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Forst in Raunheim: Naherholung im Wald hat weiterhin Priorität

Forstservice Taunus ist der neue Dienstleister der Stadt für den Wald. Er erfindet das Rad nicht neu, hat aber auch einige Ideen.
Die Buche, an der Frank Zabel (links) steht, ist schon markiert. Sie wird herausgenommen, um die Ulme, mit Oliver Burghardt, zu fördern. Die Buche, an der Frank Zabel (links) steht, ist schon markiert. Sie wird herausgenommen, um die Ulme, mit Oliver Burghardt, zu fördern.
Raunheim. 

Frank Zabel ist ganz aus dem Häuschen, als sein Mitarbeiter und Revierleiter Oliver Burghardt von den Ulmen berichtet, die entlang der Aschaffenburger Straße Richtung Autobahnüberführung stehen. Denn Ulmen seien inzwischen recht selten, erzählt der Geschäftsführer des Forstservice Taunus.

Burghardt zeigt ihm die Bäume kurzerhand und erklärt bei dem Termin mit dem Echo ganz nebenbei, wie Waldpflege funktioniert. Zwischen zwei Ulmen hatte sich eine Buche gedrängt. Diese wird sich mit ihrer größeren Krone breit machen und den Ulmen das Licht stibitzen. Deshalb will Burghardt die Buche herausnehmen, um die Ulme zu fördern.

Holz vermarkten

Eine Schneise nördlich weiter liegen am Wegesrand etliche gefällte Kiefern. Sie standen nahe der Autobahn, waren zu trocken und drohten auf die Fahrbahn zu stürzen. Wegen der Verkehrssicherheit nahm Burghardt diese Bäume heraus. Die Kiefern werden vermarktet. Hochwertiges Holz sind diese krummen Stämme nicht. „Sie haben Palettenqualität“, stellt Zabel fest.

Forstservice Taunus aus Niederselters bewirtschaftet seit Anfang des Jahres den Wald der neuen Forstbetriebsgemeinschaft Raunheim, Rüsselsheim, Büttelborn und Groß-Gerau. Zuvor war Hessen Forst verantwortlich für den Raunheimer Wald. Dessen Bewirtschaftung werde sich jedoch wegen einer möglichen Monopolstellung des Landesbetriebes aus rechtlicher Sicht nicht halten lassen, hatte Jühe vor der Aufkündigung gesagt. Außerdem hatte er auf eine Verbesserung der Vermarktung gehofft. Für die gleiche Holzmenge sollten höhere Einnahmen erreicht werden.

Bei der Stadtverordnetenversammlung hatte er jetzt einen ersten Erfolg verkündet. Der wirtschaftliche Ertrag sei gesteigert worden. Bisher seien für die Forstbetriebsgemeinschaft bereits 72 000 Euro erwirtschaftet worden.

Zabel will das alles nicht überbewerten und vor allem auch nicht den Vorgänger in Misskredit bringen. Er misst der Präsentation des Holzes eine große Bedeutung bei der Vermarktung zu. Das geschlagene Holz werde in verschiedene Güteklassen eingeteilt und angeboten. Ein höherer Ertrag lasse sich durchaus erzielen, wenn einem einzelnen Kunden nicht das gesamte Holz mit seinen verschiedenen Güteklassen verkauft werde, sondern verschiedenen Kunden unterschiedliche Qualitäten.

Der Einschlagplan des Forsteinrichtungswerkes, der mittelfristigen Planung des Forstbetriebes für den Zeitraum 2015 bis 2024, werde nicht geändert, sagt Zabel. Die zu schlagende Holzmasse bleibe gleich. Bei Bedarf wolle er aber flexibel auf den Plan reagieren.

„Wir machen das, was alle anderen auch machen“, meint Zabel. Das bedeutet Holzeinschlag und Holzvermarktung, aber auch die Pflege des Naherholungswaldes, der in Raunheim weiterhin eine zentrale Rolle spielt, und des Schutzwaldes.

Dem Raunheimer Wald bescheinigt Zabel einen guten, recht vitalen Zustand. Die Baumarten seien vom Boden abhängig, hier handelt es sich um einen nährstoffarmen und sandigen Boden. Deshalb ist die Kiefer mit einem Anteil von 59,9 Prozent sehr stark vertreten, gefolgt von der Buche (19,3 Prozent) und der Eiche (18 Prozent), die auf diesem Boden gut wachsen. Die Kiefer soll ihre Dominanz an die Eichen und andere Laubbäume verlieren. „Eichen haben das wertvollere Holz“, weiß Zabel.

Langer Prozess

Der Wechsel der Baumarten sei ein langer Prozess. Zabel setzt auf Naturverjüngung. Es wird kein Kahlschlag geben, vielmehr werden einzelne Bäume herausgenommen, an deren Stellen dann durch angeflogene oder aufgeschlagene Samen Laubbäume nachwachsen sollen.

Gleichwohl möchte er eine gesunde Mischung der Baumarten erhalten, um auch auf den Holzmarkt reagieren zu können.

Zabel will die für den Holzschlag markierten Bäume kartieren und die Karten den Waldbesitzern übergeben. Er plant, eng mit den Waldbesitzern
zusammenzuarbeiten und
sieht sich als ihren verlängerten Arm.

Auf die Ausschreibung hatte er sich übrigens mit seinem Unternehmen beworben, weil es ihn reizte, eine nichtländliche Kommune zu betreuen, bei der eher die Naherholung als die wirtschaftliche Nutzung im Vordergrund stehe.

„Der Wald ist klasse“, findet denn auch Burghardt positive Worte über sein Einsatzgebiet, dass er seit einem halben Jahr täglich betreut. Von Heideflächen bis zu Mooren sei alles zu finden, beschreibt er den Wald der Forstbetriebsgemeinschaft. Im Raunheimer Wald begeistern ihn die abwechslungsreichen Baumarten unter denen auch Edellaubhölzer wie Ahorn, Esche und eben die Ulme zu finden seien.

Um dann auf den Aspekt Naherholung einzugehen. Mit der Umweltbeauftragten der Stadt, Karin Jechimer, will er die Standtafeln des Waldlehrpfades aufmöbeln. Dies sei zumindest ein Gedankenspiel. Eine weitere Idee sei es, die Schilder mit den Namen der Schneisen zu erneuern.

Er hält es auch für notwendig, vorhandene Bänke auszubessern. Es sei den Leuten wichtig, sich hinsetzen zu können, wenn sie spazieren gehen, sagt er.

Die dritte Funktion des Waldes, die Schutzfunktion, stelle sich von selbst ein, wenn der Wald nachhaltig gepflegt werde. Lärm-, Boden- und Emissionsschutz seien gegeben, wenn Bäume stehen und nachwachsen und nicht mehr Holz eingeschlagen wird als nachwächst, erklärt Zabel.

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