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Kritik von Anwohnern: Todesfalle Fußgänger-Überweg

Der tödliche Straßenbahnunfall an der Mainzer Landstraße in Nied hat Anwohner Hermann Krüger sehr mitgenommen. Er sagt: „Es musste so kommen.“ Bauliche Veränderungen würden seit Jahrzehnten auf die lange Bank geschoben. Dabei kennt man bei der Stadt das Thema.
Der geteerte Übergang, auf dem die Frau überfahren wurde, endet an einem Bürgersteig-Stummel, von dem kein sicherer Fußgänger-Überweg auf die andere Seite der Mainzer Landstraße führt; sogar Poller stehen dort. Anwohner Hermann Krüger findet diesen Zustand unverantwortlich. Foto: Maik Reuß Der geteerte Übergang, auf dem die Frau überfahren wurde, endet an einem Bürgersteig-Stummel, von dem kein sicherer Fußgänger-Überweg auf die andere Seite der Mainzer Landstraße führt; sogar Poller stehen dort. Anwohner Hermann Krüger findet diesen Zustand unverantwortlich.
Nied. 

Die Bilder gehen Hermann Krüger einfach nicht aus dem Kopf. Eine Straßenbahn der Linie 11 hatte die 65 Jahre alte Frau in ihrem Elektrorollstuhl erfasst, sie 25 Meter weit mitgeschleift. Der tödliche Unfall ereignete sich am 5. November an einem geteerten Gleisübergang unweit der Haltestelle Luthmerstraße, gelegen zwischen Nied Kirche und der Birminghamstraße. Die Polizei geht nach wie vor von „einem tragischen Verkehrsunfall“ aus. Es gebe keinerlei andere Hinweise auf Fremdverschulden.

Anwohner Hermann Krüger wohnt unweit der Stelle, wo der schreckliche Unfall passiert ist, er schätzt das Geschehen anders ein. Für ihn ist der geteerte Übergang keine reguläre Querung, denn zwischen den Gleisen und der Fahrbahn der Mainzer Landstraße ist nur ein schmaler Streifen, einen knappen halben Meter breit und einige Meter lang, auf dem Fußgänger warten können. Einen Zebrastreifen oder gar eine Ampel zum sicheren Bürgersteig auf der Südseite der Mainzer Landstraße gibt es an dieser Stelle nicht; nur ein Schild „Vorsicht Straßenbahn“. Der ampelgesicherte Übergang liegt knapp 50 Meter weiter westlich in der Nähe der Sauerstraße.

Hinweisschild fehlt

„Auf den nahen, sicheren Übergang gibt es aber keinen Hinweis“, schüttelt Krüger den Kopf. Er wohnt seit 50 Jahren nur rund 100 Meter von der Unfallstelle entfernt – und beobachtet seit Jahrzehnten die nicht enden wollenden Diskussionen um einen Umbau der Mainzer Landstraße und der Straßenbahnstrecke zwischen dem „Nieder Tor“ und der Eisenbahnbrücke. Gerade überqueren wieder Menschen, die aus der in Richtung Höchst fahrenden Tram gestiegen sind, das geteerte Gleisstück; der Straßenbahnfahrer klingelt, nah an den Gleisen warten die Passanten, bis eine Lücke im Verkehr ihnen eine Chance lässt, die Mainzer Landstraße zu überqueren.

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Für die Stadt ist die Mainzer Landstraße in Nied durchaus ein Thema, wie Heiko Kleinsteuber aus dem Verkehrsdezernat berichtet. Es habe an dieser Stelle sogar Pläne für eine Ampel gegeben. „Das war aber technisch nicht möglich.“ Dass man grundsätzlich mit der trennenden Wirkung der Straße im Stadtteil nicht zufrieden sei, ergänzt Kleinsteuber noch. Konkrete Änderungspläne gibt es aber nicht.

Blitzer in Schwanheim

Mit dem Unfall vom 5. November wird sich die Kommission zur Beseitigung von Unfallschwerpunkten (KEBU) am 14. Dezember befassen. Darin sitzen Vertreter von Polizei und Stadt, sie könnten konkrete Maßnahmen beschließen. Dies taten sie beispielsweise an der Anschlussstelle Niederrad der A 5 am Schwanheimer Ufer, wo es Ende April einen tödlichen Unfall gab. „Hier wird jetzt umgebaut“, kündigt Kleinsteuber an. Die Leitplanken würden niedriger, damit das „Linksabbiegen nicht mehr im Blindflug“ geschehen müsse. Höchstwahrscheinlich komme auch ein Blitzer dazu.

Aus Krügers Sicht muss auch in Nied dringend etwas passieren: „Um die Schuldfrage dieses Unfalls zu klären, kann man nicht in erster Linie das Verhalten der Unfallbeteiligten in Betracht ziehen, sondern und vor allem das der Verkehrsverantwortlichen der Stadt Frankfurt.“ Seit Jahrzehnten werde die Diskussion um einen Umbau der Mainzer Landstraße geführt, um eine Verlegung des Gleiskörpers und der Haltestellen sowie um die Verkehrsberuhigung der Straße, die sich durch den Bau der Leunabrücke in Höchst schon hätte ergeben sollen.

Doch die „Mainzer“, wie sie in Nied genannt wird, trennt den Stadtteil weiterhin in Nord und Süd; Abbiegemöglichkeiten in die Stadtteil-Straßen gibt es kaum. Wer etwa aus Richtung Griesheim kommt und in die Heinrich-Stahl-Straße zum Saalbau-Haus möchte, muss mit dem Auto bis Nied Kirche fahren und über die „kleine Mainzer“ vor der Ladengalerie vorbei wieder in die entgegengesetzte Richtung. Abbiegemöglichkeiten sollten schon geschaffen werden, auch Fuß- und Radwege. „Dagegen gab es meiner Meinung nach nie ernsthafte Einwendungen – aber eine Umsetzung dieser Vorschläge ist trotz wiederholter Kommunalwahl-Versprechungen nie geschehen“, ärgert sich Krüger.

Über die Gleise

Die Straßenbahn-Haltestellen Sauerstraße und Luthmerstraße seien für Fußgänger nur schlecht erreichbar. Immer wieder, das sieht auch ein flüchtiger Beobachter, staksen auf dem Abschnitt der Mainzer Landstraße Menschen verbotswidrig über die Gleise, huschen über die Straße. Einen schweren Fußgänger-Unfall hat es erst im vergangenen Jahr kurz vor der Kreuzung zum Nieder Kirchweg gegeben (wir berichteten).

Der Übergang, auf dem die Rollstuhlfahrerin nun zu Tode kam, ist für Hermann Krüger schlichtweg „illegal“; er erwecke nur den Eindruck, ein regulärer Übergang zu sein. Ein ampelgesicherter Überweg und eine Anbindung der Luthmerstraße und damit auch des Saalbaus an die Mainzer Landstraße sei trotz Forderungen aus der Bevölkerung jahrzehntelang abgelehnt worden. Die Rollstuhlfahrerin, aber auch der Straßenbahnfahrer seien Opfer dieser Versäumnisse, urteilt Krüger. Er fordert, dass wenigstens ein Warnschild angebracht wird, das dazu auffordert, den gesicherten Übergang an der Sauerstraße zu benutzen. Damit Bewegung in die jahrzehntelang verschobene Umgestaltung der Verkehrssituation zwischen Nied Kirche und Birminghamstraße kommt, sieht Krüger die Stadt in der Pflicht. Es bestehe „dringender Handlungsbedarf“.

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