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Zweckverband Niddatal: Nitrat ist kein Thema: Sauberes Wasser für die Region

Von Zu viel Nitrat hat der Verein VSR-Gewässerschutz im vergangenen Monat bei zahlreichen privaten Brunnen in Bad Vilbel festgestellt. Doch auch unser Trinkwasser stammt aus der heimischen Erde. Das ist unbedenklich, unterliegt aber trotzdem ständigen und peniblen Kontrollen. Dies zeigt ein besuch beim Zweckverband Unteres Niddatal.
Wassermeister Andreas Fuhr nimmt eine Wasserprobe ab. Im Wasserwerk selbst wird einmal im Monat kontrolliert, zudem findet einmal im Quartal eine gründliche Untersuchung des Wassers durch ein akkreditiertes Labor statt. Wassermeister Andreas Fuhr nimmt eine Wasserprobe ab. Im Wasserwerk selbst wird einmal im Monat kontrolliert, zudem findet einmal im Quartal eine gründliche Untersuchung des Wassers durch ein akkreditiertes Labor statt.
Bad Vilbel/Karben/Schöneck. 

Wassermeister Andreas Fuhr (49) hat einen schönen Arbeitsplatz. Fährt man zwischen Rodheim und Nieder-Rosbach in einen Feldweg ein, gelangt man dorthin, zum Harbwerk, dem Wasserwerk des Zeckverbands Unteres Niddatal, das Teile Bad Vilbels, Karbens, Schönecks und auch Frankfurts – in Nieder-Erlenbach – bedient.

Vier Brunnen liegen auf dem Gebiet des Wasserwerkes, einer bei Petterweil. Im Wasserwerk kommt das Wasser zusammen und wird verteilt. Bild-Zoom
Vier Brunnen liegen auf dem Gebiet des Wasserwerkes, einer bei Petterweil. Im Wasserwerk kommt das Wasser zusammen und wird verteilt.

In seinem Büro hört man das selige Muhen der Kühe auf den Wiesen drumherum, Häuser – außenliegende Höfe – sieht man erst in einigen hundert Meter Entfernung. Doch muss Fuhr einen ganzen Haufen Technik überwachen. Denn immerhin rund 38 000 Menschen verlassen sich darauf, dass das Wasser aus ihren Leitungshähnen immer eine gute Qualität aufweist. Bis zu eine Milliarde Liter Trinkwasser pro Jahr gewinnt der Zweckverband aus den vier Brunnen in direkter Nähe des Werkes und einem weiteren Tiefbrunnen in Karben-Petterweil. Weitere rund 1,2 Milliarden Liter Trinkwasser bezieht der Verband vom regionalen Großversorger Ovag.

Info: Biogas-Anlagen stärker kontrollieren

Als Problem der Zukunft sieht der Verein VSR-Gewässerschutz gewerbliche Biogasanlagen an. Ab 2018 dürfen Landwirte bei Gülle und Stickstoff höchstens 170 Kilogramm pro Hektar ausbringen.

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Doch warum kann man sich auf die Qualität des Trinkwassers verlassen, obwohl eine kürzliche Untersuchung von Brunnenwasser viel zu hohe Nitratwerte festgestellt hat (wir berichteten)? „Das liegt an der Tiefe der Brunnen“, erklärt Fuhr. Denn während die privat genutzten Vilbeler Gartenbrunnen nur sechs bis zehn Meter tief reichen, gehen die Brunnen des Zweckverbandes auf 70 bis 80 Meter Tiefe.

Komplizierte Technik: Unzählige Sensoren messen ständig die Funktionsfähigkeit der Hochbehälter und Brunnen und leiten die Daten weiter. Bild-Zoom
Komplizierte Technik: Unzählige Sensoren messen ständig die Funktionsfähigkeit der Hochbehälter und Brunnen und leiten die Daten weiter.

Außerdem bringen nicht nur Landwirte, sondern auch die Gartenbesitzer selbst reichlich Dünger in die Erde ein, die das Grundwasser dann mit Nitrat belasten. Doch bis in die Tiefe der Brunnen des Zweckverbands gelangt nur wehr wenig davon. Während die Proben von VSR-Gewässerschutz Werte weit über dem Maximalwert von 50 Milligramm pro Liter aufwiesen, steigt der Nitratwert beim Zweckverband nur auf 0,3 bis 0,6 Milligramm pro Liter an.

Gespräche mit Landwirten

Im Petterweiler Brunnen mit 40 Meter Tiefe sind es schon 16 bis 27 Milligramm. „Das ist immer noch weit unter dem zulässigen Wert“, sagt Michael Weber, Geschäftsführer des Zweckverbandes. Doch trotzdem gelangt es so nicht in die Leitungen. Denn das Wasser gelangt ebenfalls in das Harbwerk, wird dort mit dem Wasser aus dem Taunus vermischt, so dass alle Kunden am Ende das gleiche Wasser haben.

Jedes Kabel in diesem Schaltschrank ist für ein Bauteil eines Brunnenwerkes zuständig. Gibt es einen Fehler, wird Alarm geschlagen. Bild-Zoom
Jedes Kabel in diesem Schaltschrank ist für ein Bauteil eines Brunnenwerkes zuständig. Gibt es einen Fehler, wird Alarm geschlagen.

