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Zeman gewinnt erste Runde der Präsidentenwahl in Tschechien

Blickt Tschechien in den nächsten fünf Jahren mehr nach Osten oder nach Westen? Auch darum geht es bei der Präsidentenwahl in dem EU-Mitgliedstaat. Der prorussische Amtsinhaber Zeman trifft in zwei Wochen auf den Akademiker Jiri Drahos - es dürfte spannend werden.
Der tschechische Präsident Milos Zeman gibt in einem Wahllokal in Prag seine Stimme ab. Foto: Vít ?imánek/CTK Der tschechische Präsident Milos Zeman gibt in einem Wahllokal in Prag seine Stimme ab.
Prag. 

Amtsinhaber Milos Zeman hat die erste Runde der Präsidentenwahl in Tschechien klar gewonnen. Der 73-Jährige muss sich aber in zwei Wochen in einer Stichwahl gegen den parteilosen Chemieprofessor Jiri Drahos durchsetzen.

Zeman, der sich als Zuwanderungsgegner und Freund Russlands positioniert, kam nach Auszählung praktisch aller Wahlzettel auf 38,6 Prozent der Stimmen.

Der 68 Jahre alte Drahos erreichte 26,6 Prozent, gefolgt von dem früheren Botschafter in Frankreich, Pavel Fischer, mit 10,2 Prozent. Das teilte die Statistikbehörde CSU mit. Die übrigen sechs Kandidaten erzielten ein einstelliges Ergebnis.

Zeman erklärte sich zu einem Fernsehduell mit seinem Herausforderer Drahos bereit: „Ich bin mich immer noch jung, voller Kräfte und voller Energie.” Er dankte seiner Frau, dem populistischen Ministerpräsidenten Andrej Babis und dem Schlagersänger Karel Gott für ihre Unterstützung im Wahlkampf.

„Mit der zweiten Runde fängt alles bei Null an”, sagte Zeman und rief seine Anhänger zur Teilnahme an der Stichwahl am 26. und 27. Januar auf. Umfragen sagen ein ausgeglichenes Rennen voraus. Zeman hatte sich als Zuwanderungsgegner und Kämpfer für die kleinen Leute positioniert. Der Politik-Veteran pflegt gute Kontakte zu Moskau und Peking.

Drahos will den Nato- und EU-Mitgliedsstaat wieder stärker nach Westen orientieren. Er sagte im Fernsehen, er wolle vor der zweiten Runde alle Wähler ansprechen, auch die seiner Gegenkandidaten, und die politische Kultur verbessern: „Ich denke erst und rede dann.” Nach einer Umfrage des Senders CT würdigten die Wähler bei Zeman seine starke Persönlichkeit und sein Durchsetzungsvermögen, bei Drahos seine Ehrlichkeit und seine Bildung.

Die Beteiligung der knapp 8,4 Millionen Wahlberechtigten lag mit 61,9 Prozent ähnlich hoch wie bei der ersten Direktwahl des Staatsoberhaupts vor fünf Jahren. Der tschechische Präsident repräsentiert das Land im Ausland, ernennt die Verfassungsrichter und spielt eine Rolle bei der Regierungsbildung.

Bis auf einen Zwischenfall verlief die erste Wahlrunde ohne besondere Vorkommnisse: Eine Aktivistin der ukrainischen Frauengruppe Femen war mit nacktem Oberkörper und dem Ruf „Zeman - Putins Schlampe” auf den amtierenden Präsidenten zugestürzt, als dieser seine Stimme abgeben wollte. Ein Leibwächter überwältigte die junge Frau. Zeman war im November im Schwarzmeerort Sotschi mit Kremlchef Wladimir Putin zusammengekommen und setzt sich für ein Ende der EU-Sanktionen gegen Russland ein.

Der Ausgang der Stichwahl dürfte auch das weitere Schicksal der Regierung in Tschechien mitbestimmen. Zeman hatte den Populisten Andrej Babis trotz Betrugsvorwürfen zum Ministerpräsidenten ernannt und stützt dessen Minderheitskabinett. Der ANO-Parteichef und Multimilliardär rief im Gegenzug auch vor der zweiten Runde zur Wahl Zemans auf: „Selbstverständlich habe ich keinen Grund, meine Meinung zu ändern.” Er riet Zeman aber, klar zu deklarieren, dass er „unser Land nicht nach Osten orientieren will”.

(Von Michael Heitmann, dpa)
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