streiten gelernt“, erzählt sie, und ihre gleichaltrige Freundin Necla nickt zustimmend. Bei ihr und ihren Freunden dauere es meist ein oder zwei Tage, bis man sich wieder verträgt. Manchmal auch eine ganze Woche. „Ganz vermeiden kann man Streit eben auch nicht!“

Das weiß auch Oberbürgermeister Peter Feldmann (CDU) aus eigener Erfahrung. Als ihn eines der Schulmädchen fragt, wie lange er denn üblicherweise brauche, um einen Streit zu beenden, muss er erst schmunzeln und erwidert, dass ihm das doch oftmals ähnlich gehe wie Sofia und ihren Freunden. Man müsse eben nur lernen, mit Meinungsverschiedenheiten umzugehen – und genau dafür sind die Theaterpädagogen gestern in die Eichendorffschule gekommen.

Konflikte kein Tabu

Einen spielerischen Umgang mit Gewalt wollen die Theaterpädagogen des Schultheater-Studios den Schülern mit ihren Übungen beibringen. Und dabei dürfe es auch ruhig mal zu Streit kommen. „Da werden auch schon mal kontrollierte Kämpfe angezettelt, um den Kindern die Grenzen und Konsequenzen ihres Handelns anschaulich zu machen“, sagt Katharina Fertsch-Röver, die die theaterpädagogische Abteilung des Schultheaterstudios leitet. Gerade die Grundschüler lernen dabei eine Menge über sich selbst. „Das ist auch bitter nötig“ sagt sie, „denn schon in diesem Alter kommt es heute vermehrt zu Mobbing und Gewalt“.

Ein Grund mehr ,die Präventionsmaßnahmen zu fördern, meint Feldmann, der sich nach der anschaulichen Präsentation der Drittklässler auf die Fahne geschrieben hat, dass er zukünftig dafür sorgen will, dass dem Schultheater-Studio mehr Mittel zur Verfügung stehen – aus privaten und öffentlichen Quellen. Er hat versprochen, aktiv nach Paten zu suchen, damit mehr Schulen in Frankfurt die Workshops der Initiative nutzen können. „Denn das Schultheater-Studio hat gerade für sozial schwächere Familien eine besondere Rolle“, sagt er. „Es beweist, dass Theater und Kultur eben nicht nur für eine Minderheit da sind sondern für uns alle – gerade für die Kinder.“

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