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Porträt „Maria by Callas“: Die große Liebe ist eine Tragödie

Von In seiner Dokumentation zeigt Tom Volf, wie gefühlsstark die griechisch-amerikanische Sopranistin ihre Bühnenpartien auflud und zum Strahlen brachte.
Maria Callas mit Aristoteles Onassis. Der griechische Reeder war ihre große Liebe und ihre große Enttäuschung, denn er heiratete 1968 die Witwe Jacqueline Kennedy. Foto: Prokino (Fonds de Dotation Maria Callas) Maria Callas mit Aristoteles Onassis. Der griechische Reeder war ihre große Liebe und ihre große Enttäuschung, denn er heiratete 1968 die Witwe Jacqueline Kennedy.

Gerade erst ist ein Film über die unglückliche Romy Schneider in den Kinos angelaufen, da kommt einer über die unglückliche Maria Callas hinzu. All der Ruhm, der Erfolg und das Geld taugen wohl am Ende nichts, wenn es an Selbstvertrauen fehlt, an eigener Wertschätzung der künstlerischen Leistung und an der Zuneigung geliebter Menschen.

Im Vergleich zu der österreichisch-deutschen Schauspielerin Romy Schneider scheint die griechisch-amerikanische Sopranistin Maria Callas noch verhältnismäßig widerstandsfähig gewesen zu sein. Der Herzinfarkt, der sie am 16. September 1977 im Alter von 53 Jahren ereilte, ist nicht auf jahrelange Selbstzerstörung durch Alkohol, Zigaretten und Schlafmittel zurückzuführen. Dennoch war die „Göttliche“ körperlich und seelisch offenbar derart angegriffen, dass ein Weiterleben für ihren Organismus so unmöglich wurde wie bei der mit 43 Jahren, ebenfalls in Paris gestorbenen Romy.

Natürliche Offenheit

Das außergewöhnliche Leben der Callas bestand aus Musik. Und so hat der amerikanische Vintage-Fotograf Tom Volf (32) ein Buch über die Jahrhundertsängerin zusammengestellt, das er nun in einen Dokumentarfilm weiterverwandelt hat, komponiert aus historischen Bild- und Ton-Aufnahmen. Rein fototechnisch ist das alte Material dürftig. Man kann erkennen, wie sehr sich die Pressefotografie und das Fernsehfilmwesen seither visuell verbessert haben. Ihre unmittelbare Lebendigkeit gewinnt Tom Volfs Montage also durch die persönliche Ausstrahlung von Maria Callas, deren Natürlichkeit und schlichte Offenheit für sich einnehmen. „Da sind zwei Menschen in mir, Maria und die Callas“, sagt sie in einem 70er-Jahre-Interview mit dem britischen Journalisten David Frost und führt genau aus, wie sie das meint.

Eine derartige Zugänglichkeit würde sich heute angesichts der ausgebufften Vermarktung von Opernkünstlern durch Tonträgerfirmen und Werbeagenturen nicht mehr finden lassen – was freilich auch mit der gestiegenen Zudringlichkeit einer Fan-Öffentlichkeit zu tun hat, die glaubt, von ihren Lieblingen hemmungslos Besitz ergreifen zu dürfen.

Oft wurde Maria Callas für eine reine Griechin gehalten. Geboren nach eigenen Angaben am 2. Dezember 1923 in New York als Tochter eines eingewanderten griechischen Apothekers namens Kalogeropoulos und dessen Ehefrau, kehrte sie nach der Scheidung der Eltern mit ihrer Mutter 1936 nach Griechenland zurück, behielt aber die amerikanische Staatsbürgerschaft. Am Konservatorium in Athen studierte sie Gesang bei der Spanierin Elvira de Hidalgo, die zu einer lebenslangen Freundin und Beraterin werden sollte. Geschickt erzählt die Dokumentation „Maria by Callas“ den Aufstieg der Sängerin in den 40er und 50er Jahren zur Primadonna assoluta an ihren Opernrollen entlang. Es waren die berühmten italienischen Frauenpartien, die sie bekannt machten, all die großen Gefühlsdramen: „Tosca“, „La Traviata“, „Madame Butterfly“, „Carmen“ und immer wieder „Norma“, die Oper ihres Lieblingskomponisten Vincenzo Bellini, über die betrogene römische Priesterin. Als Norma trat die Callas an der Mailänder Scala wie an der Met in New York auf.

Würde und Haltung

Das größte Trauerspiel im Leben der Frau mit der strahlenden Stimme aber war ihre strapazierte Liebe zu Aristoteles Onassis. „Aristo“, wie sie den reichen Reeder nannte, brachte nach ihrer Scheidung von Manager Battista Meneghini die unsterbliche Liebe in ihr Leben – und den Verzicht. „Mach mit mir, was du willst“, schrieb die Diva dem Angebeteten noch, bevor er die amerikanische Präsidentenwitwe Jacqueline Kennedy heiratete. Erst spät kehrte er zur verlassenen Maria zurück, schon bald todkrank. Insgesamt 400 Callas-Briefe hat Regisseur Volf für seinen Film ausgewertet, in der deutschen Fassung gelesen von Eva Mattes. Es sind Briefe, die das Innerste der bedeutendsten Opernsängerin des 20. Jahrhunderts offenbaren („Ich bin schüchtern und unberechenbar“), zugleich belegen, wie sie um Würde und Haltung rang, um Ehrlichkeit ohne Selbstentblößung, aber auch eigenen Launen verfiel. Ihr Leben war ein Leben für die Oper und so dramatisch wie ein Bühnenstück selbst. Sehenswert

In diesen Kinos

Frankfurt: Cinema (D+E). Orfeos Erben (OmU)

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