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Techniker für Licht und Ton: Burgfestspiele: Till Helfrich sorgt nicht nur für den guten Ton

Von Licht und Ton sind nicht das erste, auf das die Besucher der Burgfestspiele achten. Doch das ist Till Helfrich, dem Experten für Licht und Sound, nur recht. Denn erst wenn die Atmosphäre des Stückes so stimmig ist, ohne dass diverse technische Korrekturen auffallen, hat er seinen Job perfekt gemacht. Selbst der Einfluss des Wetters auf die Lautsprecherübertragung oder „plötzlich“ vom Bühnenhimmel fallende Requisiten müssen dabei bedacht werden.
Alles im Griff: Von diesem Pult aus steuert Till Helfrich die Programm-Sequenzen für die Beleuchtung. Alles im Griff: Von diesem Pult aus steuert Till Helfrich die Programm-Sequenzen für die Beleuchtung.
Bad Vilbel. 

Veranstaltungstechniker Till Helfrich und seine fünf Technik-Kollegen haben bei den Burgfestspielen immer einen Logenplatz – wahlweise vor den Pulten für die Lichtregie oder den Ton. Der 36-Jährige kennt die Burg schon seit 1998, damals hat er dort als Bühnenhelfer angefangen. Beim Klang geht es nicht nur um laut und leise, hell oder dunkel. Schon lange vor dem Saisonstart beginnen seine Vorbereitungen. Da geht es erst einmal darum, die Technik wieder fit zu machen, Materialbestellungen und Reparaturen.

Aber auch das grundsätzliche Konzept für die kommenden Aufführungen bespricht er dann schon mit dem Kreativ-Team mit Bühnenbildner, Regie und musikalischer Leitung. Da geht es darum, welche Stimmungen das Stück hat – trist oder fröhlich etwa. Ernst wird es von Mitte April an, da beginnen schon die Beleuchtungsproben – meist bis tief in die Nacht hinein, das zieht sich bis zum Juni.

Zu diesem Zeitpunkt steht schon das Bühnenbild, wie etwa für das Stück „Summer in the City“. Helfrich und seine Kollegen müssen für die Beleuchtung aber alle Stücke im Blick haben. Ist die Konstruktion mit der Beleuchtung erst einmal bestückt, können zusätzliche Effekte nur durch variable Bodenlampen erzielt werden.

Marke Eigenbau

Bei den Lichtproben werden die Choreographie der Farben, Helligkeit und Beleuchtungswinkel ausgetestet und ins Lichtregie-Pult einprogrammiert. Doch das Ergebnis kann nicht einfach abgespult werden, denn im Gegensatz zu einem Musikstück gibt es auf der Theaterbühne keine festgelegte Länge für die Szenen.

Helfrich muss also „auf Sicht“ die nächste Lichtprogrammierung abfahren, auf szenische Stichworte hin. Doch das, was da leuchten soll, muss zuvor mitunter in Marke Eigenbau erstellt werden – spezielle Lampenkonstruktionen, wobei die Burgfestspiele jetzt sukzessive auf LEDs umstellen wollen.

Lichtqualität, Lichtwege, kaltes oder warmes Weiß, die Akzentuierung des Bühnenbilds durch das Licht und auch mal ein Schwenk ins Publikum müssen eingearbeitet werden. Dafür werden Teile benötigt, die es nicht im Baumarkt gibt. „In der Regel jenseits der tausend Watt – die Theaterscheinwerfer haben fünftausend Watt“, erklärt Till Helfrich. Selbst bei der Kinderoper „Figaros Hochzeit“, die dramaturgisch eigentlich für eine taghelle Bühne geschrieben wurde, nebst Tarnkleidung und Kulissen für die Nachtszene im Park, sei die Beleuchtung unverzichtbar, hebt er hervor.

Doch nicht nur für Licht ist er zuständig, sondern auch für Nebel und „zufällig“ vom Theaterhimmel fallende Gegenstände, per Greifarm vom Gestänge der Bühnentechnik, wie den toten Hahn in „Tintenherz“.

Manchmal findet der Techniker auch ganz simple Lösungen. Für den Regen in „Der Name der Rose“ sorgte ein simples Rasen-Sprenklersystem mit Gartenschlauch, erinnert er sich. Arbeit gibt es für ihn bis zum Schluss der Saison. Wenn die Helligkeit abends schwindet, muss nachgebessert werden, sonst wird die Bühne überbelichtet.

Effekt mit Hall und Echo

Nicht minder aufwendig ist die Tonregie. 25 einzelne über die Burg verteilte Lautsprecher können angesteuert werden – da klingelt dann zufällig im Stück „Wie im Himmel“ aus einer Ecke ein Smartphone. Bei Bedarf wird auch getrickst, wie etwa bei „Jim Knopf“, wo der goldene Drache seine einzigartige Stimme durch eine effektvolle Beimischung aus Hall und Echo erhält.

Üblich aber ist der umgekehrte Ansatz: Was nicht stimmig klingt, soll mit technischen Eingriffen möglichst natürlich und stimmungsvoll werden. Deswegen müsse jedes Mikrofon vorher auf die Schauspieler eingestellt werden, damit die menschlich – und eben nicht kalt und technisch - klingen.

Auch Instrumente können in Balance gebracht werden, oder ein Blatt hörbar zerrissen werden, falls gewünscht. Dann spielt bei Bedarf auch die Flöte so leise, wie ein Keyboard eingestellt werden kann. Sogar die Außentemperatur wird als Fehlerquelle herausgerechnet. Wenn es bei der Aufführung fünf Grad kälter werde, verzögere sich die Übertragung des Schalls, schildert Helfrich: „Das kann bis zu 40 Millisekunden ausmachen!“

Wenn das nicht korrigiert werde, klinge die Sprache diffus. Vieles kann Till Helfrich ermöglichen – Grenzen setzen aber das Budget und die Gegebenheiten einer nur temporär genutzten Freilichtbühne. Manche großen Ideen werden rasch verworfen. Till Helfrich erinnert sich an den Wunsch des Regisseurs von „Der Name der Rose“, der die imaginäre Bibliothek in Gestalt von acht Meter breiten und drei Meter hohen LED-Lichterketten illustrieren wollte.

Das hätte die Bühnentechnik nicht mitgemacht, „wir haben keine Obermaschinerie wie im festen Theater, das Ganze wog fast 400 Kilo“. Dafür aber gibt es jetzt wieder eine Live-Band zum Musical „Sunset Boulevard“. Die Live-Musik habe man vor Jahren eingestellt – „aus Immissionsgründen“. Aber es ist nun mal so: „Eine gewisse Grundlautstärke der Instrumente kriegt man nicht weg“, räumt der Soundexperte ein.

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