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EM 2016: Stade de France: Rückkehr an den Ort der Angst

Echo-Mitarbeiter Marc Schüler war am 13. November 2015 im Stade de France in Saint-Denis, als der Terror die Stadt und die ganze Welt erschütterte. Am Montagabend war er wieder dort. Hier berichtet er, was er derzeit in Frankreich erlebt.
Das Stade de France in Saint-Denis am Montag vor dem EM-Spiel Irland gegen Schweden. Foto: Marc Schüler (Marc Schüler) Das Stade de France in Saint-Denis am Montag vor dem EM-Spiel Irland gegen Schweden.
Paris. 

Ein Kreis schloss sich für mich mit der Partie Irland gegen Schweden. Im Stade de France in Saint-Denis spielten die beiden Mannschaften am Montagabend 1:1, doch dies war eher Nebensache. Wichtiger für mich war das emotionale Zeichen, zurück in dem Stadion zu sein, das auf ewig mit der Terror-Nacht von Paris verbunden sein wird.

Für mich als freier Fotograf und Mitarbeiter des Rüsselsheimer Echos ist die Reise zur Fußball-Europameisterschaft nach Frankreich mit gemischten Gefühlen verbunden. Zum einen freue ich mich auf die Spiele und die Teilnahme an diesem lange erwarteten sportlichen Großereignis. Auf der anderen Seite hatte ich die deutsche Nationalmannschaft am 13. November 2015 nach Paris begleitet, jenem Abend, an dem der Terror das Stadion, die Stadt und die Welt erschütterte.

 

Erinnerungen sind lebendig

 

Gut erinnere ich mich an die Szenen mit in den Innenraum flüchtenden Menschen im Stade de France, als die Gerüchte die Runde machten, es seien noch mal Schüsse gefallen. Bis weit nach Mitternacht harrte ich damals mit vielen Kollegen im Fotografen-Arbeitsraum im Untergeschoss des Stadions aus, ehe wir uns auf die Straßen begaben, wo eine düstere Stimmung herrschte.

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Eine Erinnerung, die sicher am Donnerstag zahlreiche unserer deutschen Nationalspieler teilen werden, wenn sie in eben jenem Stadion im Duell der Gruppe C gegen Polen auflaufen werden.

Übernachtet hatte die DFB-Elf nach der 0:2-Niederlage gegen Frankreich seinerzeit zusammen mit der französischen Mannschaft in den Umkleidekabinen. Auch wenn Bundestrainer Joachim Löw darauf beharrt, dieses Kapitel mit seiner Mannschaft aufgearbeitet zu haben: Spätestens, wenn das Team unter den Tribünen aus dem Mannschaftsbus steigt, werden die Bilder vom vergangenen November wieder hochkommen.

Am Montagnachmittag quälte ich mich zunächst durch das Verkehrschaos am Stade de France und musste erkennen, dass die Verkehrsführung mitnichten so eingerichtet worden war, wie von der UEFA angegeben. Ich versuchte, zu meinem Parkplatz zu kommen und fuhr zu einem der Ordner an einer anderen Parkzone, um nach dem richtigen Weg zu fragen. Und wurde sofort an ein Problem erinnert, das ich bereits im vergangenen November bemängelt hatte. Kein Englisch, kein Deutsch verstehen die eingesetzten Sicherheitskräfte. Wer kein Französisch kann, ist quasi aufgeschmissen. Nur mit Mühe und meinem Schul-Französisch kam ich weiter und stand bald an der richtigen Einfahrt.

Marc Schüler berichtet von der EM in Frankreich. Bild-Zoom
Marc Schüler berichtet von der EM in Frankreich.

Wer als Folge der Anschläge ein hohes Maß an Sicherheitsvorkehrungen erwartet, wird bald eines Besseren belehrt. Zwar sollte ich den Kofferraum öffnen und meine Taschen mit der Kamera-Ausrüstung vorzeigen, doch nach einem oberflächlichen, fast desinteressiert wirkenden Blick des Ordners durfte ich sofort weiterfahren. Auch am Zugang für die Medienvertreter am Stade de France konnte ich nur eine schnelle Kontrolle bemerken. Ohne auch nur einmal richtig angehalten zu werden, marschierte ich mit meiner umgehängten Akkreditierung bis in die Medienarbeitsräume im Inneren des Stadions und hätte theoretisch auch in den Innenraum weiterlaufen können. Wurde bei den Spielen in Lens und Lille noch mein gesamtes Equipment wie am Flughafen durchleuchtet, fand dies im Stade de France, wo am 10. Juli das Finale sein wird, am Montag gar nicht statt. Auch auf das Scannen meiner Akkreditierung, was in den anderen Stadien am Eingang zur Verifizierung der Zugangsberechtigung geschah, wurde komplett verzichtet.

 

Abgetastet im Schnellverfahren

 

Für die Besucher des Spiels waren die Sicherheitsvorkehrungen ebenfalls nicht sehr hoch. Zwar war ein zusätzlicher Kontrollpunkt vor dem eigentlichen Stadionzugang eingerichtet und es standen mehr Ordner dort als im November, doch bekanntlich ersetzt Quantität nicht Qualität. So kamen die Fans nur mit minimaler Verzögerung ins Stadion, meist wurde nur kurz in die mitgeführten Taschen geguckt, abgetastet wurde – wenn überhaupt – im Schnellverfahren.

„Wir hatten mit mehr Kontrollen und Durchsuchungen gerechnet“, sagten auch die drei Iren Ciaran, John und Glenn, die aus einem Vorort von Dublin stammen, ziemlich verwundert. Beim Kauf ihrer nicht günstigen Tickets mussten sie allerhand Angaben machen, da die Eintrittskarten von der UEFA personalisiert ausgegeben wurden – beim Einlass hingegen wollte niemand auch nur einen Personalausweis sehen.

Für die Besucher der Spiele dieser Fußball-Europameisterschaft im Stade de France ist es sicher wünschenswert, schnell und mit wenig Verzögerung die Sicherheitskontrolle zu passieren. Für jemanden, der die Ereignisse im November hautnah miterlebt hat und nun die Diskussionen um Ausschreitungen englischer, russischer und deutscher Hooligans in den EM-Spielorten verfolgt, wirkten diese Maßnahmen eher wie ein Alibi.

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