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Gewichtsprobleme: Streit um zu schweres Feuerwehrauto

Von Die Stadt hat ein Feuerwehrauto gekauft, das sie nicht nutzen darf. Der finanzielle Schaden ist womöglich sechsstellig, und jetzt sieht es so aus, als wolle niemand die Verantwortung übernehmen.
Karlheinz Gritsch. Bilder > Karlheinz Gritsch.

Mit den großen Feuerwehrautos hat die Stadt Eschborn seit einer Weile ein Problem. Das Drehleiterfahrzeug kann wegen Schäden in der Elektrik nicht mehr eingesetzt werden; die Reparatur ist so teuer, dass sie sich nicht mehr lohnt. Weil eine Neubeschaffung immer eine Weile dauert, wurde ein Fahrzeug ausgeliehen. Vor gut einem Jahr besichtigte die Feuerwehr das bestellte Auto im Rohbau. „Unser neues Hubrettungsfahrzeug ist mit Produktionsschritten in Deutschland, Finnland und der Schweiz ein recht internationales Produkt“, hieß es in einer Pressemitteilung, die eine gewisse Vorfreude verrät.

Die ist inzwischen einem allgemeinen Kopfschütteln gewichen. Der Magistrat habe beschlossen, „das erworbene Fahrzeug unter finanziellen Einbußen wieder zu verkaufen“, berichtete Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) in der Stadtverordnetenversammlung. Denn eingesetzt werden dürfe es nicht. Unter fragwürdigen Umständen und trotz entsprechender Hinweise höherer Instanzen sei das Fahrzeug angeschafft worden.

Es geht um 700 000 Euro

Im Gespräch mit dieser Zeitung wird der Rathauschef deutlich konkreter. Bestellt wurde ein Teleskopmastfahrzeug, mit dem man Menschen aus Lagen in einer Höhe retten kann, die mit einer herkömmlichen Drehleiter nicht zu erreichen sind. Möglich ist das durch einen langen Mast mit beweglichem Gelenk.

Geiger weist darauf hin, dass das Auto gelegentlich sehr nahe an Wohnhäuser gefahren werden muss. Deshalb darf es nicht schwerer als 16 Tonnen sein, damit nicht die Gefahr besteht, dass Kellerwände eingedrückt werden. Als das Fahrzeug aber fertig war, stellte sich heraus, dass es 18 Tonnen schwer ist. Das Hessische Innenministerium hat die Stadt Eschborn daher wissen lassen, dass das Auto nicht eingesetzt werden darf. Deshalb wurde es auch gar nicht erst nach Eschborn gebracht, sondern steht beim Hersteller. Wie groß die städtischen Einbußen sind, steht noch nicht fest, Geiger rechnet mit 10 bis 20 Prozent der Kaufsumme. Der Preis des Autos beträgt etwa 700 000 Euro – wenn es schlecht läuft, kann da ein sechsstelliger Betrag zusammenkommen.

Wer ist nun Schuld an dem Debakel? „Ich habe die Vorlage unterschrieben“, sagt Bürgermeister Geiger. Aber er sei natürlich kein Fachmann für Feuerwehrfragen. Vielmehr hätte er sich auf die Sachkenntnis der Experten verlassen müssen, also des Feuerwehrausschusses und des Stadtbrandinspektors. Zur Frage des Gewichts hätten in der Vorlage aus der Verwaltung keine Zahlen gestanden. „So etwas darf doch nicht passieren“, kommentiert Geiger den ganzen Vorgang.

Kreis hat informiert

In dem Punkt ist er sich mit dem Feuerwehrdezernenten Karlheinz Gritsch einig. „Eine ärgerliche Geschichte“ sei es, sagt der CDU-Politiker. Aber das Problem mit dem Gewicht sei so nicht abzusehen gewesen, und in der Ausschreibung sei nicht alles klar definiert gewesen. Vor allem aber sei er zum Zeitpunkt der Beschlussfassung nicht der zuständige Dezernent gewesen, so Gritsch. Auf diese Weise die Verantwortung von sich zu weisen, das will Geiger Gritsch aber nicht durchgehen lassen. Gritsch sei vorher und nachher Feuerwehrdezernent, also in den ganzen Vorgang eingebunden gewesen, sagt Geiger. Es habe nur eine Unterbrechung von einigen Wochen wegen der Kommunalwahl 2016 gegeben. Eingebunden war auch der damalige Stadtbrandinspektor Reinhard Quehl, der zu dem ganzen Vorgang aber keine Stellungnahme abgeben möchte, wie eine Anfrage unserer Zeitung ergab.

Freilich sieht es so aus, dass es alle Beteiligten besser hätten wissen müssen. Das Innenministerium habe noch während der Ausschreibung erkannt, dass die vorgegebenen Maße und Gewichte des Fahrzeugs nicht eingehalten würden, weiß Kreishaus-Pressesprecher Johannes Latsch. Darauf habe der Kreis sowohl den Magistrat als auch den Stadtbrandinspektor rechtzeitig schriftlich hingewiesen. Bestellt wurde trotzdem.

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