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Tierschutzbericht Wetterau: Verunglückt, verhungert, gequält

Illegale Tierversuche, auf der Autobahn verunglückte Schlachtschweine, eine verhungerte Schäferhündin – traurige Fakten listet der Wetterauer Tierschutzbericht für das vorige Jahr auf.
Ein Bild des Schreckens: So sah es nach dem schweren Unfall eines Schweinetransporters auf der Autobahn 45 nahe der Ausfahrt Wölfersheim aus. Ein Bild des Schreckens: So sah es nach dem schweren Unfall eines Schweinetransporters auf der Autobahn 45 nahe der Ausfahrt Wölfersheim aus.
Friedberg. 
So wurde der Zirkuselefant „Mausi“ gehalten. Bild-Zoom
So wurde der Zirkuselefant „Mausi“ gehalten.

Ein ereignisreiches Jahr 2014 liegt hinter den Amtstierärzten und den Tiergesundheitsaufsehern der Veterinärbehörde des Wetteraukreises. Eine artgerechte Haltung der Tiere und ein verantwortungsbewusster Umgang mit den Tieren müsse sichergestellt werden, betont der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Rudolf Müller. Seit Jahren werde eine Zunahme bei Tierschutzfällen beobachtet, in denen schlechte wirtschaftliche Verhältnisse und soziale Verwahrlosung eine große Rolle spieltn.

Tierschutzwidrige Tierhaltungen gingen immer öfter mit katastrophalen Verhältnissen in den Privathaushalten der Tierhalter einher. Die Mitarbeiter des Tierschutzes seien, so der Bericht, häufig mit Personen konfrontiert, „die ihrer Lebenssituation nicht mehr gewachsen waren“.

Bedauerlich sei jedoch, dass sich die Anzeigen von Tierschützern häuften, „die jegliche Sachkenntnis vermissen lassen, die fachlichen Argumenten sowie ausführliche Erklärungen der Mitarbeiter des Veterinäramtes nicht akzeptieren und die die Mitarbeiter beschimpfen oder sogar massivst bedrohen“, so Müller. Menschliche Bedürfnisse und Wohlbefinden würden immer öfter mit dem der Tiere gleichgesetzt.

Im Jahr 2014 betrug die Zahl der Anzeigen aus der Bevölkerung 327. Diese haben mit den Nachkontrollen und den Routinekontrollen zu 590 Überprüfungen geführt. Darüber hinaus erfolgten die gesetzlich vorgeschriebenen Routinekontrollen. Dazu zählen auch zahlreiche Kontrollen, die seitens der Europäischen Union vorgegeben werden. Nach Angaben von Dr. Isabell Tammer, Leiterin des Fachgebietes Tierschutz, konnten bei Kontrollen Missstände und Mängel in der Tierhaltung unterschiedlichen Ausmaßes sowie zahlreiche tierschutzwidrige Tatbestände entdeckt werden.

Zuständig für Hunderttausende Tiere

Die Veterinärbehörde des Wetteraukreises ist für 4000 landwirtschaftliche Betriebe mit etwa 201 000 Tieren zuständig – ferner für Tierpensionen, Zoofachgeschäfte, Tiertransportunternehmen, Hu

clearing

Vier Halterverbote

 

Den Tierhaltern wurden Fristen gesetzt, in denen Gelegenheit war, die Missstände zu beseitigen. Gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz sowie Tierschutzfälle, bei denen die Mängel nicht beseitigt waren, wurden mit Bußgeldern oder Strafverfahren geahndet.

Im Wetteraukreis kam es 2014 in 35 Fällen zur Einleitung von Ordnungswidrigkeitsverfahren, die mit Geldbußen von 50 bis 1000 Euro belegt wurden, sowie zu zwei Strafverfahren. Die gravierendste Maßnahme der Veterinärbehörde stellt das generelle Tierhalteverbot dar. 2014 wurde ein solches Tierhalteverbot in vier Fällen ausgesprochen. In einem Fall wurde eine Bestandsreduzierung angeordnet.

Illegale Tierversuche waren in 2014 ein großes Thema. Bereits 2012 hatte das Amtsgericht Gießen wegen des dringenden Verdachtes illegaler Tierversuche einen Durchsuchungsbeschluss für das Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung Bad Nauheim erlassen. Nach monatelanger Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen und trotz erdrückender Beweislage wurde das Verfahren 2014 gegen Zahlung eines Geldbetrages in Höhe von 72 000 Euro eingestellt (die FNP berichtete) – „für die Veterinärbehörde des Wetteraukreises eine nicht nachvollziehbare Entscheidung“, so Müller.

Besondere Aufmerksamkeit zog auch im Jahr 2014 wieder der in Ockstadt ansässige Zirkus „Universal Renz“ mit seinen beiden afrikanischen Elefanten „Mausi“ und „Baby“ auf sich. Zur ergänzenden Begutachtung der Elefanten wurde ein erfahrener Fachtierarzt für Zoo- und Wildtiere hinzugezogen. Nach dem Urteil des Sachverständigen waren sowohl Haltung als auch Gesundheitszustand der zwei Afrikaner nicht zu beanstanden. Im Dezember 2014 wurde die Elefantenhaltung vom Betreiber des Zirkusunternehmens aufgegeben.

Die Kontrolle der Tierhaltungen in Zirkusunternehmen stellt eine Besonderheit bei der Arbeit im Tierschutz dar. Da die Unternehmen an jedem neuen Gastspielort kontrolliert werden, gehörten sie zu den am besten überprüften Tierhaltungen in Deutschland.

Das Thema Tiertransporte ist 2014 untrennbar mit einem schweren Unfall eines Schweinetransporters auf der A 45 verknüpft. An einem späten Nachmittag im September wurde über Notruf mitgeteilt, dass auf der A 45 kurz nach der Auffahrt Wölfersheim ein Lastwagen, der auf dem Weg von Niedersachsen nach Italien war, mit 193 Schweinen aufgrund eines geplatzten Vorderreifens verunglückt sei. Die schwer verletzten Tiere mussten dort tierschutzgerecht betäubt und entblutet werden. Unter amtstierärztlicher Aufsicht und mit tatkräftiger Unterstützung durch die Tiergesundheitsaufseher wurde entschieden, welche Schweine zuerst notgetötet werden mussten. 112 überlebende Mastschweine wurden zur Schafhalle eines Wölfersheimer Landwirtes gebracht und anderntags zum Schlachthof nach Mannheim transportiert.

 

Wegen Quälerei verurteilt

 

Als schlimmer Fall gilt jener einer erst vierjährigen Schäferhündin aus Florstadt. Die Hundehalterin hatte ihr erhebliche Leiden zufügt. Sie fütterte das Tier nicht ausreichend und bedarfsgerecht. Die Hündin wog zum Kontrollzeitpunkt nur noch etwa 15 Kilogramm. Das Tier war bis auf den Kopf und die Rute vollkommen kahl. Die Haut zeigte schuppige Veränderungen. Trotz tierärztlicher Versorgung der beschlagnahmten Hündin starb diese noch in der Nacht. Für diese Vernachlässigung musste sich die Tierhalterin vor dem Amtsgericht Friedberg verantworten. Strafe: 100 Tagessätze à zehn Euro und ein Tierhalteverbot für fünf Jahre. fnp

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