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Fachtagung: Inklusion gilt auch für die Kunst

Teilhabe ist bei körperlichem und geistigem Handicap längst nicht immer gegeben: Eine Fachtagung im Stadtmuseum hatte das Ziel, kognitiv eingeschränkte Menschen verstärkt mitzunehmen.
Hochinteressiert an Zugängen zum Museum: Tagungsteilnehmer Steffen Walther von den Werkstätten für Behinderte (WfB) und Klient Antonio Barrera-Lara Hochinteressiert an Zugängen zum Museum: Tagungsteilnehmer Steffen Walther von den Werkstätten für Behinderte (WfB) und Klient Antonio Barrera-Lara
Rüsselsheim. 

Die Fachtagung über kreative Zugänge zum Museum für Menschen mit kognitiven Einschränkungen – griffiges Motto: „Mittendrin“ – fand beachtliche Resonanz: Bärbel Maul, Leiterin des Stadt-und Industriemuseums, begrüßte am Montag 88 Fachleute der Museums-und Sonderpädagogik, denen das Thema sichtlich am Herzen lag.

Federführend organisiert von Cornelia Röhlke, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Museum, war es in Kooperation mit den Werkstätten für Behinderte (WfB) gelungen, kundige Referenten und Workshopleiter aus ganz Deutschland für die Fachtagung zu gewinnen, sowie Teilnehmer zur eventuell längeren Anreise zu motivieren – so auch Sieglinde Merz, Leiterin des Stadtmuseums Tübingen. „Das Angebot interessiert mich außerordentlich“, sagte sie und zückte den Stift, um zu notieren, was Professor Bernhard Graf, Leiter des Instituts für Museumsforschung aus Berlin auf dem Podium zu sagen hatte.

Museum als sozialer Ort

Graf stellte das Museum als einen sozialen Ort zwischen Museumspädagogik und Sozialarbeit vor. „Museen gewinnen ihre Bedeutung immer im Dialog mit der Gesellschaft“, betonte Bernhard Graf. Inklusion als gesellschaftliches Thema sei natürlich auch Thema der Museumsarbeit – und dies nicht erst seit gestern, so Graf:

„Schon in den sechziger Jahren wurde in der Kultusministerkonferenz der Ruf nach mehr kultureller Bildung an Schulen laut, 1969 folgte dann die Empfehlung eines Bildungsauftrages an die Museen. 1979 gab es aus der Feder des Frankfurter Kulturdezernenten ein erstes Manifest für Museumskultur, das der Museumspädagogik einen gehörigen Schub gab“, skizzierte Graf den langen Weg zur Teilhabe aller, der längst nicht zu Ende sei. „Gefordert sind Mut und Empathie“, sagte Graf.

Das neue Stichwort heiße „Diversität“. Bernhard Graf: „Wo bisher die Museumschefs bestimmt haben, geht die Frage jetzt ans Publikum: Was kommt von außen? Was wollen sie?“ Und damit hatte er den notwendigen Blickwechsel hin zu einer Museumsarbeit auf Augenhöhe mit den Besuchern sowie die empathische Einbeziehung aller, bestens umschrieben. „Partizipative Zugänge“, „Biografiearbeit mit geistig Beeinträchtigten“ oder „Inklusion mit allen Sinnen“ lauteten Workshop-Themen in Kleingruppenarbeit.

Sprachliche Hürden

Im Publikum saßen auch Steffen Walther, Pressereferent der WfB, und WfB-Klient Antonio Barrera-Lara: Der Mann, der körperlich sowie kognitiv gehandicapt und auf einen Rollstuhl angewiesen ist, verstand ganz sicher nicht jede Gedankenkette der klugen Reden, die auf dem Podium gehalten wurden. Dies erinnerte an einen dringlichen Aspekt, den Inklusion voraussetzt: Die Verständlichkeit der Sprache, die Anpassung des sprachlichen Ausdrucks an die Fähigkeiten des dessen, den es zu erreichen gilt. „Leichte Sprache“ war daher ebenfalls Workshopthema.

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