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Vor der eigenen Haustür anpacken

Das Leben in der Stadt zukunftsfähig machen – das will wohl jeder. Aber es wirklich zu tun, das ist eine andere Sache.
Ein ungewöhnliches Projekt: der Lorsbacher Paradiesgarten. 	Foto: Knapp Ein ungewöhnliches Projekt: der Lorsbacher Paradiesgarten. Foto: Knapp
Hofheim. 

Nachhaltig. Das klingt sperrig, nach mahnendem Zeigefinger und Verzicht. Einerseits. Andererseits lässt es sich ganz einfach in „zukunftsfähig“ übersetzen. Und das wiederum klingt nach Chancen und Veränderung. Die Lokale Agenda 21 hat sich genau das auf die Fahne geschrieben.

Info: Langgehegter Wunsch

Tomaten, Auberginen, Bohnen und Salat, wo noch im Frühjahr Stiefmütterchen und Tulpen blühten, wächst jetzt eine Vielfalt an Gemüse, Früchten und Kräutern heran.

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„Unser Leitbild ist konkreter als das der Parteien. Wir wollen so leben und arbeiten, dass es zukunftsfähig ist“, fasst Dr. Harald Lührmann von der Hofheimer Lokalen Agenda 21 den Kerngedanken zusammen. Die Bürger stehen im Vordergrund, denn sie sind es, die vor Ort leben, arbeiten und ihre Freizeit verbringen. Und sie müssen gestalterisch in der Öffentlichkeit mitwirken, ist der Geschäftsführer des Zukunftsinstituts Frankfurt, Andreas Steinle, überzeugt. Die Lokale Agenda 21 versucht daher, die Hofheimer zu aktivieren und den Interessierten den Weg so einfach wie möglich zu machen, sie mit Ideen und Erfahrungen zu unterstützen. Zwar teilen viele Menschen den Standpunkt, dass unser derzeitiger Lebensstil alles andere als zukunftsfähig ist, sie zum Handeln zu bewegen, ist trotzdem nicht gerade einfach. „Ich bin kein Freund davon, zu sagen, die Politik hätte dieses oder jenes nicht gemacht. Die Welt ist keine Serviceeinrichtung. Wenn wir etwas wollen, müssen wir etwas dazu tun.“ In Harald Lührmanns Worten ist also Selbstbedienung die Devise. Genau hier knüpft die Bewegung Transition Town, zu Deutsch „Stadt im Wandel“, an. Von den Bürgern ausgehend wird versucht, den Übergang in eine relokalisierte und von fossilen Energieträgern wie Erdöl unabhängige Wirtschaftsweise voranzutreiben. Im September 2006 in der südenglischen Stadt Totnes geboren, verbreitete sie sich über das Vereinigte Königreich und schließlich bis nach Australien und Südamerika. Im Jahr 2013 gab es laut dem Transition-Netzwerk weltweit 1107 Initiativen, eine davon in Frankfurt. „Das Besondere ist, dass das Hemdsärmelige, Pragmatische im Vordergrund steht. Das hat mir sofort imponiert“, beschreibt Matthias Emde von der Frankfurter Initiative das Konzept. Es gehe weniger um Mahnen, da verlieren die Leute ohnehin schnell die Lust, sondern darum, im kleinen Rahmen etwas zu verändern. Er ist sich sicher: „Die innere Haltung wandelt sich durch das Tun.“ Je mehr man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr bemerkt man, wie gefangen wir in unserem Lebensstil sind.

Sind Bewegungen wie die Transition Towns die Zukunft? „Auf jeden Fall“, ist sich Andreas Steinle vom Zukunftsinstitut Frankfurt sicher, „überall dort, wo die Menschen mitwirken, sind sie daran interessiert, dass das Projekt gelingt. Die Gesellschaft ist zwar eine träge Masse, aber sie bewegt sich.“ Es lohnt sich besonders, den Blick auf das Lokale zu richten, weil man hier erlebt, wie sich etwas verändert. Das sieht auch der Hofheimer Harald Lührmann so. „Das Ganze ist sehr reizvoll, weil man etwas bewegen, praktisch erfahren kann: Das ist unsere Welt und sie ist so, wie wir sie gemacht haben.“ Darum geht es im Prinzip, egal ob Transition Town oder Lokale Agenda: Dort anzupacken, wo man unmittelbar etwas verändern kann – vor der eigenen Haustür.

Aber auch die Städte müssten sich dafür öffnen und den Bürgern Aufgaben anbieten, sie einbinden. Ein Beispiel hierfür sei das Projekt „Essbare Stadt“ in Andernach, bei dem die städtischen Grünflächen in Obst- und Gemüsegärten umgewandelt wurden, die von den Bürgern gepflegt und beerntet werden. Ein ganz ähnliches Projekt entsteht gerade in Lorsbach (siehe Info).

Das Problem ist aber die Zeit. So berichtet Lührmann, dass die Event-Reihe „Kino und Talk“ derzeit auf Eis liegt, weil die Zuständigen momentan durch ihre Jobs sehr eingespannt sind. „Wir sind kein Dienstleistungsunternehmen, sondern Privatleute und alle Beteiligten machen das in ihrer Freizeit, also mit beschränkter Energie und Zeit.“

Die eigene Stadt zukunftsfähig machen. Dabei geht um Begeisterung, um Engagement, darum die Dinge in die Hand zu nehmen. Das ist Arbeit, und es kostet Zeit, ja. Aber die Beteiligten sind sich einig: Die Sache ist es wert.

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