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Gesundheit: Arzt und Therapeut Peter A. Schult spricht über Burn Out

Wann ist es wirklich ein Burn Out? Welche Symptome gibt es, und was kann man dagegen tun? All diese Fragen beantwortete der Allgemeinmediziner und Psychotherapeut Dr. Peter A. Schult am Dienstagabend bei seinem Vortrag im Gemeindezentrum von St. Josef.
Dr. Peter A. Schult spricht  im Gemeindezentrum von St. Josef zum Thema Burn Out. Dr. Peter A. Schult spricht im Gemeindezentrum von St. Josef zum Thema Burn Out.
Rüsselsheim. 

Der älteste Burn-Out-Fall finde sich bereits in der Bibel, sagt Peter A. Schult. Im 1. Buch der Könige, Kapitel 19, sei von einem Elia die Rede. „Elia ist erschöpft. Er ist frustriert und stürzt fast ab, weil die Anforderungen an ihn zu groß sind.“ Mit dieser Geschichte beginnt der Allgemeinmediziner und Psychotherapeut am Dienstagabend im Gemeindezentrum von St. Josef seinen Vortrag zum Thema Burn Out.

Schult gibt weitere Beispiele bekannter Personen, die an dem Syndrom leiden oder gelitten haben: „Oliver Kahn, Sven Hannawald und noch einige prominente Menschen mehr hatten einen Burn Out. Insgesamt sind aktuell 300 000 Menschen von dieser Erkrankung betroffen“, berichtet er. Der Burn Out selbst sei keine Diagnose, er sei eine Sammlung gemeinsam auftretender Symptome. „Was bedeutet das Ausgebrannt-Sein?“, fragt der Arzt rhetorisch. Es sei ein Zustand, der sich in vier Bereichen zeigt: im Körper, im Geist, in der Seele und im Sozialverhalten.

„Es kann dabei zu körperlichen Symptomen wie Verspannungen, Verdauungsproblemen oder Schlafstörungen kommen. Im Geist zeigen sich oft eine geringe Belastbarkeit und eine Entscheidungsschwäche“, erklärt Schult. In der Seele schwinde das Selbstvertrauen, und oft mache sich eine „Null-Bock-Stimmung“ breit. Im vierten Bereich, dem Sozialverhalten, ziehe sich eine betroffene Person oft zurück, habe wenig Kontakt zu anderen.

Lösung in Süchten

Oft beginne ein Burn Out damit, dass ein Mensch wenig Rücksicht auf sich selbst nehme. „Viele Betroffene suchen dann eine Lösung im Alkohol oder in anderen Süchten“, stellt der Experte fest. Häufig gehe ein Burn Out mit einer Depression oder Angststörung einher.

Peter A. Schult warnt aber auch: „Nicht bei jedem Menschen, der denkt, er leide unter einem Burn Out, ist das auch der Fall.“ Dann plaudert der Psychotherapeut ein wenig aus seinem Praxisalltag: „Ich hatte einen Patienten, den fand ich unglaublich langweilig und habe mich gefragt, wie der Arbeitgeber diese Person schultern kann. Er dachte, er leide unter einem Burn Out. Es stellte sich heraus, dass eine Depressions-Problematik vorliegt.“

Es gebe einen bestimmten Typ Mensch, der für eine Burn-Out-Symptomatik besonders anfällig ist, stellt Schult fest: „Oft sind dies Personen, die unter Versagensängsten leiden, ihre Rolle in der Firma nicht abgeben wollen, nach Anerkennung und Beachtung streben und selten bis nie Nein sagen, wenn ihnen mehr und mehr Aufgaben und Verantwortung aufgebürdet werden.“

Was kann getan werden?

Was kann getan werden, wenn eine Erkrankung besteht? „Am besten ist es, eine Reha-Maßnahme einzuleiten. Die Menschen müssen wieder in die Lage gebracht werden, ihr Leben zu hinterfragen und einen Schritt zurückzutreten, um sich Freiräume zu schaffen. Bei einem akuten Burn Out sind viele dazu nicht mehr fähig.“ Man könne nicht voraussagen, wie lange es dauert, bis sich die Burn-Out-Symptomatik wieder bessert. Das sei individuell verschieden, weiß Schult.

Es gebe jedoch einige Maßnahmen, um der Erkrankung vorzubeugen. Schult erklärt: „Es ist wichtig, dass die innere Balance bestehen bleibt. Die Seele muss zur Ruhe kommen und der Mensch muss abschalten können. Zudem sollte man eine positive Einstellung zu dem haben, was man macht. Wenn man sich tagtäglich zu etwas quälen muss, ist ein Burn Out fast programmiert.“

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