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Ausstellung: Der Wortvirtuose, Schriftsteller und Grafikkünstler Franz Mon in der Galerie Kai Middendorff

Von Alle paar Jahre gibt es Neues vom großen Frankfurter Wort- und Buchstabenkünstler Franz Mon: Jüngst Essay- und Gedichtbände bei S. Fischer, jetzt eine Schau mit jüngsten Werken.
„Texttonne mit Durchgang“, 1972. „Texttonne mit Durchgang“, 1972.
Frankfurt. 

In den Text eintreten, ganz von ihm gefangen sein, sich ihm hingeben zu können, die Sinnlichkeit der Wörter und Buchstaben spürbar zu machen: Es ist ein alter Traum von Schriftstellern, mit ihren Werken eine so unmittelbare Wirkung erzeugen zu können, wie es sonst nur Musikern und manchmal auch bildenden Künstlern gegeben ist. Franz Mon ist dieser Wunschvorstellung so nahe gekommen wie wenige. Er ist ein Grenzgänger, dem das geschriebene Wort so wichtig ist wie sein Klang und die Art und Weise, wie es graphisch in Erscheinung tritt.

Gast beim Maler Götz

Mit 14 Jahren schrieb Franz Mon, damals noch Franz Löffelholz, seine ersten Geschichten. Später, als Student der Germanistik, Geschichte und Philosophie, war der 1926 Geborene regelmäßiger Gast im Atelier des Informel-Malers Karl-Otto Götz und bekam mit, wie dieser sich immer wieder die Frage nach seinem Material stellte.

Franz Mon. Bild-Zoom Foto: Alessandro Della Bella (KEYSTONE)
Franz Mon.

Götz’ Intensität und sein bohrendes Suchen muss den jungen Mann beeindruckt haben, denn bald stellte auch er sich diese Frage, übertragen auf sein Fachgebiet, die Sprachen und Literatur: Was ist mein Material? Was ist das, diese Sprache, die wir für selbstverständlich nehmen und permanent benutzen, ohne je über sie nachzudenken?

Unermüdlich und sein ganzes Leben lang ist Franz Mon dieser Frage nachgegangen, in Gedichten, Essays und wortbildnerischer Kunst. Immer wieder überrascht er mit neuen Antworten. Das zeigt auch die Ausstellung, mit der die Galerie Kai Middendorff im Frankfurter Bahnhofsviertel dem 92-Jährigen Frankfurter wieder einmal eine öffentliche Plattform verschafft.

Gleich die erste Arbeit der chronologisch aufgebauten Ausstellung führt ein ins Denken und Werk. Eine mannshohe Betonröhre hat Franz Mon in den 70er Jahren innen mit Text ausgelegt und vor dem Eingang eines Gebäudes platziert, in dem der Hessische Rundfunk eines seiner Hörspiele zur Aufführung brachte: So war der Besucher, noch bevor er wusste, was ihn im Innern erwartete, schon beim Eintritt von Wörtern umfangen. Text als Erlebnis, graphisch und visuell: Müsste man das facettenreiche Lebens-Oeuvre von Franz Mon auf ein Sinnbild reduzieren, so wäre es wohl diese „Texttonne“.

Für die Ausstellung hat er sie weiterentwickelt. Eine graphische Arbeit zeigt nun eine Texttonnen-Collage, in der die Buchstaben eine ganz neue Flächigkeit und die Tiefe der Röhre eine ganz eigene Sogwirkung entfalten.

Buchstaben und Wörter

Für Mon ist das typisch. Er steht nicht still, gibt sich nicht mit einmal gefundenen Formen zufrieden, erweitert sein Formen- und Ausdrucksrepertoire kontinuierlich.

„Passionsblume“, Ausschnitt. Bild-Zoom
„Passionsblume“, Ausschnitt.

Ein anderes Beispiel für diese Erweiterungen sind Franz Mons „Passionsblumen“-Arbeiten. In Erinnerung an die historische Frankfurter Buchmesse hatte Mon 2008 eine Glasstele gegenüber der Leonhardskirche gefertigt, in der die Buchstaben, in den unterschiedlichsten Schrifttypen, Wortbilder zum Thema „Buch“ formten. Für die Weiterentwicklung dieses gleichermaßen graphischen, visuellen und literarischen Ansatzes suchte der Wörtersammler ein Wort mit allen Vokalen – und fand es in der „Passionsblume“. So entstand ein Zyklus unterschiedlichster Wortbilder, die Mon dann auch noch thematisch um graphische Elemente erweiterte – als rationales und zugleich intuitives Vorwärtsschreiten beschreibt Galerist Middendorff diese Verschränkung des ewigen Wanderers zwischen den Welten. „Für die Literaturwissenschaftler ist das Kunst, für mich ist es Literatur“, sagt der Buchstabenbastler. Er bringt damit auf den Punkt, dass das Feld, auf dem er sich traumwandlerisch sicher bewegt, alle Genre-Grenzen sprengt und sich eigene Spiel-Räume selbst eröffnet.

Sprachspiel, Sprachgefühl

Ein paar Mal in seinem Leben, erzählt Franz Mon, hat er seine Spiele mit der Sprache vor Zehnjährigen vorgestellt, hat Schüler angeregt zum Zuhören, Mitdenken und Laute-Kosten. „Die Sprache ist dein Eigentum – sie gehört Dir“ vermittelt er dann. Sie ist ein Geschenk, ein Schatz, und jeder Buchstabe hat seine eigene Gestik und Mimik. Indem Franz Mon den Blick aufs Detail lenkt, macht er den Weg zur Entdeckung dieses großen Wunders frei. Schön, Mon jetzt auf seine jüngsten Entdeckungsreisen begleiten zu dürfen.

Franz Mon

Galerie Kai Middendorff, Niddastraße 84, Frankfurt. Bis 3. November. Geöffnet Mi–Fr 14–18, Sa 12–16 Uhr, am kommenden Saisonstart-Wochenende Freitag 6–21, Samstag und Sonntag 11–18 Uhr

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