Lade Login-Box.
E-Paper
Abo & Service Immo Stellen Trauer

Zu oft zu viel Nitrat

Nicht nur die Qualität von Brunnenwasser ist gefährdet: So ist die öffentlich zugängliche Schwefelquelle in Bad Weilbach schon seit Wochen gesperrt. Sie ist mit gesundheitsgefährdeten Keimen belastet.
Wird zu stark oder zum falschen Zeitpunkt gedüngt, kommt es zur Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser. Foto: dpa Wird zu stark oder zum falschen Zeitpunkt gedüngt, kommt es zur Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser. Foto: dpa
Flörsheim. 
Wer Wasser aus einem Brunnen auf seinem Grundstück nutzt, sollte das kostbare Nass regelmäßig kontrollieren lassen. 	Foto: Nietner Bild-Zoom
Wer Wasser aus einem Brunnen auf seinem Grundstück nutzt, sollte das kostbare Nass regelmäßig kontrollieren lassen. Foto: Nietner

Mit dem Beginn der sommerlichen Temperaturen steigt der Bedarf an Wasser. Sei es zum Bewässern des heimischen Gartens oder zum Auffüllen des Planschbeckens – das kühle Nass fließt in den Sommermonaten häufiger. Wer einen Brunnen im Garten hat, kann dabei jede Menge Leitungswasser sparen. Oft ist die Qualität des unterirdischen Wassers aber ein Risiko. Denn keiner weiß, wie sauber es ist.

Bruno Wenzler gehört zu den Brunnenbesitzern, die es genau wissen wollten: Der Wickerer lieferte gestern eine Wasserprobe bei den Experten des VSR-Gewässerschutzes ab. Das Labormobil des Vereins machte am Nachmittag am Konrad-Adenauer-Ufer Halt. Eigentümer von Brunnen hatten die Möglichkeit, ihr Grundwasser auf unterschiedliche Schadstoffe kontrollieren zu lassen. Der Umfang der Kontrolle hing von der Nutzung des Wassers ab.

 

Falscher Zeitpunkt

 

Bruno Wenzler interessierte sich vor allem für die Eignung seines Brunnenwassers zum Gießen von Gemüse. Er nutze den Brunnen vor allem zum Bewässern des Gartens und für die Waschmaschine, erzählte der Wickerer. Vor einiger Zeit sei ihm bei einer Untersuchung mitgeteilt worden, dass der Nitratwert sehr hoch liege.

Eine hohe Nitrat-Konzentration in Brunnen ist ein häufiges Problem in der Region um Flörsheim. Die Analyse zahlreicher Brunnenwasserproben habe ergeben, dass 30 bis 40 Prozent der Brunnen in der Umgebung mit Nitrat belastet seien, erläutert Harald Gülzow vom VSR. Als Ursache nennt der Fachmann die Rückstände aus der landwirtschaftlichen Düngung. Wird zu stark oder zum falschen Zeitpunkt gedüngt, kommt es zur Auswaschung von Nitrat ins Grundwasser. Wasser mit hohem Nitratgehalt zu trinken, kann gesundheitsschädlich sein, weil es im Magen zu Nitrit umgewandelt wird – einem Stoff, der das Krebsrisiko erhöht.

 

Grün-Schimmer

 

Die Trinkwasserverordnung schreibt fest, dass Trinkwasser nicht mehr als 50 Mikrogramm Nitrat pro Liter aufweisen darf. Wenn ein Liter Brunnenwasser mehr als 100 Mikrogramm Nitrat aufweist, rät Harald Gülzow auch von der Bewässerung von Gemüse ab. In solchen Fällen sollen die Nahrungsmittel bevorzugt mit Regenwasser gegossen werden. Außerdem können die Gartenbesitzer den Einsatz von Düngemitteln aufgrund der hohen Konzentration im Grundwasser reduzieren.

Das Nitrat gelangt über das Grundwasser auch in den Main. Dies sei am leichten Grün-Schimmer des Wassers zu erkennen, berichtet Harald Gülzow. Der Strom wird trüb, weil Nitrat das Wachstum von Algen begünstigt. Dies kann auch den Fischbestand gefährden: Wenn die Algen aufgrund eines Wetterumschwungs absterben, wird viel Sauerstoff verbraucht und Wassertiere gehen zugrunde.

 

Schwefelquelle gesperrt

 

Verunreinigungen tauchten in den vergangenen Wochen auch an einem öffentlichen Brunnen im Stadtgebiet auf: Die Schwefelquelle im Ortsteil Bad Weilbach wurde von der Verwaltung gesperrt, nachdem Routineuntersuchungen eine Belastung mit Keimen nachwiesen. Normalerweise trinken viele Menschen aus der Region das Wasser der Heilquelle, die sich im Besitz der Stadt befindet. Einige Flörsheimer haben seit dem Bekanntwerden des Befundes spekuliert, dass Düngemittel aus der Landwirtschaft auch hier eine Rolle spielen. Im Umfeld der Quelle gibt es mehrere Flächen, die landwirtschaftlich genutzt werden. Eindeutige Ergebnisse liegen derzeit noch nicht vor.

Bürgermeister Michael Antenbrink (SPD) hatte im Ausschuss für Bauen, Verkehr und Umwelt berichtet, dass die Untersuchungen weiter andauern. Es sei derzeit nicht feststellbar, wo die Verunreinigungen herkommen. Experten des Regierungspräsidiums Darmstadt und des hessischen Umweltamtes befassen sich mit der Wasserqualität der Schwefelquelle. Die nächsten Proben sollen Ende des Monats genommen werden.

Zur Startseite Mehr aus Main-Taunus

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2016 Frankfurter Neue Presse