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Analyswe: Nach der Sachsen-Wahl muss AfD Farbe bekennen

Frauke Petry, Spitzenkandidatin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen und der AfD-Bundesgeschäftsführer Frank-Christian Hansel. Foto: Rainer Jensen Frauke Petry, Spitzenkandidatin der Partei Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen und der AfD-Bundesgeschäftsführer Frank-Christian Hansel. Foto: Rainer Jensen
Berlin. 

Ein bisschen alte CDU, ein Quäntchen frühe FDP, eine Prise Populismus und ein wenig «Ostalgie» - mit diesem bunten Mix hat die Alternative für Deutschland (AfD) in Sachsen fast zehn Prozent der Wähler hinter sich geschart.

Das reicht aber wahrscheinlich nur für einen Platz auf der Oppositionsbank, weil die CDU als stärkste Kraft bislang keinen Schritt auf die Newcomer-Partei zugeht. Trotzdem wird die AfD jetzt erstmals wirklich Farbe bekennen müssen.

Auf ihren zwei bundesweiten Lieblingspolitikfeldern - der Eurokrise und der Zuwanderung - wird sie in Dresden zwar wenig bis nichts bewegen können. Doch die Truppe um die Landesvorsitzende Frauke Petry wird sich demnächst auch daran messen lassen müssen, ob sie bei ihren zwei wichtigen Wahlkampfthemen Polizeireform und Bildungspolitik im Landtag künftig aus der Opposition heraus neue Impulse gibt.

Dass Sachsen nur ein Etappenziel für die Partei mit dem blau-rot-weißen Logo ist, macht Petry gleich am Tag nach der Wahl deutlich. Wie bei einem Staffellauf übergibt sie einen symbolischen Stab an die beiden Landesvorsitzenden Aus Brandenburg und Thüringen, Alexander Gauland und Björn Höcke. Die beiden Männer hoffen, dass auch sie mit Rückenwind aus Sachsen in den Landtag einziehen werden. In Brandenburg hat die AfD sich den Pannen-Flughafen ausgesucht, um die etablierten Parteien zu ärgern. In Thüringen will Höcke mit einem «neuen authentischen Politikstil» punkten.

Die Einigkeit, mit der sich Petry, Gauland und Höcke jetzt präsentieren, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die AfD eineinhalb Jahre nach ihrer Gründung immer noch mitten in der Selbstfindungsphase steckt. Petry sieht ihre Partei in einer Lücke «leicht recht von der CDU». Diese Lücke habe sich aufgetan, weil «die anderen Parteien den Marsch nach links angetreten haben und wir dort stehen bleiben», erklärt sie. Andere AfD-ler betonen dagegen eher das liberale Profil der Partei. Die Alternative für Deutschland hat Befürworter und Gegner des Mindestlohns in ihren Reihen. Und auch in der Frage, wie die Bundesregierung auf das geopolitische Machtstreben des russischen Präsidenten Wladimir Putin reagieren soll, gehen die Meinungen auseinander.

«Das sind ganz normale gruppendynamische Prozesse», erklärt Höcke, in dessen Landesverband es zeitweise besonders turbulent zuging, auf einer Pressekonferenz am Tag nach der Sachsen-Wahl. Und überhaupt - in der Anfangsphase der Grünen habe es schließlich noch länger gedauert, bis sich alles einigermaßen zurechtgeruckelt habe, fügt er hinzu. Als Höcke merkt, dass er seine Zuhörer noch nicht restlos überzeugt hat, legt er noch einmal nach: «Es herrscht jetzt Ruhe im Thüringer Landesverband.»

Ruhe herrscht auch zwischen der AfD-Spitze und der CDU - besser gesagt: Stillschweigen. Das wurmt die Newcomer, in deren Reihen sich einige ehemalige CDU-Mitglieder finden, wie etwa Gauland, der einst Staatskanzleichef unter Hessens CDU-Ministerpräsident Walter Wallmann war. Er betont zwar, man werde niemandem hinterherlaufen. Petry versucht es derweil aber mit düsteren Prophezeiungen: «Die CDU wird weiter Mitglieder verlieren, wenn sie sich dem inhaltlichen Diskurs mit uns verweigert.»

(Von Anne-Beatrice Clasmann, dpa)
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