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Zweisprachigkeit ist ein Geschenk

Von Es gibt in Schwalbach eine kleine Kolonie aus dem iberischen Land. Der Frauentreff ist ihre Anlaufstelle. Die Frauen wollen nicht unter sich bleiben!
Schwalbach. 

Ronaldo, den Frauenliebling der Portugiesen, oder lieber doch Klose, den Rekord-Torschützen der deutschen Elf, anfeuern? Wenn am heutigen Montag im fernen Brasilien das erste WM-Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft gegen Portugal angepfiffen wird, ist Manuela Rodrigues hin- und hergerissen. Die Schwalbacherin hat portugiesische Wurzeln, lebt aber seit Jahrzehnten in Deutschland. Sie sympathisiert mit beiden Nationen.

Extra: Eduardos Erinnerungen

Positives Echo hat unser Bericht zur Nelkenrevolution in Portugal ausgelöst. Das Ereignis liegt 40 Jahre zurück. Unter anderem darüber hatten wir vor einigen Wochen mit José Pires Pinto

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Im November 2013 erst hat sie den Portugiesisch-Stammtisch ins Leben gerufen, der einmal im Monat im Frauentreff am unteren Marktplatz tagt. Eigentlich habe sie damals nur ihre Sprachkenntnisse aufbessern wollen, erzählt sie, als die Kreisblatt-Reporterin die kleine Runde besucht und befragt. Es ist ein fideler Kreis geworden, in dem die Damen viel zu erzählen haben.

„Ich war nach dem Abitur aus Abenteuerlust nach Deutschland gekommen“, erzählt zum Beispiel Felicidade Precópio. Auf der Arbeit bei der portugiesischen Airline hatten sie und Manuela Rodrigues sich kennengelernt.

 

Unterricht an Schule

 

Erst habe sie in einer Buchbinderei gearbeitet, schildert Precópio, später bei der Airline. In Frankfurt habe sie mitgeholfen, das portugiesische Kulturzentrum zu gründen und sich später in Schwalbach für Portugiesisch-Unterricht stark gemacht, der nachmittags in der Friedrich-Ebert-Schule angeboten wird. „Es ist wichtig, dass die Kinder ihre Muttersprache nicht vergessen“, sagen Precópio und Arlete Bárbara, ein weiterer Stammgast in der Runde, übereinstimmend.

Wie alle Frauen des Portugiesisch-Stammtischs habe sie mit den eigenen Kindern einst nur portugiesisch gesprochen – bewusst. „Es ist ein Geschenk, das wir ihnen geben“, urteilt Felicidade Precópio. Deutsch lernte der Nachwuchs trotzdem – und das ist gut so, richtig und wichtig.

Zweisprachig aufzuwachsen biete im Berufsleben viele Möglichkeiten. In Schwalbach fühlt Precópio sich wohl. Auch die Kinder und sogar vier Enkelkinder leben in Deutschland. „Wenn die hier sind, bleibt man auch hier.“ Nur zum Urlaubmachen kehrt sie in die alte Heimat zurück. Große Feste verfolgt Felicidade Precópio am Fernsehen. Im Juni werde im ganzen Land der drei Volksheiligen Johannes, Petrus und Antonius gedacht, gleichzeitig Schutzpatrone großer Städte. „Da ist viel los in den Straßen.“

Olinda Müller, die wie fast alle im Raum auch noch Maria heißt, spricht nur noch selten portugiesisch. „Vor allem seit die Kinder aus dem Hause sind“, sagt die Witwe, die einen deutschen Mann geheiratet hatte. Beim Stammtisch möchte sie die Muttersprache wieder auffrischen. „Das tut irgendwie gut.“

Durch die Bank weg fühlen sich die Frauen bestens integriert, versichern sie. „Das liegt sicher daran, dass wir eine ähnliche Kultur und Mentalität haben und die deutsche Sprache sprechen“, vermutet „Fely“ Precópio. Dennoch habe sich in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. „Als ich damals nach Deutschland kam, wussten viele gar nicht, wo Portugal liegt“, sagt sie. Das habe wohl am Krieg gelegen. „Damals hat man Mathe und Deutsch gelernt, aber wenig über die umliegenden Staaten.“

Unwissenheit gibt es heute noch, wie Bruna Schubnell Freire jüngst feststellte. „Meine Friseurin hat mich gefragt, ob ich mit dem Auto nach Brasilien fahre“, erzählt sie schmunzelnd. Die junge Frau ist die einzige Brasilianerin in der Runde. Einmal im Jahr fliegt sie mit ihrem Mann und den beiden Kindern in die Heimat, um familiäre Kontakte zu pflegen: „Das ist zwar sehr teuer, mir ist aber wichtig, dass wir alle zusammen fliegen.“ Das brasilianische Portugiesisch hat Besonderheiten ausgebildet, wie die Frauen bei ihren Gesprächen feststellen. So heiße die WM in Brasilien kurz und knackig „Copa“.

In Portugal sprechen die Menschen von „Campeonato“. Wenn Brasiliens Mannschaft wieder über den Rasen dribbelt, wird Bruna Schubnell Freire mit ihrem Mann und Freunden aus der Heimat vor dem Fernseher sitzen und den Grill anwerfen.

Isabelle Masson muss noch überlegen, wem sie bei der WM den Sieg gönnt. Als Tochter portugiesischer Immigranten ist sie in Frankreich aufgewachsen und ihrem Mann später nach Deutschland gefolgt. „Meine Heimat ist überall“, sagt sie gerne, oder: „Ich bin zu Hause, wo meine Füße sind.“ Am liebsten hätte sie einen Europa-Pass. Beim Stammtisch möchte sie die vertrauten Klänge der Kindheit wieder auffrischen.

Bruna Schubnell Freire, die Brasilianerin, möchte möglichst viel über die Kultur der Portugiesen erfahren. „Ich gebe an der VHS Sprachunterricht, da ist es gut, das Land zu kennen.“ Die Frauen seien supernett, findet sie. Gesprochen wird über die alte und die neue Heimat und das, was jeden so bewegt. In der Gruppe sei jeder willkommen, auch wer seine Sprachkenntnisse auffrischen wolle.

 

Näheres über den Portugiesisch-Stammtisch für Frauen ist unter der Telefonnummer (0 61 96) 7 68 68 34 zu erfahren.

 

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