Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer
Anzeige Laufsport - Alles rund um den Mainova Frankfurt Marathon ... Hofheim am Taunus 26°C

Woher kommen Straßenbezeichnungen: Wie Straßen ihren Namen bekamen

Von Woher kommen Straßenbezeichnungen wie Keltenweg, An der Krautweide, Am Laubach oder Im Kirschengarten? Klaus Belzer vom Sulzbacher Geschichtsverein kennt die Antworten.
Die Herren sind von der Weide-Genossenschaft (1930er Jahre). Die Viehweide war ungefähr dort, wo heute der Sportplatz liegt. Die Herren sind von der Weide-Genossenschaft (1930er Jahre). Die Viehweide war ungefähr dort, wo heute der Sportplatz liegt.
Sulzbach. 

In früheren Zeiten gab es noch keine genauen Landkarten, Gemarkungspläne und Katasterpläne. „Die Fluren um die Dörfer wurden nach ihren Gegebenheiten bezeichnet“, erläutert der frühere Vorsitzende des Geschichtsvereins, Klaus Belzer. Er erzählt, dass die Menschen sich einst an besonderen Landschaftsformen oder Bäumen orientierten, um auszudrücken, wo die Grundstücke lagen. Belzer: „In einem Dorf in der Größe von Sulzbach mit einer Fläche von rund 7,85 Quadratkilometern mussten sich Besitzer schon Gedanken machen, wo ihre Äcker und Grundstücke liegen, besonders durch die vielen kleinen Flächen, die durch Vererbung entstanden und bis zur Umlegung in den 50er Jahren Bestand hatten.“

In der Alltagssprache, so der Hobbyhistoriker, war die Flur das unbewaldete Ackerland, auch Gwann genannt. Belzer: „Das Gwann war die Stelle, an der der Pflug gewendet wurde. Flurnamen sind eigentlich Gwann-Namen. Bis zur Einführung der Flurstücks-Nummern waren sie ein wichtiges Mittel zur Identifizierung der Grundstücke.“

Viele alte Sulzbacher Flurnamen wie Mehlbirnbaum, Kelterwiese, Heidenstock, Auf dem Stuhl oder Galgenacker sind heute nur noch den Historikern bekannt. An andere erinnern aber noch Straßennamen wie Keltenweg, Im Kirschengarten, Hostertstraße, Am Laubach und Auf der Krautweide. Klaus Belzer hat historische Fotos, auf denen besonders jüngere Sulzbacher und Neuzugezogene den Ort nicht mehr erkennen.

Voller Kirschbäume

So standen mitten im Dorf im Kirschengarten zwischen Oberschultheißereistraße und Altkönigstraße noch vor 60 Jahren in einem umzäunten Gelände Obstbäume von Bauern. Ältere Sulzbacher wissen, dass es im Kirschengarten besonders viele Kirschbäume gab, und vermuten, dass der Name sich von dort ableitet. Klaus Belzer hält es aber für wahrscheinlicher, dass das Gelände, das heute bebaut ist, Kirchengut war.

Kelten-Funde

Im Keltenweg, der in die Feldgemarkung Richtung Schwalbach führt, wurden laut Klaus Belzer in den 60er Jahren von einem Herrn Staab, der im Sossenheimer Weg 1 wohnte, in einer Baugruppe Tulpenbecher der Michelsberger Kultur gefunden. „Das sind Siedlungsspuren unserer Vorfahren vor 6000 Jahren“, weiß Belzer. Er bedauert, dass bei Bauarbeiten wegen eines eventuell drohenden Baustopps viel zu wenig auf geschichtliche Funde geachtet wird.

Jüngere Sulzbacher können sich auch nicht mehr vorstellen, dass der von Helmut Christian bewirtschaftete „Sonnenhof“ in der Neugartenstraße früher weit außerhalb des Ortes im Feld lag. Heute ist er von Wohnhäusern umrahmt. Im Zweiten Weltkrieg war dort die Flakstellung – so auch die ungewöhnliche Flurbezeichnung An der Flakstellung – mit der Kommandozentrale und Unterkünften der Flugabwehr-Batterien.

Durch die Viehweide, die früher am Waldrand lag, wo heute der Sportplatz, die Eichwaldhalle und die Mendelssohn-Bartholdy-Schule sind, floss der Laubach, der aus dem Eichwald kam und an der Krautweide in den Sulzbach mündete. Heute ist er zwar verrohrt, aber von den alten Flurbezeichnungen sind Straßennamen übrig geblieben.

Makaber wird es, wenn vom Galgenacker, der Galgenhohl und Auf dem Stuhl die Rede ist, die nahe der heutigen Autobahn A 66 lagen. Oberhalb der Galgenhohl auf dem höchsten Punkt des Geländes stand der dreischläfrige Galgen. Belzer: „Das war praktisch, denn die auf dem Stuhl Verurteilten wurden gleich nebenan auf dem Galgenberg aufgehängt. Die Delinquenten waren von der nahen Überlandstraße zur Abschreckung gut zu sehen. Man ließ die Hingerichteten oft hängen, bis die Knochen von selbst herunter fielen.“

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse