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Umweltaktivisten: Waldbesetzer nimmt für Protest gegen Flughafen-Ausbau viele Entbehrungen in Kauf

Damit die Bäume bleiben: Umweltaktivisten haben am Flughafen ein Stück Forst besetzt. Einer von ihnen ist Leonhard Bauer. Der Wald ist sein Zuhause geworden – allerdings nicht freiwillig.
Bitterkalt im Wald: Leonhard Bauer legt Holz für das Feuer nach. Bitterkalt im Wald: Leonhard Bauer legt Holz für das Feuer nach.
TREBUR. 

Auf der einen Seite die Bahngleise, auf der anderen die A 5, oben Flieger, die zur Landung auf den Frankfurter Flughafen ansetzen – idyllisch ist anders. Aber den Menschen, die seit Anfang des Jahres im Treburer Oberwald zwischen Walldorf und Zeppelinheim ausharren, geht es auch nicht darum, die Schönheit der Natur zu genießen. Viel mehr wollen sie deren schiere Existenz bewahren. Denn der Wald, den sie besetzen, soll gerodet werden, damit dort ein Autobahnanschluss für das am Flughafen geplante Terminal 3 entstehen kann.

Zwar hat im März eine Schonzeit begonnen, die die Rodung in den nächsten Monaten unmöglich macht. An den langfristigen Plänen von Flughafen-Betreiber Fraport ändert das nichts. Dieser verhandelt aktuell mit dem Noch-Eigentümer, der Gemeinde Trebur, über den Verkauf des Walds.

Bevor der Frühling den Winter verdrängt hat, ist es bitterkalt im Wald. Bei der guten Handvoll Besetzer handelt es sich überwiegend um junge Leute, Studenten und Punks, die anonym bleiben wollen und sich im Camp deshalb Pseudonyme wie „Wiki“ oder „Tatze“ geben.

Leonhard Bauer könnte ihr Vater sein. Mit seinem richtigen Namen hat er kein Problem. Der gelernte Tischler aus Unterfranken trägt Vollbart, die braunen Haare sind zum Dutt gebunden. Selbst direkt an der Feuer-Tonne in der Mitte des Lagers sitzend, trägt Bauer mehrere Kleidungsschichten.

Während des Gesprächs bei einer Tasse heißem Tee steht er immer wieder auf, um Holz nachzulegen. Die Bewegung hilft ihm zusätzlich, um halbwegs warm zu bleiben. In der Nacht ist die Kälte in sein auf dem Waldboden aufgeschlagenes Zelt gekrochen. Im Moment kann er nicht wie die anderen Aktivisten auf den Protest-Plattformen auf den Bäumen schlafen, die sie oben an den Stämmen angebracht haben. Schuld ist ein verletzter Zeh, der ihn am Klettern hindert.

Vor zehn Jahren war Bauer bereits bei einer Waldbesetzung in Kelsterbach mit von der Partie, damals gegen den Bau der Nordwest-Landebahn. Davor besetzte er schon Felder, auf den genetisch verändertes Gemüse angebaut wurde. Bauers Mutter ist bereits tot, das Verhältnis zu seinem Vater habe unter dem Engagement stark gelitten. Das Elternhaus bei Würzburg dürfe er nicht mehr betreten. „Als ich meinen Vater das letzte Mal gesehen habe, hat er mir nur gesagt, ich soll endlich Geld heranschaffen“, erzählt Bauer.

Kein Geld, keine Bleibe

Doch genau das ist das Problem: Bauer hat weder Geld, noch eine Wohnung. Seine letzte Arbeit als Hausmeister habe er verloren, nachdem er sich mit dem Chef überworfen habe. Sein Versuch, sich von den Behörden als freischaffender Umweltaktivist anerkennen zu lassen, sei gescheitert. Sich wohnungslos zu melden, lehnt er ab, weil er so die Ansprüche auf das Haus seines Vaters verliere.

Nachdem er sich am Zeh verletzt hatte, durfte er zwei Wochen bei linken Politikern in einer Bibliothek schlafen. Seit er zurück im Wald ist, demonstriert er weiter gegen den Flughafen-Ausbau. Dass er seinen Protest dauerhaft kaum aufrecht erhalten kann, ohne zwischendurch auch zu arbeiten, ist Bauer bewusst. Deshalb sucht er jetzt dringend nach einer Stelle – am besten wäre eine saisonale Tätigkeit, damit er immer wieder in den Wald zurück kann.

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