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Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund sollen gemeinsam Goethes Faust spielen: Theaterprojekt mit Jugendlichen: Integration auf der Bühne

Von Ein junger Flüchtling hat den Anstoß zu einem beeindruckenden Theaterprojekt gegeben. Der ehemalige Theaterlehrer Gerd Müller-Droste hat die Idee aufgegriffen und sucht nun junge Darsteller.
Der ehemalige Theaterlehrer Gerd Müller-Droste sucht Nachwuchsschauspieler für sein Theaterprojekt. Foto: Hans Nietner Der ehemalige Theaterlehrer Gerd Müller-Droste sucht Nachwuchsschauspieler für sein Theaterprojekt.
Main-Taunus. 

Ein privates Telefonat sorgte für die Initialzündung, dass in diesem Jahr ein prestigeträchtiges, integratives Theaterprojekt für Jugendliche mit Modellcharakter für das Land Hessen im Main-Taunus-Kreis (MTK) organisiert werden kann. Zu Beginn des Jahres 2016 bekam der Theaterlehrer Gerd Müller-Droste, der im vergangenen Jahr mit 65 Jahren aus dem Schuldienst ausschied und bis dahin mit großer Außenwirkung „Darstellendes Spiel“ an der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule (AES) unterrichtete, einen Anruf von seinem ehemalige Schüler Modjieb Jamali.

Der 25Jährige Jamali ist nicht unbekannt: Er kam als Flüchtlingskind aus Afghanistan nach Schwalbach und ist inzwischen Fußball-Nationalspieler seines Herkunftslandes. Das Toreschießen lernte er unter anderem beim FSV Frankfurt, er betreut Jugendliche in einer Fußballschule im MTK und steht derzeit bei einem Erstligisten in Montenegro unter Vertrag. Jamali machte Müller-Droste einen ungeheuerlich klingenden Vorschlag: Wie wäre es, wenn junge Migranten aus der Fußballschule Goethes Faust einstudieren und aufführen? Wie wäre es, wenn Integration nicht nur durch Sport, sondern auch über Kultur und Sprache funktioniert? Wie wäre es, wenn Theater so viel Spaß macht wie Fußball?

Hatte die Idee zu diesem besonderen Integrationsprojekt: Modjieb Jamali Bild-Zoom Foto: Christian Klein
Hatte die Idee zu diesem besonderen Integrationsprojekt: Modjieb Jamali

Müller-Droste entwickelte aus der Idee von Jamali ein Konzept: „Jugendliche und junge Erwachsene aus dem Main-Taunus-Kreis mit und ohne Migrationshintergrund sowie mit und ohne Theatererfahrung sollen die Chance bekommen, den ersten Teil des Faust in einer freien und authentischen Inszenierung zu proben und vor Publikum zu präsentieren“, sagt er im Gespräch mit dem Höchster Kreisblatt.

Bei dem Ersten Kreisbeigeordneten und Dezernenten für Jugend, Schule und Kultur, Wolfgang Kollmeier, fand er sofort Gehör für diese Pläne. Kollmeier machte im Sinne der Urheber Jamali und Müller-Droste das Kreis-Projekt „Faust I“ daraus, das auch als erster Baustein für den lange angedachten Aufbau eines Kreisjugendtheaters gilt, und beantragte beim Land Fördergelder dafür. Für den begehrten „Kulturkoffer“ des Landes gibt es unzählige Bewerber, der MTK gehört zu den wenigen, die den Zuschlag bekamen.

Info: Casting im Kreishaus

Faust, Mephisto oder Gretchen? Wer ergattert die Haupt- und Neben-Rollen im integrativen Theaterprojekt „Faust I“ des Main-Taunus-Kreises? Die Hauptrollen werden sogar mehrfach besetzt.

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Mit den 26 000 Euro aus dem Landes-“Kulturkoffer“ können rund 70 Prozent der Projekt-Kosten gedeckt werden, schätzen die Organisatoren. Die Nachwuchsschauspieler müssen zwischen 14 und 21 Jahren alt sein und werden über ein Casting ausgewählt, dass am 31. März über die Bühne geht (siehe nebenstehenden Text). Rekrutiert werden weitere Teilnehmer aber auch aus dem Umfeld der AES und der Fußballschule. Mindestens 30 Akteure sind für die Produktion erforderlich. Die Teilnahme ist kostenlos. „Wir suchen nicht nach Vorwissen, sondern nach Bühnenpräsenz, und dem Mut und der Neugier, sich authentisch einzubringen“, sagt Müller-Droste, der Projektleiter, Regisseur und Mitglied der Casting-Jury ist.

Kooperationspartner sind auch zwei Frankfurter Theater. Die gerade mit dem Karfunkel-Preis ausgezeichnete Liora Hilb vom Theater „La Senty Menti“ wird Co-Regisseurin sein. Beratende Funktion hat das Theater „Willy Praml“. Müller-Droste hat breite Theaterkontakte und überregionale Projekterfahrung, auch war er zuletzt Sprecher der „Schulkultur MTK“. Zu den Zielsetzungen des Projektes sagt Müller-Droste: „Die Auseinandersetzung mit einem Klassiker ist eine Schiene. In Abgrenzung oder Anlehnung dazu sollen die Jugendlichen aber auch eigene Erfahrungen, Lebensentwürfe und Sehnsüchte in das Stück mit einbringen.“ Dabei spannt Müller-Droste den Bogen ganz weit. „Wir hoffen, dass die Schulen im MTK das Projekt breit begleiten und eventuell im Unterricht erarbeitete, entsprechende Textpassagen beisteuern. Wir verstehen uns nicht als Konkurrenzunternehmen zu den Schulen, sondern hoffen auf eine fruchtbare Zusammenarbeit“, sagt er.

Auch chorische Elemente werden in die Inszenierung einfließen, weshalb auch Musik und Gesang von Bedeutung sind und in den Proben geschult werden. „Die intensive Probenphase beginnt nach dem Sommerferien“, sagt Müller-Droste. Verschiedene Probenorte stehen zur Verfügung. „Die Premiere in der Hofheimer Stadthalle ist für den 18. Dezember angesetzt. Weitere Aufführungen folgen“, sagt er. Der ursprüngliche Premiere-Termin im Oktober sei zu früh gewesen. „Im November wollen wir aber an einer Schule im MTK so eine Art Preview machen, eine Werkstatt-Aufführung vor Publikum“, verrät er schon mal. Das Projekt soll engmaschig dokumentiert werden, und eine „Handreichung“ in Buchform für Nachahmer ist bereits geplant.

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