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Gericht: Ein Prozess um einen angeblichen sexuellen Missbrauch endet mit einem Freispruch

Von Ein 57-Jähriger war bereits wegen sexuellen Missbrauchs an einer Zwölfjährigen verurteilt worden. Nun sprach das Landgericht Darmstadt den Mann im Berufungsverfahren frei. Er habe die Jugendliche zwar gefragt, ob sie mit ihm schlafen wolle, aber sexuelle Übergriffe habe es nicht gegeben, so die Richter.
Justitia entscheidet: Der 57-Jährige  wird vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen. Foto: Volker Hartmann (dpa) Justitia entscheidet: Der 57-Jährige wird vom Vorwurf des sexuellen Missbrauchs freigesprochen.
KREIS GROSS-GERAU. 

„Was sie gemacht haben, war unangemessen und unmoralisch – aber nicht strafbar“, so das Fazit des Vorsitzenden Richters Martin Röszler vor der 17. Strafkammer am Landgericht Darmstadt zu dem Fall des 57-Jährigen. Der Kickboxtrainer war vom Jugendgericht in Groß-Gerau am 9. April wegen sexuellen Missbrauchs eines zwölfjährigen Mädchens zu einer Geldstrafe von 5000 Euro verurteilt worden. Jetzt wurde er aufgrund seiner Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil von der 17. Kleinen Strafkammer des Landgerichts von diesem Vorwurf freigesprochen.

Angeklagt worden war der Trainer auf eine Anzeige des Vaters der inzwischen 14-Jährigen hin. Ihrem Vater hatte das Mädchen mutmaßlich erzählt, der Trainer habe sie vor einer Übungsstunde gefragt, ob sie noch Jungfrau sei. Denn „dann können wir ja mal miteinander schlafen“, habe er gesagt. Selbst ob es diese Ansprache gegeben hat, wurde vor der 17. Berufungskammer in Darmstadt nicht abschließend geklärt. Das Mädchen hatte vor der Jugendrichterin behauptet, der 57-Jährige, der inzwischen seine Eigentumswohnung in dem Ort verkauft hat, habe sie vor dem sportlichen Training in ein fensterloses Nebenzimmer der Turnhalle gerufen. Dort sei es zu der Frage gekommen und dazu, dass der erfahrene Sporttrainer ihr an die Brüste gefasst habe.

Verwerfliche Frage

Der Beschuldigte bestritt dies vehement. Er habe der Zwölfjährigen, wie anderen Schülerinnen seiner Gruppe auch, gezeigt, wie sie den speziellen Brustschutz für Mädchen anlegen müssten. Dies sei aber auf dem T-Shirt erfolgt. Direkte körperliche Berührungen habe es nicht gegeben.

Die inzwischen 14-Jährige, elegant gestylt, räumte vor Richter Martin Röszler bei eingehender Vernehmung unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein, dass es die Frage nach der Jungfräulichkeit gegeben habe. Aber sie sei davon ausgegangen, dass er bei einem „Ja“ ihrerseits irgendwann eine Einladung an sie ausgesprochen haben würde, ihn zu Hause zu besuchen. Dass hätte sie aber bestimmt nicht gewollt. Von Anfassen oder gar Streicheln ihrer Brüste war jetzt nicht mehr die Rede. Weshalb in seinem Plädoyer Verteidiger Peter Wadle den Freispruch seines Mandanten forderte.

Wadle war sich mit der Staatsanwaltschaft einig, dass es sicher moralisch verwerflich sei, einer Zwölfjährigen das Angebot zu machen, mit einem so viel älteren Mann zu schlafen. Aber weil diese Frage juristisch nur als „abstrakte Vorbereitungshandlung“ zu werten sei, müsse sein Mandant freigesprochen und das Groß-Gerauer Urteil wegen sexuellen Missbrauchs eines Kindes aufgehoben werden.

Ruf ruiniert

Gänzlich anders hätte das Urteil ausgesehen, hätte der Kickboxtrainer, der auch schon Europa- und Weltmeister trainiert hat, das Mädchen an den Brüsten gestreichelt. Dass wäre, so das Gericht, eine sexuelle Nötigung gewesen. Und die sei, so Vorsitzender Richter Martin Röszler, mit Gefängnis zu bestrafen.

Ob es zudem einen handfesten Streit in dem Verein, in dem das Mädchen trainierte, gab, bleibt offen. Der 57-Jährige hatte sich laut Zeugenvernehmung offenbar mit einem anderen Trainer verkracht, dem sich das Mädchen angeblich anvertraut hatte. Doch die Aussagen dieses Zeugen blieben ebenso vage, wie die des Vaters der 14-Jährigen.

Der freigesprochene 57-jährige Kickboxtrainer beklagte, dass nach 50 Jahren, die er in dem Ort im Kreis Groß-Gerau nun schon wohnt, jetzt auf der Straße niemand mehr mit ihm sprechen würde. Sein Ruf, auch als Trainer, sei ruiniert, sagte er.

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