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Angst um Arbeitsplätze: Peugeot greift nach Opel: Zittern in Rüsselsheim

Von Nach Milliardenverlusten in den vergangenen Jahren zieht der US-Autoriese General Motors nun die Reißleine und will seine Europa-Tochter Opel und Vauxhall abstoßen – nach 88 Jahren. Der französische Autokonzern PSA Peugeot Citroën ist an einer Übernahme interessiert.
<span></span> Foto: Guillaume Horcajuelo (EPA)
Frankfurt. 

Der Autobauer Opel steht vor einer Übernahme durch den französischen Konkurrenten Peugeot Citroën. Es war zur Mittagszeit, als die Eilmeldung wie ein Blitz aus heiterem Himmel in Rüsselsheim einschlug. Der Detroiter Mutterkonzern General Motors (GM) befindet sich in Gesprächen über eine Zusammenlegung seiner deutschen Tochter mit der französischen PSA-Gruppe, bestätigten beide Konzerne am Nachmittag. Die Gespräche seien fortgeschritten, eine Vereinbarung könne binnen Tagen verkündet werden, hieß es inoffiziell.

Das Opel-Logo ist im Kühlergrill eines Fahrzeuges zu sehen. Foto: Frank Rumpenhorst/Archiv
Drohende Opel-Übernahme durch Peugeot Kommentar: Dem Löwen zum Fraß

Täglich kann die Vollzugsmeldung zur Opel-Übernahme kommen. Ein ganz schwaches Bild gibt in dieser für die Mitarbeiter kritischen Phase das Opel-Management ab. Ein Kommentar von Wirtschafts-Ressortchef Michael Balk.

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Nichts, aber auch gar nichts hatte zuletzt darauf hingedeutet, dass GM sich von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall trennen wollte. Daher saß der Schock zunächst tief. Denn die Opelaner sind gebrannte Kinder. Sie haben bereits nach der Finanzkrise 2008 um ihre Existenz kämpfen müssen. Damals scheiterte die Trennung vom US-Mutterkonzern spektakulär. Nach einem schmerzhaften Sparprogramm, das tausende Jobs gekostet und zur Schließung des Werkes in Bochum geführt hat, geht es der Marke mit dem Blitz-Logo inzwischen wieder besser. Das Comeback auf dem Automarkt ist eindrucksvoll gelungen. Die Rückkehr zu schwarzen Zahlen hat Opel-Chef Karl-Thomas Neumann aber zuletzt verpasst. Denkbar, dass die GM-Bosse trotz positiver Entwicklungen nicht mehr an das Europageschäft glauben.

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Umfrage Opel-Verkauf an Peugeot: Das sagen Rüsselsheimer Mitarbeiter

Der französische Autohersteller PSA Peugeot Citroën denkt Medienberichten zufolge darüber nach, den deutschen Autobauer Opel zu kaufen. Bei der Entwicklung von Modellen arbeiten Opel und PSA bereits zusammen. Die ersten Stimmen von Mitarbeitern aus dem Opel-Werk in Rüsselsheim reichen von besorgt bis optimistisch.

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Ob ein engeres Zusammenrücken mit dem französischen Konkurrenten mehr Chancen bietet als Risiken birgt, ist derzeit noch nicht abzusehen. Autoexperten sind sich uneins. Autoprofessor Ferdinand Dudenhöffer sagt: „Eins und eins ergibt in diesem Fall nicht zwei, sondern eineinhalb.“ Analyst Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler ist optimistisch, „dass es Opel besser geht, wenn sich das Unternehmen aus den Fesseln von GM befreit hat und neue Märkte erobern kann.“

Bouffier fordert Jobgarantie

„Für uns ist wichtig, dass der Standort Rüsselsheim, die hiesigen Arbeitsplätze und das Entwicklungszentrum erhalten bleiben“, sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU). „Es ist vergleichsweise egal, ob der Eigentümer wie bisher in den USA sitzt oder in Frankreich. Entscheidend ist, was hier geschieht.“ SPD-Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel sieht in dem möglichen Zusammenschluss die Chance, „einen neuen Hersteller zu formen, der sich erfolgreich auf seine Stärken fokussiert“. Er erwarte jedoch, dass die deutschen Standorte – insbesondere der Stammsitz in Rüsselsheim mit dem Entwicklungszentrum – erhalten blieben.

Der Betriebsrat von Opel und die
IG Metall reagierten schockiert auf den sich anbahnenden Zusammenschluss. „Wenn es den Tatsachen entspricht, dass Gespräche von GM mit PSA geführt wurden und werden mit dem Ziel, Opel/Vauxhall zu verkaufen, wäre das eine beispiellose Verletzung sämtlicher deutscher wie europäischer Mitbestimmungsrechte.“

Opel-Mitarbeiter verschrauben im Stammwerk Rüsselsheim Teile an verschiedenen Fahrzeug-Modellen.
Reaktionen auf Übernahmepläne Opel stehen schwere Zeiten bevor

Die ersten Reaktionen auf die Eilmeldung, dass GM seine deutsche Autotochter Opel an Peugeot verkaufen wolle, zeigen vor allem eines: Keiner hatte damit auch nur im Entferntesten gerechnet. Die Nachricht traf Rüsselsheim und das Rhein-Main-Gebiet wie ein Blitz aus heiterem Himmel.

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Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD)kritisierte, die Gespräche seien ohne Rücksprache mit den Arbeitnehmervertretern und der hessischen Landesregierung geführt worden. Das sei völlig inakzeptabel.

Opel und der französische Zwei-Markenkonzern PSA arbeiten bereits seit 2012 zusammen. Ein Vertreter des französischen Wirtschaftsministerium sagte, die Pariser Regierung unterstütze das Management „bei seinem Wunsch, eine kritische Masse zu erreichen“.

Die PSA Group ist mit weltweit 184 000 Mitarbeitern größer als Opel mit 35 600. Davon sind gut 14 000 in Rüsselsheim beschäftigt. Die Franzosen haben in West-Europa, wo sie mit 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge absetzen, einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Opel kommt mit 1,16 Million verkauften Autos auf 6,6 Prozent. Der Autoexperte Stefan Bratzel rechnet damit, dass Peugeot bei einem Zusammenschluss mit Opel die Kosten massiv senken wird. Beide Unternehmen würden sich sicherlich die Frage stellen, ob alle Standorte noch gebraucht würden. Berichte und
Kommentar Wirtschaft Seite 4

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