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Kleine und große Freuden und Dramen: Schultheater: Auf der ganz großen Bühne

Die Schultheaterwandertage bedeuten für die zehn teilnehmenden Schulen jede Menge konzentrierte Proben sowie große Aufregung, bevor es endlich auf die Theaterbühne geht. Da gibt es Licht- und Schattenseiten auf und hinter der Bühne.
Sie quaken laut und stehen stolz in Reihe eins: Kinder im Singspiel der Grundschule Königstädten auf der Theaterbühne. Bilder > Sie quaken laut und stehen stolz in Reihe eins: Kinder im Singspiel der Grundschule Königstädten auf der Theaterbühne.
Rüsselsheim. 

Ein kurzer Blick ins Programmheft: Welche Schule ist im zehnteiligen Stückemarathon der Schultheaterwandertage dran? Aha, die Grundschule Königstädten. Noch bis heute (19. Mai) betreten Schüler verschiedenster Altersgruppen die große Theaterbühne.

Jetzt wuseln die Königstädter Grundschüler aufgeregt treppauf, suchen nach den ihnen zugewiesenen Plätzen im eindrucksvollen Theatersaal. Begleitet von Lehrerinnen sowie gespannten Eltern und Großeltern wollen sie dabei sein, wenn rund hundert ihrer Mitschüler auf der Bühne stehen. „Eule findet den Beat“ heißt das Musical, das Lehrerin Waltraud Lautz mit ihnen einstudiert hat.

Doch, halt: Warum steht inmitten der Vorfreude ein Mädchen weinend in der Ecke des Foyers? Es schluchzt und schnieft. Gefragt, was los sei, sagt sie: „Ich will nach Hause.“ Ein „kleines Drama“ spielt sich hinter der Bühne ab. Eine Lehrerin beendet es, indem sie das Mädchen, das aufgrund eines heftigen Zankes reglementiert worden war, zurück in den Saal holt. Aufgrund des Vorfalls stellt sich jenseits des munteren Kindergesangs und des perfekten Sprechchors auf der Bühne doch Nachdenklichkeit ein: Wie viel Aufregung, Herzklopfen, Unruhe wohl für all die kleinen Darsteller und auch für jene, die vielleicht erstmals im großen Theater Gast sind, hinter den Schultheaterwandertagen stecken mag? Da kann es vorkommen, dass man seinen kostbaren Sitzplatz rigoros verteidigt – oder auch, dass man als Darsteller in hinterster Reihe auf der Bühne plötzlich doch Langeweile verspürt.

Nicht jeder steht vorn

Das Singspiel mit den Sprechchören, die den Eulenflug über Rüsselsheim thematisieren und dabei markante Stätten imponierend beschreiben, dauert eine gute Weile. Aber nicht jedes Kind hat eine vordere Rolle. Da wird also herzhaft gegähnt, da zupft ein Mädel das andere am Röckchen und es wird mit der Freundin getuschelt.

Freilich, was Lehrerin Waltraud Lautz mit den Grundschülern auf die Bühne bringt, verdient Respekt: Lustige Lieder – mal poppig, mal klassisch oder jazzig – haben alle aus dem Effeff gelernt. Kein Patzer unterläuft diesen niedlichen Eulen, Fröschen, Schmetterlingen, Punk-Katzen und Mäusen. Das Publikum zollt großen Beifall. Wer aber den Hals gereckt und Blicke in die hinteren Reihen getan hat, der vermisst doch eine Prise leichtlebigen Kinderglücks, eine vielleicht nicht fehlerfreie Munterkeit, die jeden mitnimmt – auch das bezopfte Mädchen, das ein Gähnen nicht zurückhalten konnte. Immerhin: Die kleine Zuschauerin weint nicht mehr. Wenn sie auch abseits der anderen sitzt.

Doch genug von den „kleinen Dramen“ im Hintergrund des Bühnengeschehens: Ein eindrucksvolles Dramenfragment von Georg Büchner hat sich die Theater-AG der Gustav-Heinemann-Schule (GHS) vorgenommen. Die jungen Darstellerinnen – Daniela Müller, Anahit Melkonyan und Aysu Akifoglu – markieren damit heute (Freitag, 19 Uhr) das Finale der Schultheaterwandertage. Und man darf gespannt sein: „Statt Woyzeck – Marie“ nennt die Gruppe „Semidefekt“ ihre Adaption des Stücks „Woyzeck“, das rückblickend aus der Perspektive der vom eifersüchtigen Woyzeck getöteten Marie erzählt wird.

Raum für Experimente

AG-Lehrer Oliver Jung erläutert: „Das Fragmentarische von Büchners Stück gab uns Freiraum zum Experimentieren. Marie trägt ja wesentlich dazu bei, den Soldaten Woyzeck zu destabilisieren, ist also zentrale Figur. Die drei Darstellerinnen übernehmen sämtliche fürs Verständnis notwendige Rollen, und wir verabschieden uns vom Illusionstheater: Rollen- und Kostümwechsel finden vor Publikum statt.“ Der Name der Gruppe – ’Semidefekt’ – sei Hinweis auf den risikofreudigen Umgang mit Zuschauererwartungen. „Wir freuen uns auf unsere Theaterpremiere“, sagt Oliver Jung.

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