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Fußball-EM: „Bloß nicht gegen die Deutschen!“

Sorry, nein, zu Hause auf der Couch die EM gucken, das kommt für die Engländer in Nauheim nicht in Frage. Sie schlüpfen kurzerhand in Trikots mit den drei Löwen und ziehen zum „Public Viewing“ in ihrer Wahlgemeinde.
<span></span> Bilder > Foto: Rainer Beutel
Nauheim. 

Am liebsten treffen sich die eingefleischten englischen Fußballfans, die in Nauheim leben, in einer Kneipe, die die Spiele live überträgt. So kennen sie es von ihren Pubs zu Hause, und so war es auch am Samstagabend beim ersten Auftreten ihrer Mannschaft gegen die Russen (1:1).

Calvin Wild stammt aus Manchester. In Deutschland lebt er schon seit 26 Jahren. In Nauheim und Umgebung hat er viele Freunde, privat spielt er in der Rockband „Grey Wacky Jones“ Gitarre. Er ist es also gewöhnt, vor Publikum aufzutreten, er sucht geradezu die Geselligkeit. So pflegt er es auch beim Fußball. Als Fan der „Citizens“ aus seiner Heimatstadt ist es für ihn genauso selbstverständlich wie für Lewis Townsend mit seinen beiden Söhnen Paul und Arran, die Europameisterschaft inmitten anderer Fans zu schauen. Die englischen Fußballanhänger sind dann leicht auszumachen in ihren überwiegend weißen Trikots mit den „Three Lions“ auf der Brust oder dem Schriftzug „England“ darauf. So war es auch am Samstagmittag beim Aufwärmen im Atrium. Das Daumendrücken für ihre Heimat eint sie. Wie bei uns gehen die Meinungen, wer im Mutterland des Fußballs das beste Team stellt, etwas auseinander. Während Calvin Wild ganz sicher ist, dass Manchester City mit dem neuen Trainer Pep Guardiola die Champions League gewinne und in Arran Townsend einen Mitstreiter findet, drücken dessen Vater Lewis und Bruder Paul den in Deutschland weniger bekannten Kickern von West Bromwich Albion die Daumen. Wie es dazu kommt? Ganz einfach, erklären sie, die „Baggies“ gehören zum Umfeld von Birmingham, wo Lewis Townsend geboren ist.

Freche, aber niemals böse gemeinte Frotzeleien untereinander sind bei ihnen in Sachen Fußball normal. Mark Gatsby schließt sich da nicht aus, denn als Liverpooler ist ja klar, wem er die Daumen drückt – den „Reds“ aus seiner Heimatstadt. Und Liverpool liefert prompt ein Stichwort.

Aus Liverpool stammt der alternde Star der englischen Nationalmannschaft, Wayne Rooney, der für Manchester United stürmt. Bei ihm sind sich die Engländer schnell einig: Den sollte ihr Team eigentlich nicht aufbieten. Er sei schon zu alt und wirke nicht fit. Es gebe Jüngere, die aber nicht zum Zuge kämen, weil Rooney, Englands Rekordtorschütze mit 51 Treffern, irgendwie gute Karten beim Trainer habe, aber „nie was gebracht hat, wenn es ernst wurde“. „Wir haben Bessere“, betonen sie. Und überhaupt: Wer ist Manchester United?

Vor dem Spiel gegen Russland, das die Engländer am Samstag durch den Ausgleichstreffer in der letzten Minute der Nachspielzeit aus der Hand gaben, waren die fünf englischen Fans ziemlich zuversichtlich, dass England es bei der EM weit bringe, mindestens bis ins Halbfinale. Dass der letzte internationale Erfolg der „Three Lions“ im Fußball ein halbes Jahrhundert her ist und ein umstrittenes Tor in Wembley 1966 gegen die Deutschen den Ausschlag gab, verschweigen sie lieber schamhaft. Kritisch werde es aber bei bestimmten Gegnern. Die uralte Rivalität gegen Frankreich sei weniger dramatisch. Vielmehr wollen sie eines nicht: Ein K.o.-Spiel gegen die Deutschen.

 

Zum guten deutschen

 

Bier fehlen Fish & Chips

 

In Nauheim fühlen sie sich allesamt wohl und bestens integriert. Sie schätzen die Deutschen und greifen, wie beim ersten Spiel ihres Teams, auch gerne zum deutschen Bier. Doch sie sind sich auch fast sicher, dass das Ausscheiden für die Engländer programmiert sei, wenn es gegen das Team von Jogi Löw gehen sollte. „Oh, no“, stöhnen sie schon jetzt. Ob das so eintritt, ist noch völlig offen. Fest steht aber, dass die Engländer auch die nächsten Spiele in Nauheim gemeinsam schauen. Dabei vermissen sie nur eines,sagen sie: „Fish and Chips“.

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