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„Vergessene Meister”: Autodidakten im Museum Folkwang

Nicht besser, nicht schlechter, nur anders: Autodidakten werden im Museum Folkwang mit Meisterwerken klassisch-avantgardistischer Kunst auf Augenhöhe präsentiert. Im Mittelpunkt steht Henri Rousseau.
„Der hungrige Löwe wirft sich auf die Antilope” von Henri Rousseau. Foto: Marcel Kusch Bilder > „Der hungrige Löwe wirft sich auf die Antilope” von Henri Rousseau. Foto: Marcel Kusch
Essen. 

Das „Kraftzentrum” der neuen Folkwang-Ausstellung sind großformatige Dschungelbilder von Henri Rousseau. Vor üppigem Grün turnen Affen herum, Tiger machen sich über Büffel her.

Dem autodidaktischen Maler kommt in der Schau „Der Schatten der Avantgarde - Rousseau und die vergessenen Meister” die „Brückenfunktion” zu, wie einer der beiden Kuratoren, Falk Wolf, erklärt. Rousseau (1844-1910) gelte als einziger nicht-akademischer Künstler als feste Größe für die Beschäftigung mit der Moderne, teilte das Museum mit.

Folkwang präsentiert Werke von insgesamt 13 Autodidakten, darunter Séraphine Louis (1864-1942) mit großformatigen Blumenbildern sowie die Tanzbären, ein Zebra und ein Hirsch des naiven Bildhauers Erich Bödeker (1904-1971). Der Recklinghäuser Bergmann begann sein Schaffen erst als Frühpensionär.

Die Autodidakten werden Schlüsselwerken aus Moderne und Gegenwartskunst gegenübergestellt, etwa der „Frau mit Artischocke” (1941) von Pablo Picasso oder den weiß-roten Karos „Flipper” (1970) von Blinky Palermo.

„Es ist nicht besser oder schlechter, es ist anders”, sagte der Kurator Kasper König über die Künstler ohne Hochschulausbildung. Obwohl sie an Energie und Intensität den Meisterwerken der Moderne in nichts nachständen, würde ihr Schaffen meist als „Naive-” oder „Outsider-Kunst” bezeichnet und getrennt von der Moderne betrachtet, hieß es in einer Mitteilung des Museums.

Der Name Rousseau sei - wegen seiner Bekanntheit - vor allem auf Wunsch des Museumsdirektors Tobia Bezzola in den Titel der Schau genommen worden, sagte König. Die Werke aller Künstler funktionierten allerdings „auf Augenhöhe”. Viele seien zwar nicht wirklich „vergessen”, jedoch lange nicht gezeigt worden, aus dem Fokus geraten.

Die etablierten Künstler hätten sich durchaus von den Autodidakten inspirieren lassen, erklärte König. Picasso beispielsweise habe nicht nur Bilder von Rousseau gekauft, sondern auch zu seinen Ehren zu einem großen Essen geladen. Adalbert Trillhaase (1858-1936), der mit seiner biblischen Bilderwelt im Folkwang-Museum vertreten ist, war mit Max Ernst und Otto Dix in einem gemeinsamen Düsseldorfer Künstlerkreis aktiv.

Gezeigt werden vom ". Oktober bis zum 10. Januar 2016 mehr als 200 Werke, von der Malerei und Zeichnung bis hin zur Plastik und Fotografie. Darunter die Schwarz-Weiß-Fotos des Tschechen Miroslav Tichý (1926-2011). Mit selbst gebastelten Kameras aus Pappe, Dosen und Brillengläsern zog er in den 1960er- bis 1980er Jahren durch die Stadt Kyjov und fotografierte Frauen in unbeobachteten Momenten - beim Einkaufen, Sonnenbaden oder im Gespräch.

Erst als seine Fotos 2004 auf der Sevilla Biennale gezeigt wurden, folgten nach Angaben des Museums Folkwang viele Ausstellungen - für die sich Tichý selbst kaum noch interessierte.

(Von Andrea Löbbecke, dpa)
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