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Engagierte Familie: Im Viererpack für das Ehrenamt

Die Familie Saul/Binder brennt für ihre Vereine, für das ehrenamtliche Engagement. Eltern und Kinder berichten, was sie umtreibt und wie das Familienleben noch funktioniert.
Eine Familie steht für das Ehrenamt: Manuela Binder, Sabrina und Sonja, Klaus Saul (von links). Eine Familie steht für das Ehrenamt: Manuela Binder, Sabrina und Sonja, Klaus Saul (von links).
RAUNHEIM. 

Klaus Saul ist der neue Vorsitzende des Heimatvereins. Seine Frau Manuela Binder ist Vorsitzende des Turn- und Sportvereins. Beisitzerin im Vorstand der Badmintonabteilung des Turn- und Sportvereins ist Tochter Sabrina. Ihre Schwester Sonja ist noch zu jung, um im Vorstand mitarbeiten zu dürfen. Gleichwohl hilft sie, wo es nötig und erlaubt ist.

Eine Familie, die sich dem Ehrenamt verpflichtet sieht. Verpflichtet ist indessen nicht ganz zutreffend, denn die vier machen das freiwillig.

In Zeiten des zurückgehenden ehrenamtlichen Engagements sticht die Familie mit dem 57-jährigen Vater, der 49-jährigen Mutter und den beiden 16- und 14-jährigen Töchtern heraus. Während sich andere zieren und sträuben, unterstützt hier gleich ein Viererpack die Vereine.

Und das durchaus auch mal vereinsübergreifend. Weil beim Ranglistenturnier des Hessischen Badmintonverbands in Raunheim die Salate ausgegangen waren, schnappte sich Klaus Saul zu Hause schnell Messer und Brett und bereitete Nachschub zu. Seine Töchter waren am Abend zuvor schon in der Küche aktiv, um für die Verpflegung zu sorgen.

In Kontakt kommen

„Ich finde es wichtig, sich zu engagieren“, sagt Sabrina, im lässigen Hard-Rock-Cafe-T-Shirt. Dass sie beim Ehrenamt auch mit anderen Menschen in Kontakt kommt, ist ihr ein weiterer Anreiz für die Hilfe bei der Vereinsarbeit.

„Ich darf noch nicht, aber ich will“, erzählt Sonja. Die Vollendung des 16. Lebensjahres ist Voraussetzung für die Mitarbeit im Abteilungsvorstand, die Volljährigkeit ist für den Vorsitz notwendig. Diese Vorgaben halten das Mädchen aber nicht davon ab, dennoch mit anzupacken. Sie organisiert gerne und will mit anderen etwas auf die Beine stellen.

Manuela Binder war bereits an ihrem früheren Wohnort in Frankfurt ehrenamtlich unterwegs. Sie war beim 1. Frankfurter Badminton Club Vorsitzende, bis sie 1997 nach Raunheim zog. „Wenn man sieht, dass etwas nicht funktioniert, dass etwas scheitert, muss einer sagen, wie etwas gemacht wird. Ich bin eine von ihnen“, sagt sie. Geschmeidiger ausgedrückt, bedeutet dies, dass sie bei Problemen helfen und unterstützen möchte. So landete sie auch beim Vorstand des TSV. Die Mutter las in der Zeitung über das Problem des Vereins, einen Vorsitzenden zu finden.

Klaus Saul fühlt sich eigentlich gar nicht als Vereinsmensch, wenngleich er neben dem Vorsitz des Heimatvereins auch Mannschaftsführer der zweiten Pistolenmannschaft der Sport-Schützengesellschaft Tell ist. „Manchmal fehlt es an Kleinigkeiten, manchmal brauchen die Leute einen Vorbeter“, meint er.

Das Familienleben schrumpft bei so viel Engagement allerdings reichlich zusammen, wie alle vier einräumen. Training, Wettkämpfe, Turniere, Vorstandssitzungen und Veranstaltungen fressen die Zeit auf, die sie gemeinsam verbringen könnten.

„Die Zweisamkeit ging ja schon mit der Geburt der Kinder verloren“, nimmt es Manuela Binder mit Humor. Und überhaupt, keiner möchte davon reden, dass das Familienleben unter dem Engagement leidet. „Manchmal kommt es auch vor, dass wir am Abend zusammensitzen und jeder seine
E-Mails schreibt“, skizziert sie das moderne Familienleben im Internet- und Smartphone-Zeitalter.

Das Internet trägt sogar dazu bei, dass die Familie mehr Zeit hat. Denn man muss eben bei Vereinsangelegenheiten nicht ständig aus dem Haus oder telefonieren, sondern tauscht sich mal eben schnell über das Netz oder die Nachrichtendienste aus.

Viel Gesprächsstoff

Das Engagement sorgt zudem für Gesprächsstoff. Die Familie erzählt sich von ihren Aufgaben und Erlebnissen. Das Engagement fördere vielleicht sogar die Kommunikation, sagt Binder.

Warum teilen denn andere Menschen nicht diese Einstellung? Klaus Saul findet, dass die ehrenamtliche Arbeit im Vorstand überfrachtet ist mit Bürokratie. „Das schreckt ab“, vermutet er. Außerdem sei der Mensch inzwischen sehr konsumorientiert.

Manuela Binder gibt zu bedenken, dass die Vorbilder schwinden. Seien die Eltern nicht aktiv, nehmen die Kinder ehrenamtliches Engagement einfach nicht wahr. Eben nicht so, wie es in der Familie Saul/Binder ist.

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