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Analphabetismus-Gefahr: Viele Jüngere sind Lesemuffel

Macht Lesen Spaß? Die Meinungen gehen weit auseinander. Vor allem für viele Jüngere in Deutschland ist Lesen keine Leidenschaft. Experten warnen vor Millionen „funktionalen Analphabeten”.
Vor allem die digitalen Medien sind dabei, dem auf Papier gedruckten Wort den Rang abzulaufen. Foto: Oliver Berg Vor allem die digitalen Medien sind dabei, dem auf Papier gedruckten Wort den Rang abzulaufen.
Berlin. 

Nur gut jeder dritte jüngere Mensch in Deutschland liest regelmäßig Romane. Das zeigt eine neue Umfrage des Institutes für Demoskopie Allensbach.

Bücher zur Unterhaltung wie Romane und Krimis lesen demnach 55 Prozent der Menschen ab 60 Jahren, aber nur 35 Prozent der jüngeren zwischen 16 und 29 häufiger. „Lesen macht Spaß” finden nur 45 Prozent der Jüngeren, in der Altersgruppe ab 60 sind es 69 Prozent.

Insgesamt gehört für 58 Prozent der 16- bis 29-Jährigen Lesen nach eigenen Angaben einfach zum Leben dazu. Bei den Menschen ab 60 sagen dies 76 Prozent. In den Altersgruppen dazwischen liegen die Werte bei 65 und 71 Prozent.

Die Umfrage wurde vom Bundesbildungsministerium und der Stiftung Lesen in Auftrag gegebenen. 30 Prozent der 16- bis 29-Jährigen finden demnach Lesen heute nicht mehr so wichtig, weil man alles Wichtige auf anderem Weg mitbekomme. In den älteren Altersgruppen sagen dies nur 19 bis 24 Prozent.

Bei der Frage, was sie im Alltag häufiger lesen, nennen die 16- bis 29-Jährigen mit 91 Prozent am häufigsten E-Mails, WhatsApp-Nachrichten und SMS. Menschen ab 60 lesen mit 87 Prozent am häufigsten Zeitungen.

Fast 85 Prozent der Erwachsenen in Deutschland halten es für ebenso wichtig oder noch wichtiger als vor 20 Jahren, gut lesen zu können. 22 Prozent aller Befragten und 34 Prozent der unter 30-Jährigen sagen, dass sie durch die digitalen Medien heute sogar mehr lesen als früher. Jörg F. Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, sagte: „Wir beobachten eine Veränderung, keine Krise des Lesens.” Doch jedes fünfte Kind werde sprachlich nicht ausreichend gefördert oder habe bereits Probleme beim Lesen.

„Viele dieser fast drei Millionen jungen Menschen unter 18 Jahren sind die funktionalen Analphabeten von morgen”, warnte Maas. Das sind Menschen, die zwar Buchstaben erkennen und ein paar Wörter schreiben können, aber große Probleme mit Texten haben.

An diesem Samstag wird der Weltalphabetisierungstag begangen, in mehreren deutschen Städten finden Veranstaltungen dazu statt. Rund 7,5 Millionen Menschen in Deutschland konnten nach Schätzungen zuletzt nicht richtig lesen und schreiben. Um dem entgegenzuwirken, startet das Bildungsministerium eine Kampagne, „Besser lesen und schreiben”.

Ministerin Anja Karliczek (CDU) sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wer Texte nicht richtig lesen und verstehen kann, hat es schwer.” Sie wolle Erwachsenen, die dabei Schwierigkeiten hätten, Mut machen, dies besser zu lernen. „Denn das macht sie unabhängiger und eröffnet ihnen neue Möglichkeiten im Beruf und im Alltag.” Gefördert würden zahlreiche Projekte, die sie dabei unterstützen könnten. Die Kampagne umfasst unter anderem Spots für Fernsehen, Hörfunk und Internet.

(dpa)
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