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Ticketkauf: Was ist mit den Fahrkartenautomaten im RMV-Gebiet los?

Egal, ob im MTK oder in Frankfurt: Wer dieser Tage Bus und Bahn nutzt, braucht Nerven aus Drahtseil. Baustellen behindern den Verkehr. Züge fallen aus, Bahnhöfe sind nicht erreichbar. Abfahrtsgleise ändern sich. Störungen reihen sich aneinander: Mal verweigern Signale ihren Dienst, dann mucken Stellwerke. Doch es kommt noch dicker: Die nagelneuen RMV-Automaten streiken.
Ob’s klappt? Diese junge Frau zieht sich am Hofheimer Bahnhof einen Fahrschein, indem sie den Bildschirm berührt. Foto: Christof Mattes Ob’s klappt? Diese junge Frau zieht sich am Hofheimer Bahnhof einen Fahrschein, indem sie den Bildschirm berührt.

Schmuck sind sie. Nagelneu. Ausgestattet mit allem Pipapo. Die neuen RMV-Automaten machen optisch schwer was her. Aber auch ihr Innenleben ist beeindruckend. „Die neuen Automaten lassen sich nicht nur leichter bedienen, sondern warten auch mit einer Live-Auskunft auf“, schwärmen die Macher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), der bis zum Sommer dieses Jahres 638 moderne Automaten in seinem Gebiet aufstellen will. Nach „der erfolgreichen Pilotphase“ hat der in Hofheim ansässige Verkehrsverbund im Januar 2018 damit begonnen, die S-Bahn- und Regionalzug-Stationen auszustatten und die alten Automaten auszumustern. Im Frankfurter Hauptbahnhof ging’s los. Auch an vielen Haltepunkten im Main-Taunus-Kreis finden sich bereits neue Automaten.

Ein nagelneuer Fahrscheinautomat im Streik-Modus: Er nimmt weder Scheine noch Münzen an (aufgenommen am Wochenende am Höchster Bahnhof). Bild-Zoom
Ein nagelneuer Fahrscheinautomat im Streik-Modus: Er nimmt weder Scheine noch Münzen an (aufgenommen am Wochenende am Höchster Bahnhof).

Dort können Kunden sogar mit 100-Euro-Scheinen zahlen. Es ist möglich, Kredit- und Girokarten kontaktlos anzuwenden. „Gut sichtbar am Kopfende informiert ein Leuchtdisplay die Reisenden über die nächsten Fahrten“, heißt es aus der Hofheimer RMV-Zentrale. Gerade dort, wo es bislang keine Anzeigen am Bahnsteig gab, sei das ein Vorteil. Das Dumme ist nur: Die neuen Automaten versprechen derzeit viel und halten wenig. Es klemmt an allen Ecken und Enden. Unser Leser Ulrich Esselborn schrieb neulich, er habe beobachtet, dass die Bildschirmfenster, in dem die nächsten Züge aufgeführt sein sollen, häufig nicht funktionieren. Auf seiner Fahrt von Bad Vilbel nach Eschborn-Süd habe er auf acht Automaten an verschiedenen Bahnhöfen geschaut: „An keinem funktionierte die Anzeige.“ Das ist ärgerlich.

Die Nummer notieren

Ein regelrechtes Debakel ist es aber, dass viele Automaten kein Geld annehmen und dem RMV so Einnahmen entgehen. Beispiel Hofheimer Bahnhof. Das Kreisblatt testet einen Automaten am Mittelbahnsteig. Es ist Montagvormittag. Einzelfahrschein nach Eppstein. Erwachsener. Alle Eingaben sind möglich. Aber beim Bezahlen zeigt sich: Der Automat akzeptiert Münzen, aber keine Scheine.

Krass war’s am Samstagnachmittag am Höchster Bahnhof. Vier der neuen Automaten stehen in der Vorhalle. Einer war kaputt. Zwei nahmen weder Scheine noch Münzen an. Ein Gerät zeigte an, dass es mit Scheinen nicht geht. Doch wer’s mit Münzen versuchte, stellte fest: Sie fallen durch, immer und immer wieder. Dutzendweise kapitulierten irritierte und hilfesuchende Fahrgäste, die sich obendrein in einem Wust aus Verspätungen sowie Fahrplan- und Abfahrtsgleis-Änderungen zurechtfinden müssen.

Der RMV redet nichts schön. „Die Störungsmeldungen haben seit Anfang Juni massiv zugenommen, und entsprechende Rückmeldungen erreichen den RMV aus dem gesamten Verbundgebiet“, teilt die stellvertretende Pressesprecherin Vanessa Rehermann mit. „Teilweise fallen an Stationen gleich mehrere Automaten aus, und es wird für die Fahrgäste schwer, in angemessener Zeit ein Ticket zu lösen.“ Die Zustände seien untragbar.

Der RMV verweist auf den Vertriebspartner Transdev, der die Automaten betreut. Die Berliner sind nach eigenen Angaben Deutschlands größter privater Betreiber von Bus- und Bahnverkehren. Transdev, so der RMV, habe in einer Krisensitzung „umgehende Verbesserungen“ zugesagt. Die Mitarbeiter sollen häufiger zu den Automaten fahren, „um die dauerhafte Ausstattung der Automaten mit Geld und Fahrkartenpapier sicherzustellen“. Schon in dieser Woche sollen die Beeinträchtigungen „deutlich zurückgehen“. Für Transdev ist die Automaten-Panne im Rhein-Gebiet mehr als ein Imageproblem. Der finanzielle Schaden dürfte immens sein: Wenn der Betreiber schludert und seine vertraglich vereinbarte Leistung nicht erbringt, darf der RMV ihm Geld abziehen.

Wie sollen sich Kunden verhalten, die an streikenden Automaten keinen Fahrschein ziehen können? Vanessa Rehermann rät auf Kreisblatt-Anfrage dazu, wenn möglich, ein Handy-Ticket zu ziehen oder an einen Schalter zu gehen. Falls das nicht geht, sollten Fahrgäste die Automatennummer notieren und im Zug oder Bus „proaktiv auf Kontrolleure zugehen“ und die Störung melden. Das ist auch über eine Transdev-Telefonnummer möglich, die an den Automaten steht. Wer zwischendurch umsteige, müsse versuchen, am Umsteigepunkt einen Fahrschein zu ziehen, ohne seinen Anschluss zu riskieren. ask / Mitarbeit: wpe

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