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Hüseyin Koçak: „Jeder sollte humanistische Werte respektieren“

Von Der Opel-Mitarbeiter ist an seinem neuen Wohnort daran interessiert, sich mit dem Thema Integration zu befassen. Auch wenn er weiß, dass im Landkreis schon viel dafür getan wird.
Er verkörpert für Menschen mit türkischstämmiger Herkunft eine Seltenheit: Hüseyin Koçak ist Mitglied der CDU. 	Foto: Nietner Er verkörpert für Menschen mit türkischstämmiger Herkunft eine Seltenheit: Hüseyin Koçak ist Mitglied der CDU. Foto: Nietner
Flörsheim. 

Erst knapp fünf Wochen lebt Hüseyin Koçak mit seiner Familie in Flörsheim. Bis nach Rüsselsheim hat er es nicht weit, „ich kann dahin radeln“, freut er sich über die Nähe zu seinem neuen Arbeitsplatz bei Opel. In dem Ulmer Werk des Autobauers hat der 43-Jährige Deutsche mit türkischen Wurzeln Industriemechaniker gelernt, war seither in verschiedenen Werken tätig, zuletzt in Kaiserslautern. „Ich liebe Opel“, bekennt er.

Doch nicht nur Autos interessieren den Familienvater, ganz genau verfolgt er momentan die Nachrichten, wie sich die Menschen und die Politik in seiner neuen Heimat auf die Flüchtlinge vorbereiten, die nach Deutschland strömen und auch hier in unmittelbarer Nähe aufgenommen werden. „Der Main-Taunus-Kreis macht da sehr viel“, lobt Koçak die Bemühungen des Kreises, den Asylbewerbern Unterkunft zu gewähren. Der Flörsheimer Neubürger meint, dies beurteilen zu können. Drei Jahre lang war er bis vor einigen Wochen Integrationsbeauftragter des Landkreises Kaiserslautern und als solcher auch Ansprechpartner für die rund 5000 dort lebenden Ausländer.

Er hat an dem Integrationskonzept mitgearbeitet, das sich der Kreis Kaiserslautern 12 000 Euro hat kosten lassen, hat Deutsch-Kurse für junge Migrantenfrauen in Kindertagesstätten initiiert und eine Einbürgerungskampagne unterstützt. In dem ökumenischen Gemeinschaftswerk Reha Westpfalz hat er ein Sprachportal eingerichtet, in dem sich Freiwillige in arabischer, türkischer, russischer und persischer Sprache für Patienten mit Migrationshintergrund engagieren. Und er hat in Schulen für Integration geworben.

Der Vater von zwei Töchtern, 13 und 16 Jahre alt, nimmt kein Blatt vor den Mund, propagiert einen Reform-Islam, nicht nur in Vorträgen und Diskussionsrunden. Seine Meinung hat er auch in zwei Büchern ausführlich dargelegt. Der „Euro-Islam“ ist für Koçak die Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration, er kämpft für einen „reformierten Islam“ und gegen die islamische Doktrin, nach der sich kein Muslim in eine nicht-islamische Religion fügen dürfe. „Ich bin der Meinung, jeder sollte sein Leben im Rahmen des Grundgesetzes gestalten dürfen, dabei aber die humanistischen Werte unserer Gesellschaft respektieren“, sagt er im Gespräch mit dem Kreisblatt.

 

„Fühle mich integriert“

 

Seit vier Jahren ist Hüseyin Koçak Mitglied in der CDU. Weniger, um Politik zu machen, vielmehr um die Integration anzuschieben, die für den Aleviten, der in Eschwege geboren ist, zur Herzensangelegenheit geworden ist. Sein Vater gehörte 1962 zu den ersten Gastarbeitern. Er brach sein Studium in der Türkei ab, um in Deutschland Geld zu verdienen und dann wieder zurückzukehren. Für Hüseyin Koçak ist Deutschland seine Heimat geworden, er hat einen deutschen Pass. „Ich fühle mich integriert“, sagt er. Mit seiner Frau, ebenfalls Kind türkischer Migranten, war er sich sofort einig, dass ihre Töchter die deutsche Staatsangehörigkeit bekommen.

Ehrenamtlich möchte sich Kocak hier in der Region für die Integration der Flüchtlinge einbringen. Bedingt durch die weltweiten Krisengebiete werde die Aufnahme von Asylbewerbern die nächsten Jahre ein wichtiges Thema bleiben. Vor allem für den reichen Main-Taunus-Kreis, der, so rechnet Koçak, in Zukunft möglicherweise mehr Flüchtlinge als die finanzschwachen Kreise aufnehmen wird.

Die Flüchtlinge seien „Menschen mit gebrochenen Herzen“, „Menschen, die verletzt sind“, manche kämen mit traumatischen Erlebnissen hierher, auch die Kinder, die ebenfalls grausame Beobachtungen in Kriegsgebieten zu verarbeiten hätten, meint Koçak. Viele seien traumatisiert, einige bräuchten sicherlich psychologische Betreuung, die auch ehrenamtlich zu leisten sei, fordert er das Engagement von freiwilligen Helfern ein. Die meisten Asylbewerber würden davon träumen, hier ein neues Leben aufzubauen. Deshalb dürften die Unterkünfte, wie sie in Flörsheim oder Kriftel existieren, nur Übergangsquartiere sein, erklärt Koçak. Das ist aber nichts Neues. Die Unterkünfte werden nicht als Dauerwohnungen zur Verfügung gestellt.

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