Lade Login-Box.
E-Paper Abo & Service Immo Stellen Trauer

TV-Kritik: Borowski und das Fest des Nordens: Einfach nur furchtbar

Von Gibt es einen Preis für den schlechtesten TV-Krimi des Jahres? Dieser Kieler "Tatort" wäre ein ganz heißer Anwärter dafür!
Nach einem Wohnungsbrand findet sich Borowski (Axel Milberg, li.) auf der Straße. Die Kollegen tippen auf einen Molotov-Cocktail als Ursache. Foto: NDR/Christine Schroeder Nach einem Wohnungsbrand findet sich Borowski (Axel Milberg, li.) auf der Straße. Die Kollegen tippen auf einen Molotov-Cocktail als Ursache.
Er könnte ein entfernter Verwandter von Georg Bleistein sein, jenem sanften, dann aber immer wieder und in zunehmendem Maße aggressiven Riesenbaby aus dem grandiosen "Ein Unding der Liebe" mit Erich Bar in der Hauptrolle. Aber während Bleistein, von dem Schriftsteller Ludwig Fels erfunden, seine Wut in erster Linie gegen sich selbst richtet – auch seine Fettleibigkeit durch ständiges Überessen zeugt davon – teilt Roman Eggers (Mišel Maticevic) Schläge aus.

Film verpasst? Hier geht es zur Mediathek!
 
Diese Schläge töten seine Freundin, die ihn in einer leerstehenden Wohnung aufsucht, wo er haust. Andere Frauen, mit denen er was hatte, wollen nichts mehr von ihm wissen. Es wird nicht die einzige Leiche in diesem Krimi bleiben. Und die freundschaftlich-kollegiale Beziehung zwischen den Ermittlern Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) endgültig zerbrechen lassen. Kekilli steigt nämlich mit diesem Film endgültig aus dem "Tatort" aus, auch wenn das so gar nicht vorgesehen war. Man kann sie verstehen.

Ohne echten Zusammenhang

Das ist das nämlich einzig Positive hier: Eggers könnte eine ziemlich starke Figur sein. Nur leider hält der Rest des Films nicht mal ansatzweise, was Eggers und sein Darsteller Mišel Maticevic  versprechen. Eggers taumelt nämlich ziemlich ziellos durch den Plot. Möglicherweise, weil er keine richtige Vergangenheit ausweisen kann – das wirkt sich auch auf seine Gegenwart aus. Mal geht es um geliehenes Geld, dann plötzlich wieder um Sprengstoff für einen angeblichen Bombenbau: Einen echten Sinn will das nicht ergeben.
 
Ähnlich wenig nachvollziehbar agieren auch Borowski und Brandt. Ersterer schüttet kräftig Rotwein in sich hinein und will sich offenbar plötzlich mit aller Gewalt als einsamer Wolf profilieren. Und Sarah Brandt, Schreck lass nach, macht nachts in einem besonders grotesken Moment sogar wie eine Verrückte Jagd auf ein paar lärmende Passanten. Während Brandt aber in anderen Szenen immerhin noch halbwegs professionell  auftritt, fällt Borowski vor allem durch Verständnis für Eggers, provozierende Fragen und dumme Bemerkungen auf.

Viel Überflüssiges

Während der Handlung ist grad Kieler Woche. Mit der Haupthandlung hat das allerdings herzlich wenig zu tun, abgesehen von ein paar überflüssigen Trinkszenen mit Borowski und einigen Sequenzen, in denen die Kamera Eggers folgt, wie er sich einen Weg durch die Menge bahnt. Im Wesentlichen also etwas Lokalkolorit ohne echte Bedeutung.
 
Natürlich fehlen auch alle feinen Zwischentöne. Schon nach wenigen Minuten kommt die erste Szene mit viel Geschrei. Die Morde Eggers sollen wohl sein Herausfallen aus allen bürgerlichen Normen symbolisieren. Da sie aber stets mit voller Absicht und dennoch ziemlich unmotiviert geschehen, wirken sie eher, als hätte sich das Drehbuch eine nachvollziehbare Motivation sparen wollen. Mitgefühl oder gar eine widerwillige Sympathie für einen Täter – etwas, was jeden Krimi adelt – kommt so natürlich nicht auf.

War es die Rache an Kekilli?

Kaum zu glauben, dass hier die Vorlage ursprünglich von Krimi-Legende Henning Mankell stammt. Die ganze Geschichte wirkt wie aus lauter sonst nicht verwertbaren Szenen ohne echten Zusammenhang aneinandergeschraubt. Es heißt, der Film sollte gar nicht der letzte Fall mit Sarah Brandt werden, aber insgesamt erscheint er schon wie ein finaler Tritt gegen Sibel Kekilli wegen ihres Abschieds. Für den nächsten Fall wünscht man Borowski eine neue Kollegin und viel mehr noch ein wenigstens halbwegs sinnvolles  Drehbuch.

Zur Startseite Mehr aus TV-Kritik

BITTE BEACHTEN SIE: Unser Angebot dient lediglich Ihrer persönlichen Information. Kopieren und/oder Weitergabe sind nicht gestattet. Hier finden Sie Informationen zur Verwendung von Artikeln. Quellen: Mit Material von dpa, afp, kna, AP, SID und Reuters

Archiv ThemenMediadatenKontaktImpressumDatenschutzRSS

© 2017 Frankfurter Neue Presse