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Frühstücksstube: Zwei Mal pro Woche gibt es Brötchen und Kaffee für Bedürftige

Die Frühstücksstube von Sankt Josef hat gestern ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. Unter den mehr als 80 Gästen waren auch die Gründer des Frühstücks für alle.
Hans Günter Neidel vom Caritasausschuss eröffnet das Buffet. Foto: Maik Reuß Hans Günter Neidel vom Caritasausschuss eröffnet das Buffet.
Höchst. 

Weiße Tischdecken, Buffet, Gewusel – zum Jubiläum ist alles anders und doch so wie immer. Es ist Donnerstag. Frühstückszeit im Souterrain des Pfarrheims von Sankt Josef an der Schleifergasse. Das erste Frühstück für Bedürftige – 30 Jahre ist das jetzt her. Angefangen hatte alles mit einem Provisorium: im „Kirchensälchen“ der Josefskirche, zwischen Kommunionunterricht und Firmgruppen. Die Idee wurde aus der Not geboren: Immer wieder klopften Leute an die Tür des Pfarrhauses, baten um einen heißen Kaffee, eine warme Mahlzeit. Das bekamen sie auch – auf den Pfarrhaustreppen. Kein Zustand für Pfarrer Josef Schäfer, es musste sich etwas ändern. Er gründete die „Wärmestube“.

Gäste haben sich geändert

Der mittlerweile pensionierte Pfarrer erinnert sich noch gut an die Anfänge. Die ersten fünf Frauen, die direkt mit angepackt haben, ihre Namen kann er heute noch aufzählen. In den Anfängen kamen vor allem Wohnsitzlose, die damals noch im Höchster Bahnhof schliefen. Heute sind die Gäste andere, das Frühstück ist geblieben. Es sind vor allem Rentner, aber auch junge Langzeitarbeitslose und Familien mit Kindern, die in die Frühstücksstube kommen.

Zum 30. kam auch der Gründer, Pfarrer Josef Schäfer, zu Besuch. Die Helferinnen Renate Blendinger (von links), Gisela Bräuer und Bertel Englert mit ihrem Ehrengast. Bild-Zoom Foto: Maik Reuß
Zum 30. kam auch der Gründer, Pfarrer Josef Schäfer, zu Besuch. Die Helferinnen Renate Blendinger (von links), Gisela Bräuer und Bertel Englert mit ihrem Ehrengast.

Nicht umsonst ist das Jubiläumsmotto „Wir sind bunt“. Die Menschen, die immer montags und donnerstags gemeinsam in der Gemeinde frühstücken, könnten unterschiedlicher nicht sein, Nationalität oder Religion spielt dabei keine Rolle.

Ursula Schröder kommt nicht oft, aber immer wieder gerne. „Egal, wer was war, ist oder sein wird“, in der Stube habe jeder seinen Platz. „Wir sind wie eine Familie geworden“, sagt auch Nicole Hagedorn. Seit mehr als zwei Jahren kommt die Frührentnerin dort hin. Vielen geht es so wie ihr: Die Rente – sie reicht „nicht zum leben und nicht zum sterben“.

Die Mahlzeit kostet 50 Cent. Es ist nur ein kleiner Obolus, aber wichtig für das Selbstwertgefühl der Gäste. Eingeführt wurde dieser erst später. Gisela Bräuer, Helferin der ersten Stunde, war anfangs skeptisch. Doch die Erfahrung hat gezeigt: „Was nichts kostet, ist auch nichts wert.“ Mittlerweile gibt es keine halbvollen Kaffeetassen mehr. Nichts wird weggeschmissen. „Wenn das Geld knapper wird, geht es aber auch mal ohne 50 Cent.“ Auf den Tisch kommen ein Teller mit Käse oder Wurst, Brot und Brötchen, Obst und Gemüse.

Für die Ehrenamtlichen ist das Frühstück nur ein Mittel zum Zweck. Das Ziel: Da sein für die, die sonst allein sind. Ein bisschen Alltag, ein bisschen Nachbarschaft. Die Helfer nennen die Bedürftigen liebevoll „Gäste“. Service wird großgeschrieben. Die Teller sind schön angerichtet. „Eben das, was man nicht macht, wenn man alleine ist“, sagt Gisela Bräuer.

Die 73-Jährige ist heute „Ehrenpräsidentin“ der Frühstücksstube, so nennt Pastoralreferent Franz Karl Klug sie jedenfalls liebevoll. Sie ist dem Projekt über all die Jahre hinweg treu geblieben und kommt auch heute noch so oft sie kann. Die Frühstücksstube – heute gehört sie fest zur Caritas der Gemeinde Sankt Josef dazu. Das war nicht immer so. Am Anfang gab es Widerstand. „Die Leute in ihrer Art, wollte man erst nicht bei sich haben“, erinnert sich Pfarrer Schäfer.

Zwölf Ehrenamtliche

Mittlerweile stemmen zwölf Ehrenamtliche die Arbeit. Renate Blendinger ist eine von ihnen. Sie kommt einmal die Woche in die Stube. „Ich habe im Büro am Computer gearbeitet, das war mir einfach zu öde“, sagt sie, die was mit Menschen machen wollte. Fünf Jahre ist sie jetzt schon dabei. Gerade das Schicksal der Wohnungslosen geht ihr nah. Denen bringt sie nach dem Frühstück auch schon mal ein paar Brötchen vorbei.

Pastoralreferent Klug schätzt das Projekt auch, weil es nicht nur Geben, sondern auch Nehmen ist. „Wir selber bekommen Denkanstöße“, sagt Klug und erzählt von einem jungen Mann, der so mutig ist, von Deutschland nach Spanien zu trampen – mit Zwischenhalt in Höchst. Die Geschichte habe ihn zum Nachdenken gebracht.

Ein Großteil der Lebensmittel kommt von der Tafel. Diese stelle der Frühstücksstube jedes Jahr Lebensmittel im Wert von 5000 Euro zur Verfügung, schätzt Jung. Das Projekt lebt von Spenden und Sponsoren. Trotzdem, meistens schreibt die Stube rote Zahlen. Ein paar Rücklagen gäbe es noch, die reichten wohl bis 2019. Wie es danach finanziell weitergeht, wird sich zeigen. Aber dass es weitergehen wird, da ist sich Pastoralreferent Klug sicher. Im Zweifel sei die Kirchengemeinde gefragt.

Spender gesucht

Wer die Frühstücksstube unterstützen möchte: Katholische Kirchengemeinde Sankt Josef, IBAN: DE61 5019 0000 0100 3400 03.

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