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Wo Karbens Grün allzu wild sprießt

Von „Karben blüht auf“ - nicht bloß ein Konzepttitel soll das sein, sondern bald überall Realität. Das sieht das Grünkonzept der Stadt vor. Die Fachfrau dahinter erklärt, was noch alles möglich ist.
Unkraut als Willkommensgruß: Auf dem Parkplatz am Bahnhof Groß-Karben sprießt das Grün teils äußerst wild. Hier wie auch andernorts will die Stadt Karben mit ihrem Grünkonzept für einen besseren Anblick sorgen.	Fotos: Jana Kötter (1), Dennis Pfeiffer-Goldmann Bilder > Unkraut als Willkommensgruß: Auf dem Parkplatz am Bahnhof Groß-Karben sprießt das Grün teils äußerst wild. Hier wie auch andernorts will die Stadt Karben mit ihrem Grünkonzept für einen besseren Anblick sorgen. Fotos: Jana Kötter (1), Dennis Pfeiffer-Goldmann
Karben. 

Nicht jeder in Karben wird Hildegunde Henrich mögen. Dass ist der Landschaftsarchitektin aus Liederbach klar. „Von außen kommend sieht man Einiges anders.“

Diesen Blick aber wollte man im Karbener Rathaus erfahren. Und hat Henrich um Vorschläge gebeten, wie das Stadtgrün schöner werden kann. „Karben soll ein einheitliches, harmonisches und leicht zu pflegendes Stadtgrün erhalten“, erklärt Henrich die Vorgabe von Bürgermeister Guido Rahn (CDU).

Ihn treiben zum Einen viele Klagen aus allen Stadtteilen über den oft schlechten Pflegezustand der Grünflächen. „Für den Bauhof ist die Arbeit kaum zu schaffen“, sagt Rahn. Und die Arbeit koste viel Geld.

Mit drei Testflächen startete 2011 die Lösung des Problems im Kleid des Konzepts „Karben blüht auf“: Grünstreifen an der Rathauskreuzung und der Gehspitze sowie der Kreisverkehr in Klein-Karben. „Das hält sehr gut und kommt extrem gut bei den Bürgern an“, freut’s Rahn.

Hildegunde Henrich Bild-Zoom
Hildegunde Henrich
Solche „herausragenden Flächen zu entwickeln“ sei wichtig, erklärt Hildegunde Henrich. „Wenige bunte Beete sollen ins Auge fallen.“ Gleichzeitig könne man „Ruhe ins Stadtbild bringen“, indem die übrigen Flächen einheitlicher werden. Statt einem Mix aus Sträuchern und Blumen plädiert die Landschaftsarchitektin für großräumige Lösungen, sprich: große Flächen mit Landschaftsrasen, Blumen oder einer einzigen Sorte Bodendeckern. „Weniger ist mehr.“

Wie aber verträgt es sich mit dem Umweltschutz, wenn nun Grün herausgerissen wird? „Viele Sträucher sind ohnehin überaltert“, sagt Henrich - wegen falscher Pflege: Weil die Zeit fehle, Sträucher korrekt aufwändig von innen heraus zu verjüngen, würden Jahr für Jahr nur eilig die störenden, neuen Außentriebe abrasiert. „So werden die Sträucher ,alt‘ geschnitten.“

 

Einheitlicher möblieren

 

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Zum Start des Konzepts „Karben blüht auf“ sind seit Herbst 2011 Grünflächen an Gehspitze, Rathauskreuzung und Klein-Karbens Kreisverkehr zu Hinguckern geworden.

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Auch eine zu große Anzahl von Bäumen auf kleiner Fläche schade der Ökologie. Als Beispiel führt sie den Rathausplatz an: „Wenn sie dort einzelne Bäume herausnehmen, haben die anderen mehr Chancen.“ In der Robert-Blum-Anlage in Petterweil verkümmerten Sträucher und Blumen unter Bäumen. Besser sollten arbeitsintensive Sträucher durch Bodendecker ersetzt werden.

Zusätzlich empfiehlt die Landschaftsarchitektin, bei der Stadtmöblierung umzudenken. „Bisher hat hier einer eine Bank aufgestellt, dort einer eine andere gestiftet.“ Die Karbener sollten natürlich nicht alles wegwerfen. „Aber sie können bei Neuanschaffungen auf Einheitlichkeit achten.“

 

Hübscher und billiger

 

Eine ganze Reihe konkreter Vorschläge hat die Fachfrau. So solle der Kreisverkehr in Burg-Gräfenrode „nicht so überfrachtet werden“. Mit einer „ruhigen, flächigen Bepflanzung“, kämen „die Einbauten“ besser zu Geltung: Ein Modell von Liesel und Lieselturm hat der Heimat- und Kulturverein dort aufgestellt. Vereinsmitglieder pflegen seit zwei Jahren die Flächen - worüber der Bürgermeister natürlich heilfroh ist.

Für die Grünflächen an den Park+Ride-Parkplätzen an den Bahnhöfen in Groß-Karben und Okarben empfiehlt Henrich: „Komplett neu bepflanzen.“ Die Sträucher machten keinen gepflegten Eindruck. Über die Jahre haben Samen viele andere Gewächse sprießen lassen. Nun sei das Areal „nicht mehr in einem vertretbaren Aufwand zu pflegen.“ Für Okarben empfiehlt Henrich „eine Wildwiese statt des überwucherten Rosenbeets“, was auch Wildbienen helfe.

Mehr blühende Flächen wie entlang der Bahnhofstraße will der Bürgermeister anlegen. Auf dem Rasen wachsen seit zwei Jahren im Frühjahr tausende Osterglocken und Tulpen.

Auch weitere Staudenflächen wie an der Gehspitze mit Blumen, Sträuchern und Schotterboden gegen Unkraut solle es geben, kündigt Rahn an. Die anfängliche Skepsis sei nach zwei Jahren Begeisterung gewichen: Fast das ganze Jahr über blühe etwas - und meist genügten ein, zwei kurze Arbeitsgänge pro Jahr für die Pflege.

Natürlich koste die Neuanlage solcher Flächen Geld. „Aber es rechnet sich“, sagt er. „Langfristig erhalten wir eine schönere Stadt für weniger Geld.“

Deshalb wolle die Stadt das Grünkonzept „Punkt für Punkt“ abarbeiten. Angesichts der Größe Karbens „wird immer etwas zu erneuern sein“, sagt Hildegund Henrich voraus. Sie aber ermuntert die Karbener, weitere blühenden Erfahrungen zu machen: „Man muss auch etwas wagen.“

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