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Gemeinde übt den extremen Ernstfall: Was tun, wenn der Strom ausfällt?

In einer Simulation probten Liederbachs Feuerwehr, Polizei und DRK den Ernstfall. Trainiert wurde eine Manipulation am Versorgungsnetz des Energieversorgers, der im Rhein-Main-Gebiet, also auch in Liederbach einen mehrtägigen Stromausfall verursachte. Mehrere Übungseinsätze wurden unter der Extremsituation trainiert, Handlungsabläufe verfeinert.
Einsatzleiter Joachim Pfeffer informiert Übungsleiter Alexander Wieczorek (li.) über die Menge Strom, die das Aggregat produziert. Foto: Knapp Einsatzleiter Joachim Pfeffer informiert Übungsleiter Alexander Wieczorek (li.) über die Menge Strom, die das Aggregat produziert.
Liederbach. 

Was ist bei einem Ausfall des Stromnetzes von mindestens 96 Stunden zu tun? Wie reagieren Feuerwehr, Polizei und Rotes Kreuz auf die Katastrophe? Wie beruhigen sie die Bevölkerung? Antworten auf diese Fragen erarbeiteten Liederbachs Bürgermeisterin Eva Söllner, Vertreter der Gemeinde, Feuerwehr, Polizei und des DRK am Wochenende. Mehrere Übungsszenarien wurden trainiert.

Aggregat das Herzstück

Das Feuerwehrhaus, als Lagezentrum eingerichtet, wurde zunächst mit Hilfe einer NEA (Netz-Ersatzanlage), vergleichbar mit einem riesigen Notstromaggregat, mit Strom versorgt. Der Lagestab, bestehend aus Eva Söllner, Erstem Beigeordnetem Dieter Herbert, Gemeindebrandinspektor Dirk Schäfer, Wehr-Einsatzleiter Joachim Pfeiffer sowie einem Vertreter von Polizei und DRK, versammelte sich im Lagezentrum zu Besprechungen und Deeskalations-Maßnahmen. „Durch Installation des Notstromaggregats stellen wir hier die Stromversorgung sicher, damit die Bevölkerung im Ernstfall eine Anlaufstelle hat“, erklärte die Bürgermeisterin. So könnten Menschen, die etwa auf ein elektronisches Beatmungsgerät angewiesen seien oder Mütter zum Aufwärmen des Milchfläschchens im Ernstfall hier Strom erhalten. Das Szenario sah einen mindestens viertägigen Stromausfall vor. Rund 20 Feuerwehrleute campierten mit den Kollegen des DRK im Feuerwehrhaus auf Feldbetten. Einsätze, zugeschnitten auf den simulierten Stromausfall, wurden nachempfunden und trainiert.

Info: Ein paar nützliche Tipps für den Ernstfall

Erfahrungen aus der Vergangenheit machen deutlich, dass Menschen in Katastrophensituationen grundlegende Elemente des Selbstschutzes, wie Lebensmittel- und Trinkwasserbevorratung, kaum beachten.

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„In solchen Fällen informieren wir die Menschen über Megaphon“, erklärte Herbert. Man sei zur Berechnung der Fahrtzeit Liederbachs Straßen mit einem entsprechend ausgestatteten Einsatzwagen abgefahren. Auch städtische Institutionen und Gebäude wurden unverzüglich informiert, eine sofortige Evakuierung vorgenommen.

„Das wichtigste ist, dass jeder Ruhe bewahrt und besonnen handelt“, erklärte die Bürgermeisterin. Simuliert wurde eine typische Kurzschlussreaktion zweier Anwohner, die sich in ihren Schrebergärten am Feldrand übereilt mit Getränken versorgten und dabei verletzten. Die Reaktion der Wehr auf das in Katastrophensituationen typische Verhaltensmuster müsse geübt werden, erklärte Übungsleiter Alexander Wieczorek. Daher sei es notwendig, solche Einsätze immer wieder zu simulieren. Die Vorbereitungen zur Evakuierung kranker und alter Menschen in die umliegenden Krankenhäuser wurden genauso trainiert, wie Notfallrettungen mit ernsthaft Verletzten. Unter der Extremsituation „Stromausfall“ inszenierte man den Fall eines Verletzten, der – unter einem umgestürzten Baum eingeklemmt – medizinisch versorgt werden muss.

Hand in Hand

„In solchen Situationen fehlt die ganze Peripherie. Es gibt keine Kontaktmöglichkeiten, kein Telefon, Handy oder Licht. Da muss jeder Handgriff sitzen“, weiß Wieczorek. Gemeinsam prüfte er mit Einsatzleiter Pfeiffer in regelmäßigen Abständen die Notstromversorgungsanlage am Lagezentrum. Trotz einer Betriebsdauer von 75 Stunden und einer Leistung von 40 000 Watt muss das Gerät bei ununterbrochener Nutzung im Ernstfall professionell mit Kraftstoff betankt werden.

Beruhigendes Ergebnis: Der Einsatzleitstab könnte die Bevölkerung im Ernstfall durch umfangreiche Maßnahmen beruhigen, so dass Chaos weitgehend vermieden würde. Feuerwehr, Polizei und DRK haben während der Katastrophenübung Hand in Hand gearbeitet. Erkenntnisse und Erfahrungen werden nun im Anschluss ausgearbeitet und weitere Handlungsstrategien ermittelt, um künftig noch besser vorbereitet zu sein. „Wir werden noch einmal alles durchsprechen und an bestimmten Punkten nacharbeiten. Eine Veröffentlichung der Ergebnisse im Amtsblatt und eine Hilfsbroschüre für Anwohner soll für den Ernstfall sensibilisieren“, erklärte Eva Söllner.

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