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TV-Kritik: "Das Botschaftsattentat": Starker Auftakt

Von Die neue ARD-Reihe "Die Diplomatin" mit Natalie Wörner beginnt vielversprechend trotz kleinerer Merkwürdigkeiten.
Karla Lorenz (Natalia Wörner) ist in Tunis, um eine Terrorismus-Übung zu leiten. Doch dann gerät sie selbst in die Gewalt von Geiselnehmern. Bild: Foto: ARD Degeto/Daniela Incoronato Karla Lorenz (Natalia Wörner) ist in Tunis, um eine Terrorismus-Übung zu leiten. Doch dann gerät sie selbst in die Gewalt von Geiselnehmern. Bild:
Eben war es nur eine Sicherheitsübung in der deutschen Botschaft von Tunis, doch plötzlich wird es ernst: Eine islamistische Terror-Gruppe unter dem Kommando von Anführer Raid (Navid Navid) gelangt mit Hilfe von Esra (Halima Ilter) in das Gebäude und nimmt die Angehörigen der Botschaft als Geiseln. Es gibt einen Toten. Esra hatte in Deutschland studiert und sich anschließend in ihrer Heimat um einen Posten in der Deutschen Botschaft beworben. Dabei wurde sie von Karla Lorenz (Natalie Wörner), einer Krisendiplomatin, massiv gefördert.
 
Karla Lorenz leitet die Sicherheitsübung vor Ort und gerät dabei selbst in die Hände der Geiselnehmer. Die verlangen die Freilassung von Gesinnungsgenossen aus tunesischen Gefängnissen innerhalb von 48 Stunden. Das Auswärtige Amt sendet Thomas Eick (Thomas Sarbacher) als Sonderbeauftragten nach Tunis, er soll mit der tunesischen Regierung verhandeln. Doch die, vertreten durch Maja Kousri (Renan Demirkan), zeigt nur wenig Neigung, auf die Forderungen der Geiselnehmer einzugehen.

Nicht neu, aber packend

Vielmehr stellen sie selbst Forderungen nach Erhöhung des Exportvolumens für Tunesien als Gegenleistung. Was den Nervenkrieg um die Freilassung der Geiseln nicht einfacher gestaltet. Während Karla Lorenz versucht, Esra zu beeinflussen, läuft die Zeit unerbittlich ab. Eine Geiselnahme als Inhalt? Nicht Neues im Krimi, und man weiß ja, wie Drehbuch und Regie dergleichen gestalten. Da gibt es die Hysterie unter dem Geiseln und die nervöse Anspannung draußen, dazu kaltblütiges Verhandeln und die Zeit, die den Rettern davonläuft.
Alles erprobte Zutaten, auf die auch Regisseur Elmar Fischer nicht verzichtet. Inszeniert hat er das Ganze aber dennoch überaus fesselnd. Schon mit der ersten Aufnahme eines Fahrzeugs mit Schwerbewaffneten an Bord gleich zu Beginn packt die Geschichte richtig zu, dazu kommt eine wirkungsvolle Musik. Nicht in allen Belangen überzeugen kann allerdings Natalie Wörner: Zwar gibt sie als toughe und kompetente Karla Lorenz mit ihrer selbstbewussten Art, sich zu bewegen, eine sehr gute Figur ab.

Ein hilfloser Botschafter

Die Perücke, die sie dabei trägt, mindert aber den Eindruck von Authentizität und wäre nicht nötig gewesen. Auch die Handlung wirkt in manchen Details etwas seltsam: Wenn Esra die Botschaft im Auto verlässt, um den Zustand von Gefängnisinsassen zu begutachten, wirkt das im Zeitalter von Livecams nicht sonderlich glaubwürdig. Umso besser kommt es dann aber später, wenn deutlich wird, dass die Parteien ihr eigenes Spiel spielen. Auch die Schauspieler können sich gut schlagen: Neben Wörner besonders Hans-Jochen Wagner als Botschafter Saalmüller, der mit seinem eher weichen Auftreten einen gewissen Eindruck von Hilflosigkeit hinterlässt und dennoch durch seinen Mut beeindruckt.
 
Was wiederum der Spannung zugutekommt. Gefallen kann ebenso Renan Demirkan in ihrer Rolle als unterkühlte Verhandlungspartnerin. Den Machern gelang ein dichter und gut gemachter Thriller weitgehend ohne Leerlauf, in dem auch die Geiselnehmer ziemlich ambivalent rüberkommen. Warum die neue ARD-Reihe um Karla Lorenz aber mit dem eigentlich zweiten Film beginnen muss - den Erstling "Entführung in Manila" zeigt die ARD nächsten Samstag - wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Die Filme sollten ursprünglich im vergangenen Herbst ausgestrahlt werden, doch die ARD hat sie wegen der Anschläge in Paris verschoben.
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