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Analyse: Aus der Traum vom Urlaub im All?

Wrackteile von dem Passagier-Raumflugzeug «SpaceShipTwo» liegen in der Mojave-Wüste. Foto: Michael Nelson Wrackteile von dem Passagier-Raumflugzeug «SpaceShipTwo» liegen in der Mojave-Wüste. Foto: Michael Nelson
Los Angeles. 

Es ist die Verheißung der Zukunft: Touristen steigen in ein Raumflugzeug und heben ab ins Weltall.

Einmal erleben, was fast nur den Astronauten vorbehalten ist: In der Schwerelosigkeit schweben, den ungetrübten Blick auf die Sterne genießen. Es ist der Traum vieler Menschen. Es dürfte vorerst ein Traum bleiben.

Der Absturz des «SpaceShipTwo» in der kalifornischen Mojave-Wüste am Freitag ist eine Katastrophe für den Weltraumtourismus, den manche als eine Milliardenindustrie der Zukunft ansehen. Der extrovertierte britische Milliardär Richard Branson wollte seine Raumkapsel mit Raketenantrieb eigentlich nächstes Frühjahr mit Passagieren ins All schicken. Es sollte der Beginn einer neuen Ära der Menschheit sein.

Seit Jahren fachte er die Aufbruchstimmung in der Branche an. Sein Unternehmen Virgin Galactic verkaufte nach eigenen Angaben bereits fleißig Tickets. Trotz einer Gebühr von 250 000 Dollar (200 000 Euro) sollen sich mindestens 700 Neugierige einen Platz an Bord gesichert haben, darunter viel Prominenz aus der Film- und Geschäftswelt. Sie alle lockte die Aussicht, einmal die in 100 Kilometern Höhe liegende Weltraumgrenze überwinden zu können.

Im US-Staat New Mexiko bauten Branson und seine Geschäftspartner für 29 Millionen Dollar den Weltraumbahnhof Spaceport America mit einer drei Kilometer langen Piste. Bei einer Eröffnungsfeier 2010 bezeichnete der Milliardär den Bau als «das neue Zuhause des Weltraumflugs». Sein Enthusiasmus riss viele mit.

Doch über die Jahre wuchsen auch die Zweifel. Das Projekt erlebte eine Verzögerung nach der anderen. Nicht nur Raumfahrt-Fans, sondern auch Branson wurden immer ungeduldiger. «Ich würde bitter enttäuscht sein, wenn ich nicht vor dem Ende dieses Jahres im Weltall bin», sagte er vor zwei Monaten in einem Interview. «Wir machen noch drei weitere Raketentests und dann sollte es losgehen.»

Nun zerschellte «SpaceShipTwo» bei einem dieser Tests. Es war der erste mit einer Raketenzündung seit Januar. In der langen Pause sollen der Motor und die Treibstoffmischung verändert worden sein. Das Trägerflugzeug «WhiteKnightTwo» brachte die Kapsel in die Höhe und entließ sie zum Freiflug. Doch die Raketenzündung ging schief, die Kapsel fiel auf die Erde wie ein Stein. Ein Pilot starb, der andere konnte sich mit dem Fallschirm retten.

Natürlich kommen nun Fragen auf, ob die Unternehmer hinter der Idee zu sehr aufs Tempo gedrückt haben. Ob die Tests ausreichend gewesen sind. Ob das Leben der Testpiloten überhastet aufs Spiel gesetzt wurde. Über die Ursache machten die Verantwortlichen zunächst keine klaren Angaben. Branson selbst kündigte an, sofort zu seinem Team in Kalifornien zu fliegen. Er wird viel Erklärungsarbeit leisten müssen.

«Wir haben schon immer gewusst, dass der Weg ins All extrem schwierig ist - und dass jedes neue Transportsystem in seinen Anfängen mit schlechten Tagen zu kämpfen hatte», teilte Branson im Internet mit. In der Tat musste die bemannte Raumfahrt mehrfach Rückschläge einstecken, bevor historische Ziele wie der erste Flug ins All oder die Mondlandung erreicht wurden. Dass selbst Routiniers heute noch Rückschläge einstecken müssen, zeigte die Explosion des unbemannten US-Raumtransporters «Cygnus» in Virginia vor wenigen Tagen.

Doch Branson, der das goldene Zeitalter des Weltraumtourismus mit seinem dauerhaften Optimismus anscheinend so schnell wie möglich herbeizaubern wollte, ist vielleicht über das Ziel hinausgeschossen. Es sei unverantwortlich gewesen, schon für das kommende Jahr mit Passagierflügen ins All zu rechnen, sagt der Astrophysiker Jonathan McDowell. Bevor Touristen ins All geschossen werden können, seien noch mehr Testflüge notwendig. Für Weltraum-Enthusiasten ist dieser Crash ein herber Rückschlag. «Es wird eine lange Zeit vergehen, bevor wir sehen, wie sie Passagiere fliegen lassen», sagt McDowell.

(Von Marco Mierke, dpa)
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