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Info-Abend zur Flüchtlingssituation: „In Sulzbach läuft es prima“

Von Kreisbeigeordneter Johannes Baron gab einen Überblick über die aktuelle Situation in Sulzbach und erwähnte, dass es bezüglich einer dritten Asylunterkunft Verhandlungen mit einem Privatanbieter gibt.
Infoabend Flüchtlingsunterkünfte
Sulzbach Frankfurter Hof Foto: Maik Reuß Infoabend Flüchtlingsunterkünfte Sulzbach Frankfurter Hof
Sulzbach. 

„In Sulzbach funktioniert es prima.“ Das Lob des Kreisbeigeordneten Johannes Baron war allumfassend und meinte nicht nur die Verwaltung – explizit die Mitarbeiterinnen Monika Moser und Sandra Schiwy, die für die Flüchtlingskoordination verantwortlich zeichnen –, sondern alle, die sich ehrenamtlich bei der Flüchtlingshilfe „Hand in Hand“ um die Neuankömmlinge kümmern, die in der Gemeinde leben. Auch sie waren am Dienstagabend zu Gast beim Info-Abend im Bürgerzentrum „Frankfurter Hof“, zu dem etwa 150 Zuhörer gekommen waren. Flüchtlingshelfer, Kreisbeigeordneter und Flüchtlinge selber kamen zu Wort und vermittelten ein lebendiges und umfassendes Bild der aktuellen Situation in der Gemeinde.

650 haben Bleiberecht

Zahlen und Fakten hatte der Kreisbeigeordnete im Gepäck: „Im Main-Taunus-Kreis leben derzeit 2800 Flüchtlinge, von denen aktuell 140 in Sulzbach untergekommen sind.“ Nicht jeder der Asylsuchenden hat Aussicht auf Bleiberecht. „Wir haben aktuell 650 Flüchtlinge identifiziert, die Bleiberecht haben werden.“

Ein großer Teil der in Sulzbach untergebrachten Asylsuchenden stammt aus Syrien (70 Menschen), 28 Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, die restlichen aus Irak, Iran, Somalia und Eritrea sowie einige Staatenlose. Altersmäßig ist die Gruppe der 18- bis 45-Jährigen mit 84 Menschen am stärksten vertreten. „Ganz wenige sind älter“, ergänzt Baron. 17 Flüchtlingskinder sind bis sechs Jahre alt; 16 Kinder sind sieben bis acht Jahre alt. Während in der Unterkunft am Neuenhainer Weg nur Familien leben, sind in den Wohncontainern an der Wiesenstraße vorwiegend Einzelpersonen – darunter viele Männer im Alter von 20 bis 45 Jahren – untergebracht. „Dort wie hier gibt es keine Streitigkeiten oder Negativmeldungen“, schilderte Monika Moser, gleichwohl der Alltag für die Flüchtlinge nicht einfach zu bewältigen ist. „Sie müssen sich vorstellen, dort leben Angehörige verschiedener Ethnien auf sehr engem Raum. Sie alle warten darauf, dass ihr Asylverfahren entschieden wird. Das ist eine sehr schwierige Situation für alle, zumal die Wartezeit lange dauert. Bis ein Asylverfahren entschieden ist, kann bis 12 Monate dauern“, gab der Kreisbeigeordnete zu bedenken. Trotzdem: In den Sulzbacher Unterkünften läuft es friedlich ab.

Gemeinde ist Ansprechpartner

„Wir sind so glücklich, dass wir hier sind und danken Ihnen, dass Sie uns so freundlich aufgenommen haben.“ Als Hasibullah, ein junger Afghane, ans Mikrofon tritt und sich auf deutsch

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Apropos Unterkunft: Mit Neuigkeiten zur Diskussion um eine weitere Unterkunft hielt sich Johannes Baron aus guten Grund zurück: „Fakt ist, dass die Prognose für 2016 davon ausgeht, dass der MTK weitere 2400 Flüchtlinge aufnehmen muss, von denen wiederum 4 Prozent laut Verteilerschlüssel in Sulzbach untergebracht werden.“ Für diese Menschen muss eine weitere Unterkunft geschaffen werden. Da der Kreis selber nicht über Liegenschaften verfügt, müssen die Kommunen ihrerseits Immobilien zur Verfügung stellen. Wie berichtet, wurde als weiterer Standort für eine Flüchtlingunterkunft ein Grundstück an der Kelkheimer Straße genannt. Dagegen formierte sich allerdings heftiger Widerstand der Anwohner, die eine Bürgerinitiative gründeten. Möglicherweise hat sich die Diskussion vorerst erübrigt, denn wie der Kreisbeigeordnete verriet: „Uns liegt ein privates Angebot vor. Derzeit verhandeln wir intensiv, ich denke, dass wir im März zu einer Entscheidung kommen.“ Sollten die Verhandlungen erfolgreich sein, könnte eine Unterkunft für 90 Personen entstehen, die in diesem Sommer bezogen werden könnte. „Wenn die Verhandlungen erfolglos bleiben, müssten wir indes auf das Angebot der Gemeinde zurückgekommen.“

Doch nicht nur die Unterbringung der Asylsuchenden stellt Kreis und Kommunen vor große Herausforderungen: „Was ist mit denjenigen, deren Asylverfahren anerkannt werden und die dann Wohnungen suchen? Wo sollen sie hier Wohnungen finden?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Das ist ein Problem, das den Städten und Gemeinden seit vielen Jahren bekannt ist. Es ist ihre Aufgabe, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen und wir appellieren seit Jahren an die zwölf MTK-Kommunen dies umzusetzen. Hier besteht gewaltiger Nachholbedarf, und die Kommunen müssen das zügig angehen, denn spätestens im Herbst werden viele Verfahren abgeschlossen sein und dann kommt ein großes Problem auf uns zu. Ich kann deshalb meinen Appell nur wiederholen: Wohnraum schaffen, Wohnraum schaffen, Wohnraum schaffen.“

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