Noch ein weiterer Faktor trägt zu dem niedrigen Nitratwert bei. „Wir sprechen uns seit 1996 regelmäßig mit der Schnittstelle Boden ab“, schildert Weber. Das Ingenieurbüro mit Sitz in Ober-Mörlen hat sich dem Grundwasserschutz verschrieben. Gemeinsam mit den Landwirten werden dann Menge und Art der zu verwendenden Dünger abgesprochen. Und: „Rund um unsere Brunnen hier vor Ort gibt es keine Landwirtschaft. Das Wasser kommt aus dem Taunus herunter, Äcker gibt es erst unterhalb unserer Brunnen“, sagt Fuhr. Aus Fließgewässern kommt hingegen kein Wasser.

Info: „Wasserdiebe“ kamen

Bereits 1911 vermachte der damalige Bürgermeister von Rosbach das Gebiet rund um das heutige Wasserwerk dem Zweckverband Unteres Niddatal. Bei der Bevölkerung kam das nicht gut an.

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Auch die Ovag, die den größten Teil ihres Wassers aus dem Vogelsberg bezieht und nicht nur große Teile der Wetterau, sondern auch Frankfurts bedient, setzt laut Geschäftsführer Weber auf derartige Gespräche. Die laufen mit dem Maschinenring, einem Zusammenschluss von Landwirten. Durch diese Art der Kommunikation sinkt die Nitratkurve im Trinkwasser kontinuierlich, obwohl die entsprechenden Prognosen für einen Verlauf von mehreren Jahren vorab besprochen werden müssen. Denn der Regen von heute benötigt etwa ein bis anderthalb Jahre, bis er in den Brunnen der Wasserwerke ankommt.

Aufs Geld schauen

Die Messdaten der fünf Brunnen, vier Quellen mit Wasseraufbereitung, vier Hochbehältern, drei Zwischenbehältern, einer Pumpstation, 47 Kilometer Rohrleitungen und dem Hauptwerk laufen bei ihm auf zwei Monitoren zusammen. „Hier kann ich sofort sehen, wo es ein Problem gibt und jemanden zur Kontrolle oder Behebung rausschicken“, sagt Fuhr.

Wassermeister Andreas Fuhr nimmt eine Wasserprobe ab. Im Wasserwerk selbst wird einmal im Monat kontrolliert, zudem findet einmal im Quartal eine gründliche Untersuchung des Wassers durch ein akkreditiertes Labor statt. Bild-Zoom
Wassermeister Andreas Fuhr nimmt eine Wasserprobe ab. Im Wasserwerk selbst wird einmal im Monat kontrolliert, zudem findet einmal im Quartal eine gründliche Untersuchung des Wassers durch ein akkreditiertes Labor statt.

Die Ergebnisse der Messdaten – etwa Druck und Druckfluss – laufen auf einem Server zusammen. Wird ein Fehler – durch das System oder nach Anruf eines Bürgers – festgestellt, klingelt das System rund um die Uhr sofort nacheinander drei Rufnummern an. Solange, bis jemand abnimmt – und sich des Problems annimmt.

Das Wasser wird täglich auf verschiedene Faktoren wie den PH-Wert oder Chlor untersucht – freiwillig und über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. Die Mitarbeiter des Wasserwerks ziehen außerdem einmal im Monat eine Probe und untersuchen sie selbst. Einmal pro Quartal kommt zusätzlich ein akkreditiertes Labor, das das Wasser noch einmal aufs Gründlichste untersucht.

Behandelt wird das Wasser nur physikalisch, abgesehen von einer geringen Menge Chlor, die beigefügt wird. Das sei vom Gesetzgeber vorgegeben, das ist bei uns mit 0,1 Milligramm pro Liter aber so wenig, dass beim Kunden fast gar nichts mehr ankommt“, sagt Fuhr.

Auch die Kommunikation mit den verschiedenen Stadtwerken laufe bestens. „Früher mussten wir öfter raus. Inzwischen melden sich die Stadtwerke und kündigen etwa eine Spülung der Leitungen, die mit Chloreinsatz erfolgt, an“, lobt Fuhr. Auch wenn etwa das Karbener Hallenbad befüllt werde, wird dies angezeigt. Dann wissen Fuhr und seine Mitarbeiter, warum der Pegel im Hochbehälter plötzlich rapide sinkt und können reagieren und den Pegel über Nacht wieder auffüllen.

Gelangt trotzdem Nitrat ins Trinkwasser, „können wir das theoretisch herausfiltern. Das aber ist sehr teuer“, sagt Weber. Aufs Geld muss er achten. Denn großen Gewinn erziele der Zweckverband nicht. Sondern gar keinen. „Das ist bei uns als Körperschaft des öffentlichen Rechts so angelegt“, erklärt Weber, der sein Büro im Rathaus in Karben hat. Dem Zweckverband gehören die Städte Karben und Bad Vilbel, die Hessenwasser GmbH in Groß-Gerau und die Kreiswerke Main-Kinzig an.

300 000 bis 400 000 Euro pro Jahr fallen für Instandhaltungskosten an. Kommt dann ein unvorhergesehenes Problem, kann es eng werden. So etwa, als der Petterweiler Brunnen technische Probleme hatte. Im Zweckverband stellte man sich die Frage, ob man den Brunnen vielleicht aufgibt. Doch für andere nicht. So fragte eine Behörde nur, wann der Brunnen wieder in Betrieb geht.

Auch wenn der Zweckverband mit acht Mitarbeiter, davon drei Teilzeitkräften, eher zu den kleineren Wasserversorgen zählt, ist sein Beitrag wichtig für die Versorgung der Wetterau. Denn schließlich sind nur 0,003 Prozent des weltweiten Süßwassers als Trinkwasser verwendbar.

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