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Zugunglück von Bad Aibling: Fahrdienstleiter soll mit Handy gespielt haben

Die Nachricht der Ermittler ist ein Paukenschlag: Unmittelbar vor dem Zugunglück von Bad Aibling hat der Fahrdienstleiter am Handy Computerspiele gespielt. Nun sitzt er wegen fahrlässiger Tötung in Untersuchungshaft.
Heruntergelassene Jalousien versperren am 10.02.2016 am Bahnhof in Bad Aibling (Bayern) die Sicht in das Fahrdienstleiter-Stellwerk. Foto: Uwe Lein (dpa) Heruntergelassene Jalousien versperren am 10.02.2016 am Bahnhof in Bad Aibling (Bayern) die Sicht in das Fahrdienstleiter-Stellwerk.
Bad Aibling.  Überraschende Wende bei den Ermittlungen zum Zugunglück von Bad Aibling mit elf Toten: Der beschuldigte Fahrdienstleiter hat unmittelbar vor der Katastrophe entgegen den Vorschriften auf seinem Handy Computerspiele gespielt. Das hat die Staatsanwaltschaft zwei Monate nach dem Zusammenstoß der beiden Züge herausgefunden. Der 39-Jährige sitzt deshalb seit Dienstag wegen fahrlässiger Tötung in Untersuchungshaft, wie die Staatsanwaltschaft Traunstein mitteilte. Sie hält dem Bahnbediensteten eine schwere Pflichtverletzung vor.

Bei dem Zusammenstoß zweier Nahverkehrszüge auf der Strecke von Holzkirchen nach Rosenheim waren am 9. Februar elf Männer ums Leben gekommen. 85 Insassen wurden teils lebensgefährlich verletzt.

Die Ermittler sehen eine direkte Verbindung zwischen den Computerspielen des Fahrdienstleiters und der Ursache des Zusammenstoßes. «Es muss aufgrund des engen zeitlichen Zusammenhangs davon ausgegangen werden, dass der Beschuldigte dadurch von der Regelung des Kreuzungsverkehrs der Züge abgelenkt war», teilte die Staatsanwaltschaft mit. Der 39-Jährige spielte den Ermittlungen zufolge über einen längeren Zeitraum bis kurz vor der Kollision der Züge aktiv auf seinem Mobiltelefon.

Der Fahrdienstleiter habe deshalb den Zügen falsche Signale gegeben und auch bei den folgenden Notrufen am Funkgerät die falsche Tastenkombination gedrückt. Bei seiner Festnahme habe der Mann gestanden, am Handy gespielt zu haben, teilte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese mit. "Er bestritt aber, hierdurch abgelenkt worden zu sein." Zum Vorwurf der fahrlässigen Tötung kommen noch fahrlässige Körperverletzung und gefährlicher Eingriff in den Bahnverkehr hinzu.

Die Ermittler legen dem Fahrdienstleiter nun nicht lediglich ein augenblickliches Versagen zur Last, "sondern eine erheblich schwerer ins Gewicht fallende Pflichtverletzung". Trotz der neuen Erkenntnisse gehen die Ermittlungen zur Unglücksursache unvermindert weiter. "Bis heute haben sich aber keine Hinweise auf technische Störungen ergeben, die Ursache oder Mitursache der Katastrophe sein könnten", teilte die Staatsanwaltschaft ergänzend mit.

(dpa)


 
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