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Flüchtlinge im MTK: Sprachkurse für Flüchtlinge: „Das muss ich machen“

Von Das Interesse an den Deutschkursen, die von 70 Freiwilligen angeboten werden, ist groß, die Teilnahme aber nicht für alle problemlos möglich.
Muhammad Sarwar schreibt im Deutschunterricht in der Heiligenstockschule einen Satz an die Tafel. Herta Fischer (rechts) und Brigitta Pünter schauen zu. Foto: Knapp Muhammad Sarwar schreibt im Deutschunterricht in der Heiligenstockschule einen Satz an die Tafel. Herta Fischer (rechts) und Brigitta Pünter schauen zu.
Marxheim. 

„Hallo, guten Tag, ich bin Muhammad Sarwar. Ich komme aus Pakistan. Ich habe vier Kinder.“ Die Worte kommen schon zügig. Die Vorstellungsrunde, mit der Brigitta Pünter an diesem Nachmittag den Deutschunterricht in der Heiligenstockschule beginnt, weil die Presse eingeladen worden ist, darüber zu berichten, zeigt es: Die 14 Männer und drei Frauen, die hier im Halbkreis sitzen, haben schon einiges gelernt. „Prima“, lobt denn auch Lehrerin Pünter. Oder sie sagt anerkennend: „Na, das ist doch was seit September.“

Vor knapp einem halben Jahr hat der Kurs begonnen, in dem wir zu Gast sind. Es ist nur einer von aktuell 13, die von 70 Freiwilligen ehrenamtlichen im Stadtgebiet ermöglicht werden. Ungefähr 130 Flüchtlinge nutzen aktuell das Angebot. Die Koordination liegt bei Jürgen Pünter. Gemeinsam mit seiner Frau habe er bei der VHS einen Kurs gemacht, der auf den Deutschunterricht für Flüchtlinge vorbereite, sagt Pünter. Wertvoll sei das gewesen. Seither engagieren sich beide für dieses Hilfsangebot im Rahmen der Asylkreisarbeit – unabhängig vom Kreis oder der Volkshochschule.

Getrennte Ethnien

So schnell wie möglich die Sprache ihres Gastlandes zu erlernen, das ist wichtig. Die Männer und Frauen, die drei Mal in der Woche in die Kurse kommen, haben das begriffen. Dass sich dabei „die Ethnien sortieren“, gehört zu den Beobachtungen, die Jürgen Pünter macht. Die Syrer blieben gern unter sich, lernten eifrig und schnell, viele hätten sich bereits auf der Flucht erste Deutschkenntnisse angeeignet.

Zum Kurs in der Heiligenstockschule kommen vor allem Afghanen und Pakistani, auch einige Menschen vom Balkan sind dabei; zum Beispiel Katharina und ihre Schwester Christina Rusitoviz aus Serbien. „Was machst du heute Abend?“, fragt Brigitte Pünter und Katharina antwortet: „Ich mache Brot.“ „Backst du das Brot oder isst du es?“, hakt die pensionierte Lehrerin nach. Die 18-jährige Kursteilnehmerin macht eine Knetbewegung mit den Händen. „Ah, du backst es“, sagt Pünter und fragt dann den 19 Jahre alten Yaghma Ahmadi: „Was macht Katharina heute Abend?“ Der weiß die korrekte Antwort: „Sie backt ein Brot.“

Deutsch lernen, weiß der junge Mann aus Afghanistan, „das muss ich machen.“ Und dann verrät er uns: „Ich will Journalist werden. Das ist mein Traum. Ich sage immer zu meiner Lehrerin: Ich werde wie ein Chef vom Spiegel.“ In Kabul sei er schon einmal Journalist gewesen, „aber nur für acht Monate“. Im ehrenamtlich ermöglichten Deutschkurs gehört er jetzt zu den eifrigsten und findet es gut, dass er mehr lernt als nur die Sprache: „Hier ist ein wichtiger Platz für uns, weil wir kennen nicht sehr viel über eure Kultur, Tradition, Geschichte.“

Über Weihnachten und über Fastnacht habe man zum Beispiel miteinander gesprochen und auch schon einiges über Hofheim gelernt, berichten die anwesenden Lehrer. Nicht alle sind Lehrer von Beruf oder waren es einmal. Rund 80 Prozent, sagt Jürgen Pünter, kämen aus anderen Berufen.

Rentner Hans Georg Rodatz ist dabei, weil er selbst als Kriegskind einmal Flüchtling war. Für Bettina Veit ist es zum einen „die Notwendigkeit, dass es Leute gibt, die etwas für Flüchtlinge tun, und ein bisschen auch die Neugier, wie es klappt. Ich wollte dabei sein, nicht nur die Flüchtlinge von weitem beobachten“, sagt sie. Man habe hier „ganz motivierte Leute – das ist toll“, hat Veit ihr Engagement als lohnend erfahren.

Auch Analphabeten dabei

Dass es auch das ein oder andere Problem gibt, verhehlt Jürgen Pünter nicht. Die sehr unterschiedlichen Voraussetzungen, die die Flüchtlinge mitbringen, zählt er dazu. Abdulrashid Hosseini etwa berichtet uns, er habe erst in Deutschland das Alphabet gelernt. Wie er dann in seiner Heimat Tischler habe werden können, fragt Brigitta Pünter. „Das ist egal in Afghanistan“, sagt Hosseini mit einem Lächeln.

Analphabeten gibt es gerade unter den Afghanen einige, weiß Jürgen Pünter. Der Kurs-Koordinator kann zudem berichten, dass gerade Väter aus muslimischen Ländern zwar selbst gern in die Deutschkurse kommen, aber ein wenig unwillig seien, wenn sie die Kinder hüten sollten, damit die Frauen in die Kurse gehen können. „Das ist ein großes Thema, an dem wir gezielt arbeiten,“ sagt der Marxheimer, der auch in der Pfarrei St. Georg und Bonifatius aktiv ist. Kein Problem gebe es dagegen mit der Anerkennung von Frauen als Lehrerinnen. Die Unterrichtsstunde in der Heiligenstockschule hat auch das überzeugend belegt.

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