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Organspende-Tag: Werben für mehr Vertrauen und Spendenbereitschaft

Angesichts des starken Rückgangs von Organspenden hat Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die Bürger aufgerufen, sich offensiv mit dem Thema zu befassen.
Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan bekommen. Politiker, Mediziner und Prominente werben am Tag der Organspende für Vertrauen und mehr Akzeptanz. Foto: Marius Becker Jeden Tag sterben drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan bekommen. Politiker, Mediziner und Prominente werben am Tag der Organspende für Vertrauen und mehr Akzeptanz. Foto: Marius Becker
Essen. 

«Organspende geht uns alle an und jeder von uns sollte sich entscheiden. Entweder für oder gegen eine Organspende», sagte Bahr am Samstag bei der zentralen Veranstaltung zum Tag der Organspende in Essen. Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) betonte, Manipulationen bei der Organvergabe müssten wirksam verhindert werden, um das Vertrauen in das System zu erhöhen.

Nach dem Auffliegen schwerer Betrügereien vor fast einem Jahr ist die Zahl der Organspender dramatisch gesunken - 2012 um 12,8 Prozent auf 1046. Bundesweit warten 12 000 Schwerkranke auf eine Organspende. Minister Bahr zufolge sterben täglich drei Menschen, weil es für sie kein passendes Organ gibt. «Mit einem Organspendeausweis kann man seine Entscheidung dokumentieren. Das schafft Klarheit, auch für die Angehörigen, die dadurch im Ernstfall entlastet werden», erklärte Bahr. Auch Steffens riet in Essen dazu, sich gut zu informieren, eine Entscheidung zu treffen und sie möglichst der Familie mitzuteilen, um diese nicht im Ernstfall unvorbereitet zurückzulassen.

Neben Politikern warben Kirchenvertreter, Organempfänger und Transplantations-Gesellschaften um mehr Akzeptanz. Nach einem Gottesdienst im Essener Dom am Vormittag setzen sich auch Prominente für die Organspende ein. Der Zentralrat der Muslime in Deutschland betonte, jeder könne helfen. Die Mehrheit der muslimischen Gelehrten begreife die Organspende nach dem Tod als Akt der Nächstenliebe.

Im Sommer Juli 2012 war bekanntgeworden, dass ein Göttinger Arzt planmäßig falsche Gesundheitsdaten von Patienten des Uniklinikums an das Unternehmen Eurotransplant gemeldet haben soll, damit die eigenen Patienten beim Empfang einer Spenderleber bevorzugt werden. Auch in weiteren Kliniken soll es Manipulationen gegeben haben.

«Wir werden alles daran setzen, das Vertrauen in den Wert der Organspende wiederherzustellen», sagte der Chef der Deutschen Stiftung Organtransplantation, Rainer Hess, der Nachrichtenagentur dpa. Weitere Skandale um manipulierte Wartelisten halte er für so gut wie ausgeschlossen. Nötig seien mehr Transparenz im Verfahren und eine saubere Datengrundlage zur Entscheidung, wer ein Organ erhalte.

Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery nannte die Transplantationsmedizin in der «Neuen Osnabrücker Zeitung» «so sicher wie noch nie». Der Medizinethiker Otfried Höffe appellierte an die allgemeine Hilfspflicht.

Die Stiftung Patientenschutz begrüßte den Organspende-Tag, forderte aber über Appelle hinaus eine umfassende Neuordnung des Organspendewesens. Nötig sei eine Reform des Transplantationsrechts durch den Bundestag. «Die Schwächen des Systems müssen beseitigt werden, damit das Vertrauen in der Bevölkerung für dieses wichtige Anliegen gewonnen werden kann», verlangte Stiftungschef Eugen Brysch. Es sei fraglich, ob die Organspende weiter privat organisiert bleiben solle - über die drei privaten Akteure Bundesärztekammer, Deutsche Stiftung Organspende und Eurotransplant.

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