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Prozess um den Tod einer Schäferhündin: Prozess um Tierquälerei: Verhungerte diese Hündin?

Weil sie vermutlich ihre Schäferhündin Kimberly verhungern ließ, muss sich eine 51-Jährige aus Florstadt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz verantworten.
Ließ Frauchen ihren Hund verhungern? Um einen solchen Schäferhund geht es derzeit vor dem Friedberger Amtsgericht.	Foto: Archiv Ließ Frauchen ihren Hund verhungern? Um einen solchen Schäferhund geht es derzeit vor dem Friedberger Amtsgericht. Foto: Archiv
Friedberg. 

Ein Nachbar hatte offensichtlich Erbarmen mit der total abgemagerten und aufgrund des Haarausfalls bis auf den Kopf und den Schwanz nackten Schäferhündin – und alarmierte wegen des schlimmen Zustandes anonym das Veterinäramt des Wetteraukreises. Was die Amtstierärztin Cerstin Blaß, die in dem Prozess zugleich auch noch Sachverständige ist, mit ihrem Mitarbeiter am 27. März 2014 in der Wohnung der Angeklagten dann aber antraf, ließ selbst ihr den Atem stocken. Die vierjährige Hündin war nur noch Haut und Knochen. Die Muskelstränge hatten sich infolge des Ernährungsmangels bereits zurück gebildet und die Hündin hatte in ihrem Überlebenskampf bereits einen Teil ihres Körperfetts aufgebraucht. Die an dem Tag von der Tierärztin aufgenommen Fotos lassen keinen Zweifel an dem schrecklichen Zustand des Tieres.

Die Hündin wurde zwar sofort mitgenommen – und zwar im Einvernehmen mit der Angeklagten – und ins Tierheim geschafft, wo sie zunächst erst einmal ärztlich versorgt wurde. Doch da war es bereits zu spät. Noch in der Nacht verstarb das Tier völlig entkräftet.

„Ich war mit dem Hund mehrfach beim Arzt. Und der hat auch Medikamente verschrieben und dem Hund dazu noch eine Spritze gegeben. Trotzdem hat sich ihr Zustand nicht verbessert“, verteidigte sich die 51-jährige Hausfrau vor Gericht, die von Hartz IV lebt und sich noch um ihr behindertes Kind kümmern muss.

Welche Diagnose der Arzt gestellt habe und wann sie ihn mit der Hündin zuletzt aufgesucht habe, wollte die Friedberger Amtsrichterin Christine Yazdani wissen. An beides konnte sich die Angeklagte nicht mehr genau erinnern. Weil eine Allergie aufgrund der Obduktion ausschied, könne möglicherweise eine Futtermittelunverträglichkeit den Zustand hervorgerufen haben, mutmaßte die Sachverständige. Genauere Auskunft dazu könne aber nur der behandelnde Tierarzt geben.

Verstoß gegen Tierschutzgesetz: So erstatten Sie eine ...

Wie zeige ich einen Tierschutzfall an? Diese Frage beantwortet die Hessische Tierschutzbeauftragte, Tierärztin Dr. Madeleine Martin, so: „Wenn Sie den Eindruck haben, dass Tiere misshandelt,

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Weil die Angeklagte bei ihrer Behauptung blieb, sie sei mit der Hündin vor ihrer Wegnahme durch das Kreisveterinäramt mehrfach beim Tierarzt in Florstadt gewesen, und gefressen habe das Tier auch regelmäßig, unterbrach die Richterin die Verhandlung, um sich bei dem Arzt Auskünfte einzuholen. Da dieser der Aussage der Angeklagten aber deutlich widersprach – so will er die Hündin zuletzt im Juli 2013 gesehen und behandelt haben, also acht Monate und nicht unmittelbar vor ihrem Tod – , vertagte die Richterin den Prozess auf den 29. Januar. Dann muss auch der Florstädter Tierarzt erscheinen.

Der Mediziner hatte nach Aussage der Richterin ausgesagt, dass er damals von einem Milbenbefall ausgegangen sei und entsprechende Medikamente verschrieben habe. Als die Angeklagte nicht wieder erschienen sei, sei er davon ausgegangen, dass sich die Hündin in der Zwischenzeit erholt habe. Weil er diese Aussage aber nur am Telefon und nur der Richterin gegenüber geäußert hatte, also nicht öffentlich im Gerichtssaal, muss er die Aussage noch einmal wiederholen. „Ich hoffe, dass sich durch den Fortsetzungstermin die Ungereimtheiten dann wirklich aufklären lassen“, meinte die Richterin.

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