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Nonnen auf dem Rettershof: Weihnachten im Kloster – ein karges Fest

Von Die Hobby-Historikerin Christa Wittekind erzählt von Kälte, Hunger, eisigen Füßen und dem „innerlichen Glück“ der Nonnen auf dem Rettershof in der Nacht, in der Jesus geboren wurde.
Das wird in diesem Winter wohl nur ein Märchen bleiben: das Hofgut am Rettershof in dichten Schnee gehüllt. Das Ölgemälde stammt vom Kelkheimer Manfred Guder. Das wird in diesem Winter wohl nur ein Märchen bleiben: das Hofgut am Rettershof in dichten Schnee gehüllt. Das Ölgemälde stammt vom Kelkheimer Manfred Guder.
Fischbach. 

Schwer zu bewältigende Pfade, ein düsterer Wald und bedrohliche Kälte – die Weihnachtszeit im 12. Jahrhundert muss für die Bewohner des Klosters Retters eine besondere Herausforderung gewesen sein. Den Winter zu überstehen, kostete viel Kraft und forderte, sich noch mehr zu beschränken, als dies ohnehin der Fall war. Zu essen gab es meist nur Brei – und mit der eisigen Kälte, die einem täglich begegnete, musste man sich arrangieren. „Man fror, man fror, man fror“, weiß Hobby-Historikerin Christa Wittekind. Wer von den Dorfbewohnern nicht unbedingt hinaus musste, wird wohl möglichst wenig das Haus verlassen haben. Weihnachten im Kloster Retters dürfte deshalb neben Kälte und Hunger von dem Gefühl der Abgeschiedenheit geprägt gewesen sein.

Erst ein Doppelkloster

Bei einer Führung zum Thema „Weihnachten im Rettershof – wie es früher einmal war“, erzählte Christa Wittekind aus den unterschiedlichen Episoden, die die Anlage in den vergangenen Jahrhundert mitsamt ihren Bewohnern durchlebt hat.

Gegründet 1146 vom Grafen von Nüring war das Kloster zunächst das Zuhause von Mönchen und Nonnen. Das Konzept des Doppelklosters barg gerade in der Anfangszeit den Vorteil, dass die Männer die schwereren Arbeiten vornehmen konnten. Später lebten dort allerdings nur noch Nonnen samt ihrer Hilfsnonnen. Wie viele Menschen dort oben wohnten, ist nicht genau zu sagen. Zu den 50 Ordensfrauen kam vermutlich noch eine in etwa vergleichbar große Gruppe Laienschwestern hinzu.

Das Leben der christlichen Frauen war karg. Die Nonnen werden wie stets gegen vier Uhr in der Früh zur ersten Andacht gelaufen sein. Mit Fußlappen und ihren derben Lederschuhen schützten sie sich vor dem eisigen Boden. Umziehen musste sie sich nicht. Es war üblich, dass man in Kleidung schlief, weiß Christa Wittekind.

In der Kirche, die in etwa auf dem Areal des heutigen Reitplatzes lag, gab es keine Bänke. Die Gläubigen standen oder knieten bei den Andachten, zu denen sie täglich mehrmals gingen. An Weihnachten kam die Christmette hinzu. Musik kam von den Frauen selbst: Sie sangen gregorianische Gesänge. An Geschenke oder ähnliches war nicht zu denken. „Es gab nur das innerliche Glück, dass heute die Nacht ist, in der Christus geboren wurde“, erzählt Wittekind.

Immer emotionaler

Die Hobby-Historikerin betont, dass die Feier zur Geburt Christi im Laufe der Jahrhunderte an Bedeutung gewonnen hat. Es kamen mehr und mehr Bräuche und Rituale hinzu. So sei das Fest immer emotionaler geworden, sagt Christa Wittekind.

Manches veränderte auch seine Bedeutung: So habe Knecht Ruprecht im Mittelalter noch als Heilsbringer gegolten und anfänglich habe man noch den „Herren Christ“ verehrt. Später wurde dann das „Christkind“ hervorgehoben.

Im großen Gegensatz zu der von Armut geprägten Zeit des Mittelalters dürfte die Zeit des Rettershofs stehen, in der die Familie von Felix und Hertha von Richter gelebt hat. Sie ließen den Hof in den 1920er und 30er Jahren renovieren und verschönern. „Es wurde viel gefeiert – auch während der Kriegszeit“, erläutert Christa Wittekind.

Es gebe viele Berichte von Reisen der Familie von Richter – sowohl im Sommer als auch im Winter. So werden auch die Weihnachtsfeste prunkvoll mit viel Essen, Musik und Geschenken für die Kinder gefüllt gewesen sein.

Gefeiert wurde übrigens auch noch 1945. Da wich die Familie allerdings auf den Gasthof aus. Denn der Rettershof war voller Menschen – Evakuierte und Vertriebene waren einquartiert und feierten vermutlich ein banges Weihnachtsfest: Es herrschte zwar wieder Frieden, doch schien die Zukunft sehr ungewiss.

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