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Stolpersteine mahnen an die Opfer der Nazi-Zeit

In den kommenden Tagen werden in Höchst, Sindlingen und Griesheim wieder Stolpersteine für Menschen verlegt, die unter den Nazis verfolgt wurden und ums Leben kamen.
Josef Simon Rosenblum mit seiner Familie.	Foto: AG Geschichte und Erinnerung Josef Simon Rosenblum mit seiner Familie. Foto: AG Geschichte und Erinnerung
Frankfurter Westen. 

Die AG Geschichte und Erinnerung, eine Arbeitsgemeinschaft verschiedener Gruppen wie dem Bund für Volksbildung, dem Bildungsschuppen, dem Filmforum Höchst sowie Vertretern von Kirchengemeinden und Parteien aus dem Frankfurter Westen, recherchiert regelmäßig die Schicksale von Nazi-Opfern aus dem Frankfurter Westen, um zur Mahnung sogenannte Stolpersteine in den Bürgersteigen vor den früheren Wohnhäusern dieser Menschen zu verlegen. Die Idee geht auf den Künstler Günter Demnig zurück, der es als gesamteuropäisches Kunstprojekt sieht und an die Verfolgung von Juden, politisch Andersdenkenden, Zigeunern, Homosexuellen, Zeugen Jehovas und Euthanasie-Opfer erinnern will.

Passiver Widerstand

Am Montag, 7. Juli, wird um 16 Uhr ein Stolperstein in der Küferstraße 3 in Sindlingen für Erich Altmann verlegt. Er war nicht politisch organisiert, verlieh seiner Antipathie gegen die Nazis aber auf seine Weise Ausdruck, indem er ihre Fahrzeuge nicht reparierte oder die Reparatur verzögerte. Er kam im Lager Gusen ums Leben.

Am Donnerstag, 10. Juli, wird um 16 Uhr in der Linkstraße 6 in Griesheim ein Stein für Josef Rosenblum verlegt. Er war als Jugendlicher während des 1. Weltkriegs aus Polen als Arbeiter ins Werk Griesheim gekommen, heiratete, wurde evangelisch und war, wenn man den Begriff Integration bemühen will, ein Musterbeispiel. Dies hat ihn nicht vor der Ermordung im KZ bewahrt.

Deportiert und ermordet

Anschließend, etwa gegen 16.30 Uhr, wird in der Unteren Rützelstraße 1 ein Stein für Clara, Salomon und Käthe Baum verlegt. Dieser alteingesessenen jüdischen Familie wurde zuerst die Existenz vernichtet, dann wurde sie deportiert und ermordet. Am Freitag, 11. Juli, wird schließlich um 11 Uhr ein Stein in der Königsteiner Straße 11–13 in Höchst für Manfred Stern verlegt. Er war Abteilungsleiter im Kaufhaus Schiff und wurde denunziert, weil er einer nicht-jüdischen Kollegin eine Urlaubskarte geschickt hat. Die Anklage lautete auf „Rassenschande“. Er nahm sich im Gefängnis das Leben. Für diesen Stein hat eine Schulklasse die Patenschaft übernommen. Der letzte Stein wird am 17. Juli um 17 Uhr in der Hochmuhl 3 in Höchst für Franz Michalson verlegt. Er war bei den damaligen Farbwerken Betriebsingenieur und wurde, wie man heute sagen würde, gemobbt und schließlich mit fadenscheinigen Begründungen pensioniert. Auch er nahm sich das Leben.

Wer eine Patenschaft für einen Stein übernehmen möchte, wendet sich an Waltraud Beck, Telefon (0 69) 30 78 95, E-Mail: waltraud@beck-stromberger.de, oder: Marianne Ockenga, Telefon (069) 34 71 63, E-Mail: marianne.ockenga@t-online.de

(hv)
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